Martin Luther oder Jack O`Lantern – das ist die Frage…

Ende Oktober heißt es für viele Mecklenburgerinnen und Mecklenburger bzw. Vorpommerinnen und Vorpommern, wie sie es an diesem Tag nun halten, oder besser zu wem. Stellen Sie die Leistung Martin Luthers in den Vordergrund oder werden  Sie sich – nicht zuletzt dank intensiver Werbung – eher „Jack O´Lantern“ und dem keltischen „Halloween-Brauch“ hingeben.

Beide empfehlenswert

Zu empfehlen sind ja eigentlich beide. – Beide standen letztendlich gegen Luzifer und die Pharisäer ihrer Zeit. Der eine (Luther) warf ein Tintenfass nach dem Teufel, der andere (O`Lantern) legte diesen gekonnt rein.

Luther versus Pharisäer

Martin Luther jedoch, der tatsächlich lebte, konnte mit seinem Thesen-Anschlag – der höchstwahrscheinlich am 31.Oktober 1517 am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg erfolgte – einige Vertreter der kirchlichen Obrigkeit als das „entlarven“, was sie waren und mitunter noch immer sind: Pharisäer.

Dass Menschen, nach geltender kirchlicher Auffassung, in der Bewertung ihrer guten wie schlechten Taten und Eigenschaften vor Gott gerichtet werden, offenbarte für Luther den damals praktizierten penetranten Ablasshandel, bei dem jedes negative Handeln durch die folgende „gute Tat“ (bzw. „gutes Geld“) aufgewogen werden konnte, als eine Scharlatanerie.

… Das „Damaskus“ für Luther, die Einsicht in kirchliche Fehlentwicklungen, kam für ihn im Sommer 1517, als er eine vom Kardinal Albrecht (Mainz) verfasste „Anwesung“ für die Ablassprediger erhielt. Mit einem Gros dieser Einnahmen wollte der werte Erzbischof seine Schulden bezahlen, die er bei der Unternehmer-Familie Fugger aus Augsburg hatte. Im Auftrage Albrechts war daher auch der Ablassprediger Johann Tetzel unterwegs, der durch forderndes Auftreten nach dem Motto „Mehr Geld, weniger Sünden(strafen)“ den Zorn Luthers auf sich zog.

Pervertierte Christenheit

Seine Thesen setzten sich insbesondere  mit dieser Perversion des Ablasshandels auseinander. Diese selbst erwählte Erhöhung der Institution Kirche vor Gott, war für Luther inakzeptabel, der die Auffassung vertrat, Gott allein könne – unabhängig von den jeweiligen Taten und vom jeweiligen Handeln der Menschen – Gnade gewähren.

„Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.“ (Lukas 14, 8-11 / Neues Testament), stand schon in der Bibel – die „Einzigen“, die sich daran nicht hielten, waren die irdischen Vertreter der irdischen Institution Kirche, zu der der junge Jesus von Nazareth einst meinte: „Um zu glauben, bedarf es keiner Häuser und Paläste.“

In sich gehen

Vielleicht sollte die „Institution Kirche“ gerade am Reformationstag „in sich gehen“ und auch daran denken, wie man den Kampf gegen Armut, Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt tatsächlich siegreich führen kann – gegen „irdische Luzifers“ ebenso wie gegen die „Pharisäer“, die sich selbst hervorheben und denen in ihrer Gier nach Macht und Geld Menschenleben völlig unbedeutend sind.

Politische Worthülsen, selbst ernannte Demokraten, Hetze bzw. Missgunst und falsche Nächstenliebe bzw. Nächstenhass helfen nämlich nicht weiter.

Realitäten sehen und erkennen

Man würde sich heute von einigen führenden Kirchen-Vertretern in der Tat ein deutliches Wort in Richtung gesellschaftlicher Fehlentwicklungen wünschen, denn letztendlich hat der real existierende Kapitalismus gegen den real existierenden Sozialismus, der zu Recht gescheitert ist, nicht gewonnen, er ist nur übriggeblieben, was allein schon „gruselig“ und „gespenstisch“ ist.

Aber trotz seiner alleinigen Existenz aufgrund seines Sieges im Kampf der Systeme im „Kalten Krieg“ – „in ihm“ stirbt alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger und Unterernährung, brechen Finanz-, Wirtschafts- und Lebenswelten zusammen, wird Raubbau gegen die Umwelt betrieben und werden Menschen gegeneinander ausgespielt  – mit ungeahnten Folgen für nachfolgende Generationen. Mehr als 40 Kriege und kriegsähnliche Ereignisse in den verschiedensten Ländern zeugen auch 2017 davon, dass die Menschheit nicht gerade friedvoller im Umgang miteinander geworden ist – reale Horror-Fakten an Halloween, am Reformationstag und an Allerheiligen.

Möglicherweise ist ein zweiter Martin Luther vonnöten, um die „Welt in Ordnung zu bringen“, aber das wäre wohl auch für diesen kaum zu meistern.

Her auch mit Jack

Eventuell wäre auch ein Jack O`Lantern der „Richtige“. Der schaffte es immerhin, den Teufel – in dem er diesen narrte und austrickste – das Versprechen abzuringen, dass dieser seine Seele nie holen würde. Allerdings verdarb es sich Jack O`Lantern auch mit dem lieben Gott – der Lebensstil von Jack war alles andere als vorbildlich gewesen. So öffneten sich für Jack nach dessen Ableben weder die „Himmelstüren“ noch die „Höllenpforte“ und er, besser dessen Seele, muß alljährlich – Ende Oktober – mit einer „Kürbis-Laterne“ durch die dunkle, kühle Nacht ziehen.

Vielleicht gelingt es ihm ja, zumindest einige Wenige geistig und charakterlich zu erleuchten, was eher ein frommer Wunsch bleiben dürfte.

Übrigens gilt am 31.Oktober nicht zuletzt: Lieber „Süßes“ geben, als „Saures“ bekommen. …Letztgenanntes gibt es ja schon „364 Tage“ im Jahr und monatlich in der „Lohntüte“, falls man diese überhaupt noch hat!

Marko Michels

Fotos (Michels):

1.Ein Kreuz mit dem Kreuz?! / 2.Großer Grusel: Osterhase mit Schaf… Genügend Schlafschafe gibt es ja hierzulande!