Die Jazz-Musikerin Cleo Steinberger über ihren künstlerischen Weg und ihr Konzert in Schwerin

Schwerin und Jazz. Das hat eine große Tradition. Da gab es in der Vergangenheit schon zahlreiche Gastspiele von Jazz-Heroen, fanden Jazz-Festivals und viele Einzel-Konzerte statt. Unvergessen der Auftritt von Louis Armstrong, dem „King of Jazz“, vor 53 Jahren, am 8.April 1965, in der Schweriner Sport- und Kongreßhalle.

Demnächst, am 27.April 2018, kommt ein herausragendes Jazz-Talent zu den Schweriner Jazz-Tagen in die Landeshauptstadt M-V, in die urige und traditionsreiche Lokalität „Angler II“. CLEO (Cleo Steinberger) ist ein begnadetes Jazz-Talent, das im August 2017 ihr Debüt-Album „Let them Talk feat. Jan Luley Trio“ veröffentlichte. Ende April wird sie dann ihr Konzert in Schwerin zur Thematik „CLEO & David Grabowski – Tribute to Ella Fitzgerald and Joe Pass“ präsentieren.

MV-SCHLAGZEILEN fragte nach

Cleo über ihren Weg zum Jazz und ihre Begeisterung für den Jazz, ihr Konzert in Schwerin und weitere künstlerische Ziele

„Möchte mich über die Musik ausdrücken und Menschen damit berühren…“

Frage: Frau Steinberger, Ende April kommen Sie nach Schwerin, in eine der deutschen Hochburgen des Jazz. Es wird ein Tribut-Konzert an zwei Jazz-Größen, an Ella Fitzgerald und Joe Pass. Was werden die interessierten Zuschauer hören? Gingen Sie chronologisch bei der Titel-Auswahl vor und „ganz subjektiv“…

Cleo Steinberger. Foto: Jan Luley, Luleyfoto.de

Cleo Steinberger: Vor zwei Jahren saß ich mit meinem Gitarristen David Grabowski zusammen und wir hörten uns Alben von Ella und Joe an. Wir waren beeindruckt von der zeitlosen, sensiblen Art und Weise und der Leichtigkeit, wie die beiden Jazz-Legenden Standards interpretierten und spielten daraufhin unsere Lieblingstitel im Stil unserer beiden Vorbilder nach.

Am 27.April werden wir im Rahmen der Schweriner Jazz-Nacht unter anderem unser persönliches Best of der vier Studio-Alben, die Ella und Joe gemeinsam aufnahmen, präsentieren. Außerdem dürfen die Zuhörer gespannt sein auf unsere eigenen, moderneren Interpretationen bekannter und weniger bekannter Standards, mit denen wir unser Programm in letzter erweitert haben.

Frage: Schwerin gilt ja allgemein als „Provinz“, obwohl es das nicht wirklich ist… Immerhin gibt es hier das drittälteste deutsche Orchester, viele Kultur- und Musik-Institutionen. Waren Sie schon des Öfteren in Schwerin?

Cleo Steinberger: Ich war auf schon einmal in Schwerin, das ist aber schon sehr, sehr lange her. Ich kann mich nur dunkel an das Schloss erinnern. Eigentlich schade, zumal Schwerin ja nicht weit weg ist von Hamburg. Umso mehr freue ich mich dann aber auf den Ausflug Ende des Monats.

Das ist das Schöne an meinem Job: Ich komme viel herum und lerne Städte kennen, in denen ich noch nie war oder eben nur sehr selten bin.

Frage: Sie haben ja die musischen Gene geerbt… Wann merkten Sie für sich – Jazz, das ist „mein Ding“?

Cleo Steinberger: Das war im Alter von 15 Jahren während meines sechsmonatigen Aufenthalts in New Orleans. Jazz gibt es dort nach wie vor überall! Tagsüber auf den Straßen, nachts in den Clubs und im Radio sowieso. Es gibt kein Entkommen.

So wurde ich sehr schnell angesteckt  vom dortigen Jazz-Fieber und meldete mich in einer Musikschule an, in der ich unentgeltlich Gesangs-, Theorie- und Bandunterricht erhielt und alte Traditionals, wie „Summertime“ und „Oh, whenthe Saints gomarching in“, lernte. Ich hatte großen Spaß, mich mit diesen Songs vertraut zu machen, auch weil so viele Kinder und Jugendliche in meinem Alter dasselbe taten. Es war für mich dort irgendwie das Normalste der Welt, Jazz zu singen bzw. zu hören und seitdem mache ich kaum noch was anderes.

Frage: Wie entstand dann ihr Debüt-Album? Welche Hürden waren zu meistern?

Cleo Steinberger: Mein Debüt-Album entstand dank meiner Begegnung mit dem Pianisten Jan Luley, den ich vor einigen Jahren in New Orleans kennenlernte.

Uns verbindet die große Liebe zum New Orleans Swing und wir entschieden uns, ein Album mit bekannten New Orleans-Songs wie „Bourbon Street Parade“ und „Do you know what it means to Miss New Orleans“ aufzunehmen, um den besonderen Spirit der Stadt nach Deutschland zu bringen.

Jan stellte die Band aus Musikern zusammen, von denen er wusste, dass auch sie vom „New Orleans-Fieber „angesteckt“ sind, passte die Songs mit groovigen sowie frischen Arrangements meiner Stimme an und so entstand ein vielseitiges – und wie ich finde – authentisches Album, auf das ich sehr stolz bin.

Es gab erstaunlich wenige Hürden, ganz einfach, weil ich das Glück hatte, mit professionellen Musikern zusammen zu arbeiten. Eine Herausforderung war für mich dabei die Studio-Arbeit, weil ich keine erfahrene Studiosängerin bin.

Ich mag es lieber, live auf der Bühne für ein Publikum zu singen und zu performen. Es fällt mir immer noch schwer, Geschichten mit meiner Musik zu erzählen, wenn ich keine Leute vor mir habe, mit denen ich kommunizieren kann.

Frage: Welche musikalischen Ziele haben Sie?

Cleo Steinberger: Ich bin glücklich, wenn ich auf der Bühne stehe und mich über die Musik ausdrücken kann bzw. Menschen damit berühre. Mein Ziel ist ganz einfach, dies mein Leben lang zu tun. Als Jazzsängerin, Geigerin, aber auch als Songwriterin.

Letzte Frage: Werden Sie Ende April Schwerin auch etwas erkunden?

Cleo Steinberger: Ja, ich hoffe, dass wir etwas Zeit haben werden, um uns die Stadt näher anzuschauen. Wie gesagt, ist mein letzter Besuch schon sehr lange her. Das Schloss und die Altstadt würde ich gerne noch einmal sehen.

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und ein klasse Konzert in Schwerin!

M.Michels

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Konzert-Termin in Schwerin: am 27.April 2018 um 20.00 Uhr im „ANGLER II“, Bornhövedstrasse 65 c in Schwerin

Jan Luley, Luleyfoto.de