Für Verbraucherinnen und Verbraucher häufig keine eindeutige regionale Herkunft erkennbar

Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts achten 65 Prozent der Verbraucher beim Kauf ihrer Lebensmittel immer oder meistens auf die regionale Herkunft, d. h. sie möchten Lebensmittel aus ihrer Region kaufen. Häufig bewerben Handel und Hersteller Lebensmittel mit dem Zusatz „Aus der Region“. Aber können Verbraucher regionale Lebensmittel wirklich erkennen? Äpfel, Kartoffeln, Weißkohl, oder Rosenkohl werden z. B. in Mecklenburg-Vorpommern durchaus in größerem Maßstab angebaut und werden deshalb von Verbrauchern auch im Einzelhandel erwartet.

Mit einer stichprobenartigen, nicht repräsentativen, Markterhebung hat die Neue Verbraucherzentrale in Mecklenburg und Vorpommern e. V. ermittelt, woher zur besten Saisonzeit Obst und Gemüse kommen bzw. ob klare Aussagen zur regionalen Herkunft erkennbar sind.

Die Markterhebung fand in der Zeit vom 9. bis 12. November 2010 in fünf größeren Städten des Landes in 17 Lebensmittelmärkten und auf 15 Wochenmarktständen statt. Dabei wurden 227 verpackte sowie rund 300 lose angebotene Produkte betrachtet (Äpfel, Kartoffeln, Weißkohl, Brokkoli, Rosenkohl und Zwiebel). Besonders wurde auf Aussagen der Hersteller und der Handelseinrichtungen zur Regionalität geachtet.

Die Angabe des Ursprungslandes (d. h. des Staates) auf der Verpackung bzw. auf einem Schild an der Ware ist für die untersuchten Produkte gesetzlich vorgeschrieben (außer Kartoffeln, dort kann auch der Verpacker angegeben sein). Immerhin fehlte 80 mal die Angabe des Ursprungslandes, häufig bei Brokkoli und Weißkohl und häufig auf Wochenmärkten (drei Viertel der Fälle).

Ein Großteil der Äpfel, Kartoffel und Mohrrüben, des Weiß- und Rosenkohls und des Brokkoli, bei dem korrekt das Ursprungsland angegeben war, stammte aus Deutschland (84 Prozent), bei Weißkohl, Mohrrüben und Zwiebeln waren es fast 100 Prozent. Rosenkohl kam zu 75 Prozent und Brokkoli zu 61 Prozent aus Deutschland. Auch die Äpfel wurden größtenteils in Deutschland geerntet (75 Prozent).

Eine weitere Differenzierung zur Herkunft war jedoch kaum möglich, denn dies ist eine zusätzliche freiwillige Angabe des Erzeugers bzw. des Händlers. So konnten nur bei gut einem Viertel der Produkte aus Deutschland zusätzliche Angaben zur Region gefunden werden. Und nur 9 Prozent des untersuchten Obst- und Gemüseangebotes waren erkennbar aus Mecklenburg-Vorpommern.  Hervorzuheben wären nur die Kartoffeln, die zu immerhin 15 Prozent aus M-V stammen.

Wenig hilfreich sind solch gefundenen Aussagen wie „Unsere Heimat“ oder „Deutscher frischer Brokkoli vom Bauern“. Unklare Angaben, wie „Von hier“ oder „Aus Ihrer Nähe“ sollten der Vergangenheit angehören.

Damit der Wunsch vieler Verbraucher nach regionalen Produkte nicht missbraucht  werden kann, fordert die Neue Verbraucherzentrale klare Regeln für zusätzliche regionale Herkunftsangaben. Aus der Kennzeichnung muss deutlich hervorgehen, welche Region gemeint ist und ob sie für die Erzeugung oder eventuell nur für die Verpackung gilt.