Skip to main content

Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Leichtathletisches WM-Resümee 2013

Zurückgeblickt

Die 14.Weltmeisterschaften kehrten anno 2013 an den Ort zurück, an dem vor 40 Jahren, 1973, die Leichtathletik-Wettkämpfe der VII.Universiade, und vor 33 Jahren, 1980, die Leichtathletik-Wettbewerbe der XXII.Olympischen Spiele stattfanden: in Moskau.

Die WM zwischen 1983 und 2011

Seit 30 Jahren werden mittlerweile Leichtathletik-Weltmeisterschaften kompakt in den Lauf-Wettbewerben und in den technischen Disziplinen statt. Helsinki 1983 bildete den Auftakt. Es folgten die WM-Austragungsorte Rom 1987, Tokyo 1991, Stuttgart 1993, Göteborg 1995, Athen 1997, Sevilla 1999, Edmonton 2001, Paris 2003, Helsinki 2005, Osaka 2007, Berlin 2009 und Daegu 2011.

Bei den bisherigen Leichtathletik-Welttitelkämpfen waren die USA zehnmal (1991, 1993, 1995, 1997, 1999, 2003, 2005, 2007, 2009 und 2011) die erfolgreichste Nation im Medaillen-Ranking. Die DDR konnte 1983 und 1987 die Medaillenwertung gewinnen. Russland konnte 2001 die Spitzen-Position erobern.

Zwischen 1983 und 2011 (plus der drei WM-Entscheidungen 1976 und 1980) waren die Amerikanerinnen und Amerikaner auch die erfolgreichsten Medaillensammler bei den Leichtathletik-WM mit 275 Medaillen, davon 132 x Gold. Dahinter folgen Russland (mit UdSSR) mit 227 Medaillen, davon 69 x Gold), Deutschland (mit DDR, BRD und vereint) mit 144 Medaillen, davon 51 x Gold, Kenia mit 100 Medaillen, davon 38 x Gold, Jamaika mit 89 Medaillen, davon 18 x Gold, Großbritannien mit 76 Medaillen, davon 18 x Gold, Äthiopien mit 49 Medaillen, davon 18 x Gold, und Kuba mit 45 Medaillen, davon 18 x Gold.

Die erfolgreichsten Starterinnen und Starter bei Leichtathletik-WM von 1983 bis 2011 waren Carl Lewis aus den USA mit 8 x Gold und je 1 x Silber sowie Bronze (aus deutscher Sicht: Lars Riedel mit 5 x Gold, 1 x Bronze) und Merlene Ottey aus Jamaika mit 3 x Gold, 4 x Silber sowie 7 x Bronze (aus deutscher Sicht: Marita Koch und Silke Möller mit 3 x Gold, 1 x Silber).

Die WM 2013 in Moskau

In Moskau 2013 war nun das russische Leichtathletik-Team, erstmals seit 2001, wieder das erfolgreichste Team im Medaillenspiegel mit der Ausbeute von 7 x Gold, 4 x Silber, 6 x Bronze. Die USA gewannen jedoch die meisten Medaillen (25), aber „nur“ 6 x Gold. Dahinter folgen Jamaika (9 Medaillen, 6 x Gold), Kenia (12 Medaillen, 5 x Gold) und Deutschland (7 Medaillen, 4 x Gold). Das Speerwurf-Gold von Christina Obergföll am vorletzten Wettkampftag war zugleich das 55.WM-Gold in der Leichtathletik für eine deutsche Athletin bzw. einen deutschen Athleten.

Usain Bolt aus Jamaika avancierte mit seinen Goldmedaillen Nr. 6, 7 und 8 in Moskau zum erfolgreichsten WM-Athleten „aller Zeiten“ (dazu noch 2 x WM-Silber).

Zwischen Helsinki 1983 und Moskau 2013 ging es für Funktionäre, Sportpolitiker und Sportmediziner stets um Edelmetall. Als wenn Gold, Silber und Bronze das Einzige wäre, was zählt.

„Spieglein, Spieglein an der Wand! Wer ist die Schönste im ganzen Land?!“ Wenn Heidi Klum diese Frage stellt, ist es ja okay …

Wenn aber Funktionäre und Politiker, die sich „sportlich“ geben, die Frage etwas abgewandelt stellen – ungefähr so: „Medaillenspiegel an der Wand, wer ist die beste Nation im sportlichen Universum?!“ – das ist nicht nur schlecht gereimt, sondern auch pervers.

