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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Leichtathletik-EM 2014 mit vier deutschen Titeln

Großbritannien am erfolgreichsten

Sechs Tage europameisterlicher Leichtathletik sind wieder Geschichte. Zürich lud die europäische Leichtathletik-Elite vom 12.August bis 17.August zu den europäischen Meisterschaften 2014 und aus deutscher Sicht überzeugten insbesondere Robert Harting im Diskuswerfen und David Storl im Kugelstoßen.

Blick in die Historie

Zürich erlebte ohnehin erfolgreiche EM – und dieses waren besondere Europa-Titelkämpfe, denn vor 80 Jahren fanden die ersten Leichtathletik-Europameisterschaften 1934 in Turin statt.

Damals durften nur die Männer starten und Finnland sammelte mit 13 x Edelmetall die meisten Medaillen, davon 5 x Gold. Die Deutschen errangen zwar zwei Medaillen weniger, wiesen aber zwei Goldmedaillen mehr als „Suomi“ auf – dank Gustav Wegner im Stabhochsprung, Wilhelm Leichum im Weitsprung, Hans-Heinrich Sievert im Zehnkampf, Hans Scheele über 400 Meter Hürden, Adolf Metzner über 400 Meter sowie dank der beiden Staffeln über 4 x 100 Meter und 4 x 400 Meter.

Vier Jahre später konnten sich auch die Frauen europameisterlich und leichtathletisch beweisen – bei den EM 1938 in Wien. Die Männer hatten zwar seinerzeit auch ihre EM – aber getrennt von den Damen in Paris. Die ersten Europameisterinnen in der Leichtathletik waren dabei vor 76 Jahren Hermine Schröder im Kugelstoßen, Gisela Mauermayer im Diskuswerfen, Lisa Gelius im Speerwerfen und Irmgard Praetz im Weitsprung. Deutsches Frauen-Gold gab es zusätzlich `38 über die 4 x 100 Meter.

MV und die Leichtathletik

Die erste EM-Medaille aus MV-Sicht erkämpfte 1938 der Greifswalder Manfred Bues 1938 über die 4 x 400 Meter (Gold) und die vorerst letzte EM-Plakette sicherte sich 2012 Stabhochspringerin Martina Strutz (SC Neubrandenburg/Silber).

Große Momente bei Leichtathletik-EM erlebte M-V ohnehin in den letzten 80 Jahren oftmals.

Für die Leichtathletik im Nordosten, ob für die olympische oder die paralympische, gab es schon eine Menge Highlights in der Vergangenheit. Unvergessen sind die Olympiasiege durch Brigitte Rohde (SC Neubrandenburg/4 x 400 Meter) bei Olympia 1976 in Montreal, Gerd Wessig (SC Traktor Schwerin/Hochsprung), Marita Koch (SC Empor Rostock/400 Meter) bzw. Ilona Slupianek (gebürtige Demminerin/Kugelstoßen) bei Olympia 1980 in Moskau, Sigrun Wodars (SC Neubrandenburg/800 Meter), Jürgen Schult (SC Traktor Schwerin/Diskuswerfen) bzw. Christian Schenk (SC Empor Rostock/Zehnkampf) bei Olympia 1988 in Seoul oder Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg/Kugelstoßen) bei Olympia 1996 in Atlanta.

Bei den Paralympics zwischen 1992 und 2008 war mit neunmal Gold die gebürtige Ueckermünderin Marianne Buggenhagen überaus erfolgreich. In London, bei den Paralympics 2012, erkämpfte Marianne mit Silber eine weitere Medaille im Kugelstoßen und Jana Schmidt vom 1.LAV Rostock lief über 100 Meter zu Bronze.

Eine Greifswalderin in Zürich dabei

In Zürich 2014 war leider nur eine Athletin aus M-V dabei – die gebürtige Greifswalderin Anna Rüh (SC Neubrandenburg), Jahrgang 1993,  im Diskuswerfen, die 2012 bei den EM in Helsinki Vierte wurde, im gleichen Jahr zudem Junioren-WM-Gold in Barcelona und die Olympia-Teilnahme (Platz zehn) schaffte.

Es wurde leider nicht eine Medaille, die auch niemand erwarten konnte, ja erwarten durfte. Denn: 2014 war nicht unbedingt das Diskus-Jahr von Anna, aber beeindruckend, wie sie ihre plötzliche EM-Chance – durch die verletzungsbedingte Nicht-Teilnahme von Nadine Müller – nutzte, ja couragiert um Edelmetall mit warf…

Das hätten der Greifswalderin vor den EM sicher nur kühnste Optimisten zugetraut. Letztendlich wurde es der vermeintlich undankbare vierte Platz, hinter der Kroatin Sandra Perkovic, der Französin Melina Robert-Michon und Landsfrau Shanice Craft. Platz vier, wie in Helsinki. Und dennoch: Beide Male „klang“ der vierte Platz wie Edelmetall… Klasse Leistungen von Anna Rüh!

