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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Mit vollen Segeln nach Warnemünde

Der Countdown für die 78.Warnemünder Woche läuft

Noch ein knappes Jahr – dann finden die olympischen Segelwettbewerbe vor Rio statt. Aber bis dahin wehen noch einige segelsportliche Winde woanders, so auch vom 4.Juli bis 12.Juli bei der 78.Warnemünder Woche. Dieses segelsportliche Großereignis ist aus dem nationalen wie internationalen Termin-Kalender nicht mehr wegzudenken, dient oftmals zur Vorbereitung auf wichtige Regatten, hat aber auch einen eigenen großen Stellenwert.

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Wie ist nun der „Stand der segelsportlichen Dinge“ kurz vor Beginn der Warnemünder Woche?!

Nachgefragt bei Gesine Schuer vom Pressebüro der Warnemünder Woche

G.Schuer zur Warnemünder Woche 2015

„Eine Möglichkeit, sich offenherzig und gastfreundlich für Menschen aus etlichen Nationen zu präsentieren…“

Frage: Die Warnemünder Woche „ruft“. Wie viele Seglerinnen und Segler aus wie vielen Ländern werden „diesem Ruf“ 2015 folgen? Wie viele segelsportliche Disziplinen stehen auf dem Programm?

Gesine Schuer: Ganz genau weiß man immer erst wer da ist, wenn eines der über 200 Startsignale ertönt ist, aber schon jetzt haben 21 verschiedene Nationen gemeldet und wir gehen davon aus, dass 850 Boote an der Start gehen werden.

Das ist von der Anzahl her eine kleine Steigerung zum letzten Jahr. Richtig zufrieden sind wir mit den Meldezahlen der rund 250 Laser, die ihren Europa-Cup bei uns austragen. Medial im Fokus wird die Deutsche Segel-Bundesliga stehen.

Gleich an den ersten drei Tagen gibt es Wettfahrten der besten deutschen Vereine in der 1. und 2. Bundesliga gegeneinander, auch mit Rostocker Beteiligung. Die Piraten und 470er küren einen Internationalen Deutschen Meister und die 29er und die BIC Techno (Surfer) küren ihren Internationalen Deutschen Jugendmeister.

Die Kitesurf-Trophy, zwei German Open und fünf Hochseeregatten runden neben 14 weiteren Ranglistenregatten das Programm ab und wir hoffen auf etwa 2000 zufriedene Segler am Ende der neun Regatta-Tage.

Frage: Kurz vor der Warnemünder Woche 2015… Sind die unmittelbaren Vorbereitungen abgeschlossen oder muß noch einiges geschultert werden?

Gesine Schuer: Um ehrlich zu sein, ist so ein Event nie fertig und bei so einem großen Veranstaltungsgebiet gibt es immer Inhalte und Orte, die man gern noch mal anfassen und anpassen würde.

Gut ist, dass beispielsweise unsere Sport & Beach Arena – die Basis für die Surfer, Kite-Surfer, die Deutsche Segel-Bundesliga und alle Klassen auf der Medienbahn am Strand ist – schon aufgebaut wurde und in diesem Jahr fünf Wochen steht.

Die Surfer und Kite-Surfer haben dort einen Direkteinstieg ins Wasser. Mit 1125 Quadratmetern ist das ein immenses Bauprojekt, mit Tribünen für den Indoor-Bereich, inklusive Sportarten wie Beachhandball, Lacrosse und Kubb, und in diesem Jahr auch Tribünen für die Wassersportarten, einschließlich SUP und Skimboarden. Auch die DLRG nutzt diese Arena im Anschluss an die Warnemünder Woche.

Frage: Welche Bedeutung hat die Warnemünder Woche eigentlich aus Ihrer Sicht für die Region wie für den Segelsport allgemein?

Gesine Schuer: Für die Region ist die Segelwoche eine Möglichkeit, um sich als offenherziges und gastfreundliches Gebiet für Menschen aus etlichen Nationen zu präsentieren.

Hier sind alle willkommen. Ich erinnere mich gern an einen Segler aus dem Oman vor zwei Jahren, der im Segel als Nationenkennung „OMA“ zu stehen hatte.

Neben Europa- wären natürlich auch Weltmeisterschaften als Teil der Veranstaltung ein wünschenswertes Highlight. Das soll aber auch die kleinen Erfolge nicht schmälern, so küren die Ixylon – eine DDR-Bootsklasse, die die Wende überlebt hat – beispielsweise ihren Landesmeister M-V und sind ebenso wichtiger Bestandteil der familiären Segelgemeinde wie die Teilnehmer des Gold Cups der X-99 im letzten Jahr.

Immerhin gehen vier von acht Olympischen Klassen in Warnemünde an den Start und durch die Segel-Bundesliga zieht es Deutschlands beste Sportler an die Küstenlinie vor dem Ostseebad.

Vielen Dank, eine erfolgreiche Warnemünder Woche 2015 und hoffentlich endlich einmal bestes Sommer-Wetter, das diese Bezeichnung verdient!

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Exkurs: Segelsportliche Erfolge für M-V

Günstige olympische Winde für Seglerinnen und Segler aus M-V und ganz Deutschland

Noch ist es ein knappes Jahr bis Olympia 2016. Grund noch einmal auf die großen Erfolge für den deutschen und mecklenburgischen Segelsport zurückzublicken…

Günstige olympische Winde in der Vergangenheit erwischten in den letzten Jahrzehnten vor allem acht deutsche Segler bzw. Crews: im Finn-Dinghi 1964 Willi Kuhweide sowie 1976 Jochen Schümann, im Flying Dutchman 1976 Eckart Diesch/Jörg Diesch, im Star 1936 Peter Bischoff/Hans-Joachim Weise, im Soling 1988 sowie 1996 Thomas Flach/Bernd Jäkel/Jochen Schümann, bei den 470ern 1976 Harro Bode/Frank Hübner und bei den Ein- bis Zwei-Tonnern 1900 Georg Naue/Heinrich Peters/Ottokar Weise/ Martin Wiesner – alles Olympiasieger „Made in Germany“ im Segelsport.