Es werden nämlich „mit Nachdruck“ Siege und Plaketten verlangt, gleich wie diese zustande kommen. Es  zählt nicht der faire Sport, sondern nur das Prestige. Sportliche Werte werden negiert. Einiges ist faul im Staate und die selbst ernannten Demokraten schauen weg.

Sportliche Gedanken zur WM 2013 in Moskau

Wie wir nun wissen, sind wieder einmal die Amis die Nummer eins – im Hinblick auf die Medaillenanzahl. Die russischen Gastgeberinnen und Gastgeber holten aber eine Goldene mehr. Viele jamaikanische Sprinter sind des Dopings überführt, aber wieder wurde einer, der Übermächtige, mehrfacher Weltmeister.

Ist Bewunderung angebracht? Nein! Ob diese Sieg nun sauber sind oder nicht (wobei wir alle aufrichtig hoffen, dass diese sauber sind!)! Zum Beispiel 100 Meter in 9,77 Sekunden zu laufen… Was soll daran besonders sein? So viel und so wenig, wie beim „Kirmes-Fighting“, Profi-Boxen genannt! So viel und so wenig, als wenn Rennfahrer auf künstlichen Strecken, in technisch hoch gedopten, hoch gerüsteten Rennmaschinen – mit exorbitanter Betreuung – „Triumphe“ einfahren! So viel und so wenig, wenn Profi-Fußballer mit engem Horizont meist schlecht spielen, aber dafür bestens bezahlt werden.

Da ist eine Krankenschwester, die ebenfalls am Arbeitsplatz flitzen muß und sogar Leben rettet, von einem anderen Kaliber. Wie der kompetente Arzt. Oder der Wissenschaftler, der ein Mittel gegen vermeintlich unheilbare Krankheiten entwickelt. Die Altenpflegerin, die sich aufrichtig und engagiert um  die Pflegebedürftigen kümmert. Oder die vielen Arbeitenden und Engagierten, die sich um das Wohl der Mitmenschen, gerade der Kinder, kümmern. Das ist wichtig!

Ansonsten gilt im Hinblick auf die vermeintlichen Sporthelden – nicht nur in der Leichtathletik – der nach wie vor brandaktuelle Ina-Deter-Song aus dem Jahr 1982: „Neue Männer braucht das Land …“, was für die „neuen Frauen“ natürlich ebenso gilt. Die vermeintlichen sportiven Heldinnen und Heldinnen der Vergangenheit und Gegenwart taugen nur bedingt als Vorbilder – das gilt für Deutschland-Ost wie für Deutschland-West und „Deutschland-vereint“ erst recht. Und da geht es nicht nur um tatsächliches sowie vermeintliches Doping. Es geht auch um den jeweiligen Charakter sowie das Auftreten neben den Sportarenen und das konkrete Hinterfragen des sportlichen Tuns: Wem nützt das eigentlich?!

Julia beeindruckte …

Natürlich sind sportliche Erfolge, errungen von integren, „sauberen“ und aufrichtigen Athletinnen und Athleten, beachtlich, vorbildlich und inspirierend. Aber auch ein Top 20- Platz, erkämpft mit Kampfgeist und Hingabe, ist bewundernswert.

Rostock war 2013 in Moskau durch Julia Mächtig, die Siebenkämpferin, vertreten.

Zwar startet Julia für den SC Neubrandenburg, hatte in der Hanse- und Universitätsstadt allerdings ihre Wiege. Eine Medaille gab es für sie nicht … Leider! Der Moskauer Wettkampf war für Julia – wie jene bei den WM 2011 in Daegu oder bei Olympia 2012 in London – eher suboptimal. Aber Julia kämpfte bis zum Schluss und wurde 17. im Feld von 33 gestarteten Siebenkämpferinnen aus aller Welt. Nicht vergessen sollte man, dass in den letzten zwei Jahren nicht zuletzt Verletzungen Julias sportliche Karriere beeinträchtigten. Aber die nächsten Herausforderungen 2014 warten schon und Julia will dann – nach eigenem Bekunden – „wieder angreifen“.

Rostockerinnen und Rostocker zumindest mit historischen Medaillen

Medaillen gab es ansonsten für Rostockerinnen und Rostocker in der Historie der Leichtathletik-WM ohnehin schon in sehr guter Anzahl.