Damit setzt Anna eine gute Tradition bei EM in der Disziplin Diskuswerfen fort. So wurde die ebenfalls gebürtige Greifswalderin Karin Illgen 1969 Dritte. Platz drei schaffte dann auch die gebürtige Schwerinerin Gabriele Hinzmann 1974. Für Gold sorgte 12 Jahre später die gebürtige Rüganerin Diana Sachse aus Bergen – bei den EM 1986. Weiteres Diskus-Gold erkämpfte die gebürtige Wolgasterin Franka Dietzsch (SC Empor Rostock, SC Neubrandenburg) 1998 und zusätzlich Silber 2006.

Die M-V-Diskus-Herren waren bei EM außerdem auf dem Podest vertreten, so der gebürtige Grevesmühlener Wolfgang Warnemünde (SC Empor Rostock), der 1982 Platz drei belegte, und Jürgen Schult (SC Traktor Schwerin), der bei europäischen Titelkämpfen über Gold (1990), Silber (1998) und Bronze (1994) jubelte.

Resümee: Die Leichtathletik-EM 2014

Und wie verliefen die 2014er Leichtathletik-EM ansonsten ab?!

Die meisten Medaillen erliefen, erstießen, ersprangen und erwarfen Großbritannien und Frankreich, mit jeweils 23 x Edelmetall, und Russland mit 22 x Edelmetall. Den ersten Platz im so genannten „Medaillenspiegel“ belegte Großbritannien mit 12 x Gold, 5 x Silber, 6 x Bronze vor Frankreich mit 9 x Gold, 8 x Silber, 6 x Bronze, Deutschland mit 4 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze, Russland mit 3 x Gold, 6 x Silber, 13 x Bronze, den Niederlanden mit 3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze und Polen mit 2 x Gold, 5 x Silber, 5 x Bronze.

Damit führt jedoch im „Medaillenspiegel“ aller Leichtathletik-EM von 1934 bis 2014 nach wie vor Deutschland (mit Drittem Reich, DDR, Westdeutschland und vereint) mit 518 Medaillen, davon 178 x Gold, Russland (mit UdSSR und GUS) mit 499 Medaillen, davon 174 x Gold, Großbritannien mit 270 Medaillen, davon 105 x Gold, Frankreich mit 173 Medaillen, davon 64 x Gold, und Polen mit 141 Medaillen, davon 41 x Gold.

„Fliegende Holländerin“ Sprint-Königin in Zürich

Die Sprint-Königin von Zürich 2014 war zweifellos die „fliegende Holländerin“ Dafne Schippers mit ihren beiden Goldmedaillen über die 100 Meter und 200 Meter – die anmutige Niederländerin war zudem der „Hingucker“ der EM 2014. Der schnellste Läufer kam in diesem Jahr aus Großbritannien: James Dasalou setzte sich über die 100 Meter durch.

Über den 5000 Meter und über die 10000 Meter wurde ebenfalls ein Brite seiner Favoritenrolle gerecht: Mo Farah ließ auch dieses Mal der Konkurrenz keine Chance. Im Speerwerfen setzte der Finne Antti Ruuskanen die große Speerwurf-Tradition von „Suomi“ fort. Im Dreisprung der Frauen war hingegen die Ukrainerin Olha Saladuha die Allerbeste. Im Stabhochsprung bei den Frauen – dort belegte ja 2012 die gebürtige Schwerinerin Martina Strutz Platz zwei – setzte sich die Russin Anjelika Sidorowa durch.

Weitere Höhepunkte bei den EM 2014

Die Königin der Athletinnen kam erneut aus Frankreich und der König der Athleten aus Weissrussland. Antoinette Nana Djimou siegte wieder im Siebenkampf und Andrej Krauchanka gewann den Zehnkampf.

Die Marathonläufe waren indes „eine Angelegenheit“ für die Französin Christelle Daunay und den Italiener Daniele Meucci. Auch die Schweizer Gastgeber durften sich über EM-Gold 2014 freuen – Kariem Hussein triumphierte über die 400 Meter Hürden.

Die deutschen Erfolge gingen auf „das sportliche Konto“ von David Storl (Kugelstoßen), Robert Harting (Diskuswerfen), Christina Schwanitz (Kugelstoßen) und Antje Möldner-Schmidt (3000 Meter Hindernis).

Was war sonst noch?

Massen-Medien und Funktionäre waren mit der deutschen Bilanz nicht so recht zufrieden, was wieder einmal beweist, dass Deutschlands hauptberufliche Sport“enthusiasten“ doch nur schnöde „Erbsenzähler“ sind.

Das Wetter spielte zudem nicht so recht mit – über mangelnden Regen „von oben“ konnten sich die Athletinnen und Athleten in Zürich nicht beklagen. Apropos Klagen… Die gab es allerdings über die horrenden Preise bezüglich der Eintrittskarten, Hotels und Lokalitäten vor Ort. Die Eidgenossinnen und Eidgenossen haben anscheinend vergessen, dass nicht jeder Leichtathletik-Fan ein „Nummern-Konto“ in der Schweiz hat…

Letztendlich waren die Schweizerinnen und Schweizer jedoch hervorragende Gastgeber, die mit der Leichtathletik-EM bewiesen, dass sie nicht nur etwas von der Ausrichtung von Wettkämpfen im alpinen Skisport verstehen!

Dann laßt mal die leichtathletischen Kuh-Glocken läuten!

Marko Michels

 

 

 

 


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