Nachgefragt beim Landestourismusverband M-V

Die Hanse- und Weltkulturerbestadt Wismar „glänzt“ insbesondere mit dem restaurierten und neu gestalteten Alten Hafen. M.M.

Alles neu macht in diesem Fall der Juni. Die Landesregierung plant nämlich aktuell Neues – Neues in Sachen Tourismus und Tourismus-Land M-V. MV soll weiter in der Champions League spielen. Zumindest in Sachen Tourismus. Dazu bedarf es neuer Ideen, Visionen und Konzepte. Man hat bei der Landesregierung so einiges vor, wobei der neutrale Beobachter nicht genau weiß, ob das ein schlechtes oder ein noch schlechteres Zeichen ist…

MV-SCHLAGZEILEN fragte einmal beim Geschäftsführer des Tourismusverbandes M-V, bei Bernd Fischer, nach

Bernd Fischer zur neuen Landestourismuskonzeption, die Vorzüge und Defizite des Tourismuslandes M-V, die zunehmende Konkurrenz, die Erwartungen der Urlauber, die touristischen Fachkräfte hierzulande und weitere Herausforderungen im Tourismus für M-V

„Mecklenburg-Vorpommern kann noch eine Schippe drauflegen…“

Frage: Die Landesregierung plant Neues in puncto Tourismusland M-V. Ist das nun ein gutes Ansinnen? Muß wirklich vieles anders werden?

Blick vom Schweriner See zum Staatstheater und Museum. M.M.

Bernd Fischer: Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern hat seit der Wende eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die ihresgleichen sucht. Das große Interesse am Nordosten schlug sich unter anderem in jährlich steigenden Übernachtungszahlen nieder. Inzwischen ist der Tourismus in einer so genannten Reifephase angekommen.

Im letzten Jahr waren die Gästezahlen rückläufig. Ein Alarmsignal? Fakt ist, die heutigen Urlauber sind multioptional unterwegs – heute Köln, morgen Kreta, übermorgen Katmandu.

Wettbewerber wie Schleswig-Holstein bzw. Polen holen auf und werben mit attraktiven Angeboten um Gäste. Will Mecklenburg-Vorpommern in diesem Wettbewerb bestehen, müssen die Weichen für die Branche gestellt werden. Genau das macht die neue Landestourismuskonzeption – und deshalb ist sie von enormer Bedeutung für die zukünftige Ausrichtung der Branche.

Frage: Eigentlich will der durchschnittliche Urlauber in M-V doch nur vier Dinge: schöne Strände, eine lachende Sonne, schmackhaftes Bier aus M-V und seine Ruhe… Müssen dennoch mehr Angebote her?

Schloss Ludwigslust – jährlich auch Treffpunkt zum „Kleinen Fest im großen Park“. M.M.

Bernd Fischer: Das trifft auf einige Gäste zu, aber längst nicht auf alle. Im letzten Jahr haben wir gesehen, was passiert, wenn einer der Faktoren – das Wetter – nicht mitspielt. Dann sind Alternativen zum Strandurlaub gefragt.

Zudem sind Gäste vernetzte Mobilitäts- und Serviceangebote aus anderen Ländern gewohnt und verlangen dies auch im Nordosten. Auch hier kann Mecklenburg-Vorpommern noch eine Schippe drauflegen.

Bei ähnlichen Angeboten entscheidet das Preis-Leistungs-Verhältnis, also die Qualität, und da gibt es auch für den „durchschnittlichen Urlauber“ keine Obergrenze, nur einen stetigen Wettbewerb. Dieser wird durch die Kollegen in Schleswig-Holstein oder in Polen gut angeheizt.

Frage: Die Pläne der Landesregierung besagen, dass man Geld von Hotels bzw. Pensionen einsammeln will, um die neuen Ideen finanzieren zu können. Da werden sich Hoteliers und Pensions-Inhaber sicher gewaltig freuen. Wie sinnvoll ist diese Ansage?

Segel gesetzt – im Stadthafen Rostock vor der Kulisse der Rostocker Altstadt. 2018 findet die 81.Warnemünder Woche und die 28.Hanse Sail in Rostock statt. Foto: Wolfgang Gross

Bernd Fischer: Das ist so nicht richtig. Diese so genannte Bettensteuer ist ein altes, nicht praktikables System. Der Tourismus ist eine tragende Säule der Wirtschaft dieses Bundeslandes und trägt auch maßgeblich zur Lebensqualität der Bevölkerung bei.

Deshalb sollte dessen Finanzierung durch die sichergestellt werden, die am Tourismus partizipieren. Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, gibt es unter anderem beim Kurortegesetz sowie beim Kommunalabgabengesetz.

Hier muss die Politik Novellierungen auf den Weg bringen, damit auch jene Orte touristische Infrastruktur finanzieren können, die für das Funktionieren des Tourismus in der Fläche notwendig sind und Qualitätskriterien erfüllen. Nur wenn die zur Verfügung stehenden Mittel für Land, Regionen und Orte klar definiert sind, können diese ihre Aufgaben planen und umsetzen.

Frage: Mehr Fachkräfte sollen her, aber die Bezahlung derselben ist eher dürftig… Wie beurteilen Sie die Entlohnung des hiesigen touristischen Dienstleistungspersonals?

Greifswald – Marktplatz. M.M.

Bernd Fischer: Dies muss differenziert betrachtet werden: Bei der Bezahlung hat sich bereits viel getan. Wer heute nicht auskömmlich entlohnt, hat morgen keine Mitarbeiter mehr. Das gilt auch und besonders für den Wirtschaftszweig Tourismus. Auch hier steht die Branche in einem nationalen und internationalen Wettbewerb.

Weitere Themen, die hier mitbetrachtet werden müssen, sind bezahlbarer Wohnraum, Erreichbarkeit mit dem ÖPNV, Kinderbetreuung und anderes. In dieser Frage hat allerdings der DEHOGA MV weiter reichende Kompetenz.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für das Tourismusland M-V!

Die Fragen stellte: M.Michels.