Die ambitionierte Cellistin Laura Moinian zum Jahr 2017 aus persönlicher Sicht

Das Jahr 2017 ist im Endspurt. Und der hat es in sich. Am 24.September wurde gewählt, es gab überraschende Ergebnisse und „geplatzte“ Sondierungen und bis Weihnachten bzw. Silvester wird Deutschland noch immer keine neue Bundesregierung haben. Tja, so ist eben Politik. Viel Gescheites verbindet man damit nicht…

Ansonsten war 2017 ein anstrengendes, mühevolles und atemberaubendes Jahr. Nobelpreise, Oscars, WM-Medaillen wurden verteilt: Ehre, wem Ehre gebührt, ob in den Wissenschaften, im Film oder im Sport.

Heldinnen und Helden wurden geboren, Denkmäler gestürzt und neue imposante Bauwerke errichtet.

Zwischen Umwelt-Frevel und Konflikten: Planet Erde

Planet Erde ist immer noch kein besserer Ort geworden. Tier- und Pflanzen-Arten verschwinden, der Klima-Wandel schickt erste Vorboten. Das Wetter spielte „verrückt“, auch in Europa. Die Spezies Mensch vernichtet seine Umwelt und im End-Effekt sich selbst. Mehr als 40 Kriege und kriegerische Konflikte auf fast allen Erdteilen dokumentieren, was Menschen anderen Menschen noch immer an Leid zufügen können.

Wie meinte einst der Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein treffend: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Wenig freudvolle Realitäten

Menschen, insbesondere Kinder, verhungern, Menschen flüchten, Menschen verzweifeln. Nichts davon müßte sein, denn eigentlich ist genug für alle da. Der technische Fortschritt sollte eigentlich allen zugute kommen. Aber was ist: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr als die restlichen 99 Prozent. Auch Deutschland geht es nicht wirklich gut. Geschönte Statistiken, frohlockender medialer Mainstream und eine politische Kaste, die jede Bodenhaftung verlor, zeichnen eine Lage, die es in der Realität längst nicht mehr gibt.

Die Gefahr einer globalen Apokalypse hat – mit Blick auf die koreanische Halbinsel – zugenommen. Der Mensch lernt einfach nicht dazu.

Unvergessen bleiben dabei die Worte von Michail Gorbatschow, des russischen Reformers: „Wir alle sind Passagiere an Bord des Schiffes Erde, und wir dürfen nicht zulassen, dass es zerstört wird. Eine zweite Arche Noah wird es nicht geben.“

Olympia als Chance?!

Im nächsten Jahr finden die XXIII. Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang statt – eine gute Gelegenheit das friedliche Miteinander neu zu erlernen und aufeinander zuzugehen. Nicht nur im sportlichen Sinne… Immerhin sind Olympische Spiele das einzige Fest, zu dem die ganze Welt geladen ist!

Eine junge Musikerin, eine ambitionierte Cellistin, die mit ihren Auftritten ebenfalls Menschen auf der ganzen Welt begeistert, ist Laura Moinian, die 1994 geboren wurde – 1994… Ja, da gab es in Lillehammer die wohl wirklich besten Olympischen Winterspiele aller Zeiten, getreu dem Motto „Back to the roots!“.

MV-SCHLAGZEILEN befragte Laura zu ihrem Jahr 2017 und ihren Hoffnungen 2018

Laura Moinian über Vergangenes und Kommendes

„Musik ist Teil der schöpferischen Kraft in uns, die Gutes bewirken kann…“

Frage: Laura, das Jahr 2017 ist auf der Zielgeraden. Was waren für Dich persönlich – für Dein Leben und global betrachtet – die Ereignisse des Jahres? Was waren nicht zuletzt für Dich die Konzerte des Jahres?

Laura Moinian nach ihrem Konzert in der Elbphilharmonie – auf der Elbphilharmonie mit Blick auf Hamburg. Foto: Moinian/privat

Laura Moinian: Für mich gab es eine Menge neuer Erfahrungen und Herausforderungen. Gerade die verschiedenen Konzert-Reisen prägten mich sehr – persönlich wie künstlerisch. Sehr nachhaltige Erinnerungen habe ich – nur ein Beispiel – an meine Teilnahme am Musikfestival in Alzenau. Dort wird klassische Musik auf dem Lande gelebt und begeistert aufgenommen. Eindrucksvoll waren auch das Konzert in der Elbphilharmonie Hamburg und die Konzert-Reihe in Sankt Petersburg. Besonders freue ich mich nun auf die drei klassischen Konzerte auf der Kreuzfahrt der MS Europa nach Südamerika. Es ist schon eine reizvolle künstlerische Aufgabe.

