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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Mädchen an die Spitze …

April-Zeit ist auch Girls’Day-Zeit.

Obwohl „Frau“ heute fast überall vorn ist, ob in der Politik, im Sport, in der Kultur, in der Bildung, beim Lebensalter sollen die jungen Amazonen wieder einmal für vermeintlich atypische Frauen-Berufe begeistert werden. Doch: Gibt es diese Berufe noch?
Nicht zuletzt: Warum eigentlich noch einen Girls’Day? Auf jeden Fall steht nicht nur in M-V der 14. April im „Zeichen der Girls“ …

Nachgefragt bei Rüdiger Dohse, Projektleiter aus dem Team der Landeskoordinierung MV

„Girl’sDay als Chance für die Mädchen …“

Frage: Am 14. April heißt es wieder „Mädchen zuerst“ an physikalische Formeln, handwerkliche Arbeiten und weitere technische Herausforderungen. Der „Girls´Day“ – welche Bedeutung hat dieser anno 2011?

Rüdiger Dohse: Die junge Frauengeneration in Deutschland verfügt über eine besonders gute Schulbildung. Dennoch entscheiden sich Mädchen im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer überproportional häufig für „typisch weibliche“ Berufsfelder oder Studienfächer. Damit schöpfen sie ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus; den Betrieben aber fehlt gerade in technischen und techniknahen Bereichen zunehmend qualifizierter Nachwuchs. Das heißt konkret für 2011  – die Vorzeichen des Arbeitsmarktes haben sich geändert. Es gibt mehr Ausbildungsangebote als Schulabgänger. Eine zusätzliche Chance für alle Mädchen, in bisher unbeachtete Branchen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes zu stoßen.

Frage: Power-Frauen gibt es in Deutschland mittlerweile zuhauf – mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Sozialministerin Manuela Schwesig, Schriftstellerin Herta Müller, Top-Model Heidi Klum, Schauspielerin Franka Potente, Unternehmerin Dorin Müthel-Brenncke oder Ski-Ass Maria Riesch.
Warum also noch einen „Girls´Day “?

Rüdiger Dohse: Ja, na gut. Da haben Sie jetzt aber einige Beispiele aufgeführt, die in sehr speziellen Bereichen ihre Erfolge aufweisen.

Wir suchen jedoch keine Klum- oder Potente-Nachfolgerinnen, die stehen dank der Medien-Manipulation woanders Schlange. Zählen Sie mir allerdings ebenso schnell eine Firmenchefin, eine Kapitänin, eine Mechatronikerin, eine Schornsteinfegerin, Schweißerin oder Bauleiterin auf. Die Aufzählung könnte man für andere Berufsgruppen circa 300 Mal fortsetzen. In Studiengängen, wie z.B. den Ingenieurwissenschaften oder der Informatik, sind Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert.

In den technischen und techniknahen Bereichen der Arbeitswelt fehlt aufgrund der demografischen Entwicklung zunehmend qualifizierter Nachwuchs. Mädchen schöpfen trotz guter Schulbildung Ihre Berufsmöglichkeiten immer noch nicht voll aus. Diese Potentiale müssen wir weiter erschließen. Lebensplanung hängt von der Berufswahl ab. In Deutschland gibt es insgesamt 350 verschiedene Ausbildungsberufe – mehr als die Hälfte aller Mädchen entscheidet sich aber nur für 23 Berufe.

Die bieten meistens ein eher geringes Gehalt und kaum Aufstiegschancen. Mit dem Girls‘Day können wir mehr aus der Berufswahl machen: Hineinschnuppern in Technik und Handwerk, in Ingenieur- und Naturwissenschaften.

Seit 2002 ist der Girls‘Day im MV zu einer erfolgreichen Marke geworden. Unser Land ist sogar Vorzeigeland im Bund! Das haben wir zum einen den Unternehmen zu verdanken, die sich für Mädchen und für Ihre Fragen Zeit nehmen. Zum anderen aber lebt der Girls‘ Day vom Mitmachen – und das haben die vielen Schülerinnen unseres Landes bisher immer getan. Es ist Ihr Tag, Ihre nutzbare Chance!