Bereits in Helsinki 1983… Dort belegte Langstrecken-Ass Hans-Jörg Kunze vom SC Empor Rostock hinter Alberto Cova aus Italien und Mannschaftskollegen Werner Schildhauer Platz drei über die 10000 Meter. Die herausragenden Athleten aus dem heutigen M-V in der finnischen Hauptstadt war jedoch die gebürtige Wismarerin Marita Koch, die für den SC Empor Rostock startete.

Sie war nicht nur die erfolgreichste Norddeutsche bei den Leichtathletik-WM, sondern zugleich die erfolgreichste Sportlerin in Helsinki überhaupt. Sie gewann die 200 Meter und erkämpfte jeweils mit den DDR-Staffeln über 4 x 100 Meter und 4 x 400 Meter Rang eins. Dazu konnte die Hanseatin noch Silber über 100 Meter hinter Marlies Göhr erringen. In der 4 x 100 Meter-Staffel der DDR sprintete die gebürtige Stralsunderin Silke Möller vom SC Empor Rostock zusammen mit Marita Koch auf das oberste Podest.

Die zweiten Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1987 in Rom brachten wieder Edelmetall für Rostock. Erneut belegte Hansjörg Kunze Platz drei über die 10000 Meter – 1987 hinter Paul Kipkoech (Kenia) und Francesco Panetta (Italien).

Zweimal Gold nahm Silke Möller vom SC Empor Rostock in Empfang – über 100 Meter und 200 Meter hatte sie ihre Sternstunden in Rom, dazu Silber mit der 4 x 100 Meter Staffel. Über die 400 Meter konnte die gebürtige Warnemünderin Kirsten Siemon-Emmelmann Bronze erringen. In der 4 x 400 Meter-Staffel setzte sie noch „einen“ drauf: Sie wurde mit der DDR-Auswahl Weltmeisterin. Im Kugelstoßen gab es Bronze für Ines Müller, die in Grimmen geboren wurde und für den SC Empor Rostock startete.

In Tokyo 1991 holte dann der gebürtige Rostocker Christian Schenk, 1988 in Seoul Olympiasieger im Zehnkampf, Bronze hinter dem Amerikaner Dan O`Brien und dem Kanadier Mike Smith den Vortritt lassen.

Und aktuell 2013 durfte sich Rostock über eine engagierte, leistungsbereite und anmutige Julia Mächtig freuen, die zwar keine Medaille gewann, aber die Werte des Sportes wirklich lebte. Ob das vom „Mainstream“ der Sportfunktionäre, Sportjournalisten und Sportpolitiker wirklich zur Kenntnis genommen, ja honoriert wird?! Da sind eher Zweifel angebracht.

Die Ersten werden die Letzten sein

Man macht ja lieber den „Bückling“ vor den „großartigen Erfolgen“ der „amerikanischen Freundinnen und Freunde“, des ehemaligen „großen Bruders“, der königlichen Briten, den republikanischen Franzosen und der gertenschlanken Kenianern, Äthiopiern oder Läufern aus Eritrea, die auf den langen Distanzen fast alles gewinnen, aber in fast allen technischen Disziplinen und auf den Kurz-Distanzen null Chancen haben und hatten.

Aber so ein „Medaillenspiegel“ fragt ja nicht nach den Ursachen der „beeindruckenden Erfolge“, der kaschiert sogar leistungsmäßige Ausfälle in anderen wichtigen leichtathletischen Disziplinen, der spiegelt nur die Medaillen. Allerdings nie vergessen: Im Spiegel erscheint alles seitenverkehrt! Mitunter werden sogar die vermeintlich Ersten die Letzten sein …

Moskau 2013 bot jedenfalls das Spektakel, welches sich die Mehrheit, auch die Mainstream-Medien, Sportfunktionäre und Sportpolitiker, erhoffte – wie auch bei anderen Sportveranstaltungen in anderen Orten der letzten 40 Jahre. Der aufrichtige Sport blieb auf der Strecke, aber wen interessiert das schon. Höchstens eine Minderheit! Geld und Medaillen stinken nicht, nur der Charakter mancher Protagonisten aus Sport, Politik und Wirtschaft!

Dann lauft mal schön weiter … Auf die nächsten 100 Meter unter 8 Sekunden und ohne Sauerstoff-Flasche. Wir sind ja alle selbst wie „Flaschen leer“, dafür aber ungedopt!

Marko Michels

 


Ähnliche Beiträge