Global betrachtet, hielt mich die Regierung des neuen US-Präsidenten Donald Trump „in Atem“…

Frage: Musik überwindet bekanntlich Grenzen, fördert Toleranz. Warum klappt das interkulturelle Miteinander in der Musik, in der Wissenschaft und im Sport um so vieles besser als „im normalen Leben“? Worin siehst Du die Ursachen?

Laura Moinian: Musik, Kunst allgemein ist der gute Teil, der in uns ist, ja ein Teil der schöpferischen Kraft, die in uns liegt und Gutes bewirken kann. Dieser Teil muß nur entdeckt und gefördert werden. In einem früheren Gespräch erwähnte ich ja meinen Großvater, der als deutscher Wehrmachtssoldat in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Er spielte die Violine meisterlich, auch während seiner Haft. Die russischen Soldaten faszinierte er mit dieser. Sie sahen in ihm danach nicht mehr einen Gefangenen, sondern einen Künstler. Ähnliche Erfahrungen machte ich selbst bei einer Konzert-Reihe in Israel vor fünf Jahren. Dort musizierte ich mit israelischen Künstlern, deren Großeltern extrem unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland gelitten hatten bzw. ermordet wurden. Dennoch sahen wir in uns Künstler, die ohne Groll nach vorn blicken, ein gemeinsames Ziel haben und aus der Vergangenheit die richtigen Lehren ziehen. Denn: Auf die Menschen kommt es an. Musik hilft dabei, Ressentiments und Gräben zu überwinden.

Frage: Für 2018… Welche musikalischen Ziele hast Du?

Laura Moinian: Ich möchte natürlich künstlerisch weiter reifen, einer Perfektion nahe kommen. Die verschiedenen geplanten Konzerte innerhalb und außerhalb Deutschlands sind dabei sicherlich hilfreich. Wenn es mir gelingt, mit meinen Konzerten die Köpfe und Herzen der Zuhörerinnen und Zuhörer zu erreichen, wäre es grandios. Ansonsten möchte ich selbst beim Schubert-Wettbewerb der ARD in München erfolgreich sein. Es gibt also 2018 einiges für mich zu tun!

Frage: Immer nur Cello spielen, geht ja nicht. Bist Du auch sportlich aktiv? Interessieren Dich auch die kommenden Winterspiele?

Laura Moinian: Ja, ich brauche Abwechslung und Bewegung auch als Ausgleich zum künstlerischen Aktiv sein. Ich habe mich ja unter anderem zehn Jahre aktive Karate gewidmet und bin auch am Skifahren fasziniert.

Daher interessieren mich bei Winter-Olympia vor allem die alpinen Ski-Wettkämpfe. Ich bin schon gespannt, ob die so erfolgreiche Lindsey Vonn auch in Pyeongchang wieder „glänzen“ kann und ob zudem Slalom-Ass Mikaela Shiffrin ihre internationale Siegesserie in ihrer Spezial-Disziplin fortsetzen wird. Aus deutscher Sicht drücke ich Viktoria Rebensburg im Alpin-Bereich fest die Daumen.

Frage: Welche Leistungen, ob in Kultur, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft oder Gesellschaft, beeindruckten Dich 2017 am meisten?

Laura Moinian: Da steht für mich das Engagement meiner Agentur TONALi an erster Stelle. Diese erhielt für beispielhafte Aktivitäten im Bereich der Sichtung und Betreuung von musikalischen Talenten den ECHO-Klassik in der Kategorie „Preis für Nachwuchsförderung“ . Im Zentrum der Arbeit von TONALi steht unter anderem ebenfalls die „Publikumsakademie“. Hier wird Kindern und Heranwachsenden die umfangreiche Arbeit eines Musik-Managers näher gebracht. So gibt es an rund fünfzig Schulen Schülermanager, die Klassik-Konzerte für Mitschüler und deren Angehörige organisieren, um Begeisterung für diesen Musik-Bereich zu entfachen. Ich denke, dass es ein ganz, ganz wertvoller Beitrag ist, um mit klassischer Musik gesellschaftliche Gräben zu überwinden.

Frage: Nach dem Weihnachtsmann folgen ja die Silvester-Raketen und der Neujahrskater… Welche Schlagzeile würdest Du Dir am Ende des Jahres 2018 wünschen?

Laura Moinian: Es gibt ja so viel Ungerechtigkeit, Leid und Missgunst auf der Welt. Da wünsche ich mir: „Leute, wacht endlich auf!“. Also, wenn die Schlagzeile dann Ende 2018 lautet „Die Menschheit wachte endlich auf!“ – Das wäre klasse!

Vielen Dank, weiterhin alles Gute und maximale Erfolge!

Marko Michels