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Auch für Mecklenburger und Vorpommern „standen“ die olympischen Winde gut

Insgesamt stehen 26 olympische Medaillen im deutschen segelsportliche Buche – und das Schöne daran bzw. darin, ist die Tatsache, dass auch Rostocker und Mecklenburger allgemein diesbezüglich verewigt sind. Vor allem die Rostocker „Drachen“ waren zwischen 1964 und 1972 bei Olympia bestens dabei: Peter Ahrendt, Wilfried Lorenz und Ulrich Mense schafften 1964 Silber.

Paul Borowski, Konrad Weichert und Karl-Heinz Thum sorgten 1968 (Bronze) und 1972(Silber) ebenfalls für segelsportliches Olympia-Edelmetall bei den Drachen. Und „so“ ging es weiter … Vor Kingston 1976 gab es außerdem segelsportlichen Medaillen-Zuwachs für M-V. Der gebürtige Rostocker Dieter Below und seine Crew wurden Olympia-Dritte im Soling. Jörn Borowski/Egbert Swensson (Rostock) waren dann vor Tallinn 1980 weit vorn: mit Silber bei den 470ern.

Zuletzt nahmen mit dem heutigen LSB-Geschäftsführer Torsten Haverland mit Ronald Rensch (Schweriner Yacht-Club/470er) vor Savannah 1996, mit Monika Leu (Schweriner Yacht-Club/470er) vor Athen 2004 und mit Franziska Goltz (Schweriner Segler-Verein von 1894/Laser Radial) vor Weymouth 2012 zwei Segler und zwei Seglerinnen aus Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern an Olympischen Spielen teil.

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Seglerinnen und –Segler aus „Meck-Pomm“ auch bei WM sehr erfolgreich

Segeln und Weltmeisterschaften ist wie Segeln und Olympia – da spielten die Seglerinnen und Segler aus Mecklenburg-Vorpommern eigentlich fast „immer“ eine gute Rolle, glänzten mit vorderen Platzierungen, mit Medaillen oder WM-Titeln. Einige Beispiele hierzu dokumentieren den hohen Stellenwert, den der Segelsport in Mecklenburg-Vorpommern besitzt. So wurde Jürgen Mier vom ASK Vorwärts Rostock Weltmeister (Goldcup) im Finn-Dinghy 1965.

Einen „silbernen WM-Drachen“ hatten 1968 Paul Borowski/Karl-Heinz Thun/Konrad Weichert (ASK Vorwärts Rostock). Eine weitere WM-Medaille für die Drei folgte 1970 vor Travemünde. Die Vize-Weltmeisterschaft im Flying Dutchman sicherten sich 1974 Herbert Hüttner/Ulf Pagendorf ebenfalls vom ASK Vorwärts Rostock. Für den SC Empor Rostock ersegelten Jörn Borowski/Egbert Swensson 1982 vor Cascais den Weltmeistertitel bei den 470ern. WM-Bronze 1985 gab es zusätzlich für Jörn Borowski, seinerzeit mit Mathias Gall.

Auch für Schweriner Crews wehten die segelsportlichen Winde bisweilen sehr gut. Jürgen Brietzke/Ekkehard Schulz vom SC Traktor Schwerin/Sektion Segeln gewannen 1987 WM-Bronze.

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Weltmeisterliches Gold konnten dann Ulf Lehmann/Stefan Mädicke (Schweriner Yacht-Club) 1996 im Flying Dutchmann erringen und 1997/1998 triumphierte Jürgen Knuth (SYC) bei den Tempest-Seglern. Gleich dreifaches WM-Gold holten Ines Bohn/Sabine Rohatzsch (SC Traktor Schwerin / Schweriner Yacht-Club) bei den 470ern „vom Wasser“: 1990, 1993 und 1994.

Eine gebürtige Grevesmühlenerin, Wibke Bülle, sammelte ebenfalls segelsportliches WM-Edelmetall, so erkämpfte sie unter anderem WM-Bronze 1991, WM-Silber 1997 jeweils bei den 470ern und WM-Silber 2002 und 2003 in der Yngling-Klasse, war zudem Olympia-Teilnehmerin 2000 in Sydney (470er mit Nicola Birkner/Platz fünf).

Jürgen Mier, Paul Borowski oder Wibke Bülle & Co. – nur ein paar Beispiele für erfolgreiche WM-Seglerinnen und WM-Segler „Made in M-V“.

Aber nun freuen sich die Segelsport-Freundinnen und -Freunde auf die aktuellen Segelsport-Events, so auch auf die 78.Warnemünder Woche!

Noch zwei maritim-sportliche Tipps „am Rande“: Der 19.Internationale DLRG-Rescue-Cup wird vom 16.Juli bis 19.Juli vor Warnemünde ausgetragen und dann folgt – mit Jubiläum – die 25.Hanse Sail in Rostock vom 6.August bis 9.August.

Marko Michels

Fotos/Michels: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es viele hervorragende Segel-Reviere, eines der besten – weltweit – ist dabei das Segel-Revier vor Warnemünde. Franziska Goltz aus Schwerin war übrigens die vorerst letzte Olympia-Seglerin für M-V – 2012 vor Weymouth.


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