Spannung, Hoffnung und Befürchtungen allerorten

Deutschland wählt. Am 24.September steht alles im Zeichen der Urne. Im Prinzip „ist die Wahl schon entschieden“, falls man auf die „Schnapsidee“ kommen sollte, sich nur an den Umfrage-Ergebnissen zu orientieren und diese für „bare Münze“ zu halten.

Grundstimmungen und Traditionen

Mag sein, dass damit eine gewisse politische Grundstimmung abgebildet wird, aber sollte man nicht auch selbst Geist, Charakter und Mut zeigen, mal nicht nur „mit den Wölfen zu heulen“. 48 Parteien konnten eigentlich an der Wahl zum 19.Deutschen Bundestag teilnehmen. Letztendlich gab es eine Zulassung der Landeslisten von 34 Parteien. Die älteste noch existierende deutsche Partei, die 1870 gegründete Deutsche Zentrumspartei, tritt dieses Mal weder mit Wahlkreis-Kandidaten noch einer Landesliste an.

Die SPD, deren Vorläufer – der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (1863) bzw. die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (1869) – sich dann 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands vereinigten, gab sich den offiziellen Parteinamen SPD erst 1890. Noch immer wird sich daher im linksdemokratischen und konservativ-demokratischen Lager darum gestritten, wer nun eigentlich die älteste Partei vorweisen kann – das Zentrum oder die SPD einschließlich ihrer Vorgänger-Parteien…

Fakt ist jedoch, dass als älteste (aber nicht mehr existierende) deutsche Partei die liberale Deutsche Fortschrittspartei gilt, die sich 1861 konstituierte.

Das alles ist jedoch Vergangenheit…

Chancen und Möglichkeiten

Echte Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben ohnehin nur sieben Parteien: die CDU und die CSU, die eine Fraktionsgemeinschaft bilden, die SPD, die Alternative für Deutschland, die FDP, Bündnis 90/Die Grünen und die Linken.

Fünf Tage vor der Bundestagswahl, am 19.September, gab es noch einmal Umfragen. Bei „Allensbach“ liegt die Union bei 36,5 Prozent, die SPD bei 22 Prozent, die FDP bei 11 Prozent, die AfD bei 10 Prozent, die Linken bei 9 Prozent und die Grünen bei 8 Prozent (Sonstige, darunter Freie Wähler, Piraten, NPD, bei 3,5 Prozent). Die Ergebnisse von „Forsa“ bestätigen diesen Trend: Union bei 36 Prozent, SPD bei 23 Prozent, AfD bei 9 Prozent, FDP bei 9 Prozent, die Linken bei 10 Prozent und die Grünen bei 8 Prozent (Sonstige bei 5 Prozent).

Mögliche Gewinner und Verlierer

Damit wird klar, dass Union, SPD und Grüne mit deutlichen Verlusten rechnen müssen. AfD, FDP und Linke können hingegen auf deutliche Zugewinne hoffen. Die AfD wäre damit erstmals im Deutschen Bundestag vertreten, die FDP würde den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen und die Linke könnte mit einem derartigen Ergebnis zeigen, dass sie sich weiter im deutschen Parteienspektrum etablierte.

Für die SPD könnte der 24.September ein bitterer Wahlabend werden, wenn sie ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 2009 mit Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier (23 Prozent) noch einmal unterbieten sollte. Dann dürften die Tage von Martin Schulz als Parteivorsitzenden gezählt sein, weitere noch „führende Köpfe“ dürften ausgetauscht werden. Ob dann eine Neu-Auflage der Großen Koalition von der SPD-Basis zudem wieder gebilligt wird, erscheint in einem derartigen Szenario eher unwahrscheinlich.

Was ist mit der Union?!

Aber auch die Union, die ja mit CDU und CSU zwei Parteien beinhaltet, wird kaum mit ihrem Ergebnis zufrieden sein können. CSU-Chef und Bayern-Ministerpräsident Horst Seehofer trat zwar verbal oft stimmgewaltig gegen Kanzlerin Merkel und einzelner Positionen von ihr (Stichwort „Migration“) auf, knickte aber beharrlich ein. Wie meinte einmal Bundeskanzler Helmut Kohl: „Wenn der bayrische Löwe brüllt, verbreitet er nur noch Mundgeruch.“ Das stimmt in diesen Tagen wieder.