Frage: Wie ist eigentlich die Resonanz auf den „Girls´Day 2011“? „Spielten“ die Firmen und Einrichtungen in M-V dabei immer „mit“?

Rüdiger Dohse: Im Jahr 2002 gab es erstmalig in Mecklenburg-Vorpommern 13 Veranstaltungen mit 451 Plätzen für Mädchen. Seit dem Girls’Day 2003 wird dieser Aktionstag in unserem Land von unserem Sozialpartnerschaftsprojekt der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e. V. und dem DGB Bezirk Nord gemeinsam mit einem Netzwerk regionaler Partner koordiniert. Landesweit werden seither jährlich zwischen 2000 bis 4000 Plätze für Schülerinnen in jeweils bis über 400 Veranstaltungen angeboten.

In rund 3200 Veranstaltungen mit 30.000 Plätzen konnten sich Mädchen seither ausprobieren. 15 Arbeitskreise arbeiten in den Regionen. Firmen die mit dem eigenen Tool auf unserer Internetseite agieren sind dabei statistisch nicht erfasst. Die „Dunkelziffer“ der Veranstaltungen und Platzangebote liegt also weit höher.

Frage: Sie sind einer der Väter des „Girls´Day“ in M-V … Wie sieht die Vorbereitung auf diese Veranstaltung aus?

Rüdiger Dohse: „Vater“ des Girls´Day ist ja nun wirklich etwas hoch gegriffen. Der Girls´Day – Mädchen-Zukunftstag ist ein sozialpartnerschaftliches Projekt. Richtig ist, dass es sich um ein Projekt der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e. V. und des DGB Nord handelt und aus Mitteln der EU und des Landes gefördert wird.

Unterstützt wird es durch 15 Arbeitskreise in Mecklenburg-Vorpommern von einem breiten Aktionsbündnis aus 18 regionalen Arbeitskreisen Schule-Wirtschaft, in denen u.a. Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände, der Deutsche Gewerk-schaftsbund, die Hochschulen des Landes, die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, die Arbeitsagenturen, die Industrie- und Handwerkskammern vertreten sind.

Also Teamarbeit und Gemeinschaftsarbeit in der breiten Palette der Berufsfrühorientierung im gesellschaftlichen Konsens. Die Landeskoordinierungsstelle bildet sich aus Frau Christiana Lemke, Frau Dr. Margit Quilitz und mir. Da herrscht nicht „Vater“ oder „Mutter“, da arbeitet ein Team mit durchdachter Arbeitsteilung.

Frage: Was erhoffen Sie sich für die Mädchen vom „Girls´Day 2011“?

Rüdiger Dohse: Ja, ich erhoffe mir vom Girls´Day 2011 nach wie vor ein breites Medieninteresse und eine Kontinuität der Berichterstattung im Sinne der Firmen, aber auch der Schulen. Auf beiden Seiten wird fleißige Arbeit geleistet. Zielstellung muss dabei der Kampf um jedes Mädchen in und für MV sein.

Ich wünschte mir bei dem eindeutig gewachsenen Selbstbewusstsein der Mädchen, dass der Girls´Day wie selbstverständlich durch sie genutzt und als Chance gesehen wird. Ich wünsche allen Mädchen am Girls‘Day eine große Portion Neugier und vor allem viele „Aha-Momente“.

Frage: Ist ein „Boy´s Day“ in MV denkbar?

Rüdiger Dohse: Viele Eltern, Großeltern, Medien und Interessierte fragen nach, ob auch für die Jungen etwas getan wird, jetzt kann ich das bestätigen: Am 5. Oktober 2011 wird hier im Land erstmals der „JungsTag MV“ stattfinden.

Jungen und Mädchen brauchen für ihre Berufs- und Lebensplanung differenzierte Angebote, bei den Mädchen geht es um einen Tag in der Berufsorientierung, bei den Jungen geht es verstärkt um Fragen der Lebensplanung abseits tradierter Rollenbilder. Ich bin mir sicher: Auch der „JungsTag MV“ wird ein Marke für unser Land werden! Der wird auch durch unser Team umgesetzt.

Die Fragen stellte Marko Michels.

Weitere Infos unter: www.girlsday-mv.de


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