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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen in 972 Fällen (2008) eingeleitet

Rein rechnerisch fast täglich drei Minderjährige von Jugendämtern aufgenommen und an einem sicheren Ort untergebracht …

Im Jahr 2008 wurden in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 972 Kinder und Jugendliche, die in einer akuten Krisen- und Gefährdungssituation Hilfe benötigten, in Obhut genommen. Nach Angaben des Statistischen Amtes wurden damit rein rechnerisch fast täglich drei Minderjährige zu ihrem eigenen Schutz von den Jugendämtern aufgenommen und vorübergehend an einem sicheren Ort untergebracht.

In 549 Fällen (56 Prozent) wurden die vorläufigen Schutzmaßnahmen wegen dringender Gefahr durch soziale Dienste, Jugendämter oder Polizei und Ordnungsbehörden ausgelöst. 178 Kindern und Jugendlichen (18 Prozent) wurde auf eigenen Wunsch Obhut gewährt. Hinweise von Eltern oder Nachbarn und Verwandten waren in 173 Fällen (18 Prozent) Anlass für die Einleitung vorläufiger Schutzmaßnahmen.

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen waren überwiegend zwischen 12 bis unter 18 Jahre alt (57 Prozent). Allerdings fällt auf, dass 2008 deutlich mehr jüngere Kinder in Obhut genommen wurden als in den Jahren zuvor. Daher ist der Anteil der unter 3-jährigen Kinder (13 Prozent) sowie der 3 bis unter 9-Jährigen (20 Prozent) so hoch wie noch nie.

Der Hauptgrund für die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen war die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils. An zweiter Stelle rangierten Beziehungsprobleme des Kindes oder Jugendlichen. Dieses Problem trat bei Mädchen (64 Prozent) häufiger als bei Jungen auf. Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen war ein weiterer Hauptanlass für die Einleitung von vorläufigen Schutzmaßnahmen.

Die überwiegende Zahl der betroffenen Kinder bzw. Jugendlichen lebte vor der Inobhutnahme bei einem alleinerziehenden Elternteil (41 Prozent) oder bei einem Elternteil mit neuem Ehe-/Partner (23 Prozent). Jeder fünfte Minderjährige, der in Obhut genommen wurde, lebte mit seinen Eltern zusammen.

Die als kurzfristige Hilfe vorgesehenen Maßnahmen dauerten für 35 Prozent der jungen Menschen nicht länger als drei Tage. Für jedes fünfte Kind bzw. Jugendlichen war die Inobhutnahme nach 7 bis 14 Tagen zu Ende, für 27 Prozent betrug sie aber 15 und mehr Tage.

In den meisten Fällen endete die vorläufige Schutzmaßnahme mit der Rückkehr des Kindes oder Jugendlichen zu den Eltern/Erziehungsberechtigten.

Die Zahl der Inobhutnahmen in Mecklenburg-Vorpommern ist in den zurückliegenden Jahren wieder angestiegen, nachdem 2004 mit 841 die bisher niedrigste Fallzahl verzeichnet wurde. Aber dennoch sind 2008 deutlich weniger junge Menschen in Obhut genommen worden als vor zehn Jahren. 1998 waren es noch über 1 200 Kinder und Jugendliche.

Dieses an sich erfreuliche Ergebnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Anteil der Inobhutnahmen an der altersgleichen Bevölkerung aufgrund der geburtenschwachen Nachwende-Jahrgänge zugenommen hat. Vor zehn Jahren wurden 34 von 10 000 Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre in Obhut genommen, während es im Jahr 2008 bereits 45 von 10 000 waren.

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, der 2008 bei 23 von 10 000 Minderjährigen lag, ist der Anteil der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen an der gleichaltrigen Bevölkerung hierzulande nahezu doppelt so hoch.


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