Ob die feschen Bajuwarinnen und Bajuwaren da Gnade vor Recht gegenüber der CSU walten lassen? Darauf sollten die CSU-Oberen lieber nicht all zu sehr hoffen!

Und in der CDU wird es sicher auch kein Triumph-Geheul geben – immerhin drohen Verluste bis mindestens 5 Prozent. Die Kanzlerin, die ihre politischen Ansichten so schnell ändert, wie manche ihre Lebensabschnittsgefährtinnen oder Lebensabschnittsgefährten, zeichnet sich weder durch Weitsicht aus noch präsentiert sie sich mit Durchblick. Ohne ihre medialen Speichellecker, ihre parteipolitischen Hofschranzen, die in der CDU noch willfähriger als in anderen Parteien sind, und ohne die leider vorhandene deutsche Genügsamkeit wäre sie nicht nur in die Geschichte, sondern auch an der Geschichte eingegangen. Schade, dass andere Parteien nicht charismatischere Herausforderinnen und Herausforderer anbieten.

Woher sollen sie kommen, die Charismatiker?

Aber woher sollen diese auch kommen, wenn man sich vor Augen hält, wie Partei-Karrieren in Deutschland verlaufen. Es werden doch nur Partei-Soldatinnen und -Soldaten gefördert, die sich durch Katzbuckligkeit, fehlendes Rückgrat und Duckmäusertum auszeichnen. Das miserable deutsche Bildungssystem und die einseitig argumentierenden Massen-Medien sorgen für den Rest – Elite wird, wer möglichst dumpf, oberflächlich, schleimend und narzisstisch daher kommt.

Mehr als 61 Millionen zur Wahl

Mehr als 61 Millionen Deutschen werden es am 24.September schwer haben, „richtig“ zu wählen, sofern sie ihre Stimme nicht schon per Briefwahl abgaben. Die „holde Weiblichkeit“ stellt fast 32 Millionen Wahlberechtigte, die Kerle (solche die den Namen verdienen oder auch nur „Pantoffel-Helden“) kommen auf knapp 30 Millionen Wahlberechtigte. Nicht nur, dass die Männer früher sterben dürfen, jetzt haben Frauen sogar dauerhaft die Möglichkeit, den politischen Kurs zu bestimmen.

Aber: Frauen kochen (politisch) auch nur mit Wasser. Sofern sie überhaupt kochen können. Unsere Kanzlerin soll Gerüchten zufolge ja besser backen können. Das wäre doch etwas: Angela Merkel nach dem 24.September nicht mehr Bundeskanzlerin, sondern „Bundesbäckerin“!

Marko Michels

Zusatz-Infos „zur Wahl“:

In 68 Jahren Bundesrepublik Deutschland war die Union mit 48 Regierungsjahren sowie ebenfalls 48 Kanzler(innen)-Jahren die bestimmende politische Partei. Die FDP kommt auf 45 Regierungsjahre, die SPD auf 31 Regierungsjahre (darunter 20 Kanzler-Jahre) und Bündnis 90/Die Grünen auf 7 Regierungsjahre.

Die sieben Bundeskanzler und eine Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland waren seit 1949: Konrad Adenauer (CDU) 1949-1963, Ludwig Erhard (CDU) 1963-1966, Kurt-Georg Kiesinger (CDU) 1966-1969, Willy Brandt (SPD) 1969-1974, Helmut Schmidt (SPD) 1974-1982, Helmut Kohl (CDU) 1982-1998, Gerhard Schröder (SPD) 1998-2005 und Angela Merkel (CDU) seit 2005.

Unter CDU-Bundeskanzlern wurde Deutschland dreimal Weltmeister (1954 unter Adenauer, 1990 unter Helmut Kohl und 2014 unter Merkel) und unter SPD-Kanzlern einmal WM-Titelträger (1974 unter Helmut Schmidt).

Die drei EM-Titel der DFB-Auswahl wurden zweimal unter SPD-Kanzlern (1972 unter Willy Brandt bzw. 1980 unter Helmut Schmidt) und einmal unter einem CDU-Kanzler (1996 unter Helmut Kohl) erreicht.

Na dann, lasst „den Ball“ in die richtige politische Ecke „tanzen“…

Marko Michels

Archiv-Foto/Michels: Bitte am 24.9. auch „Flagge zeigen“.