„Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder deine Hand öffnen“ Landesverband der Diakonie legt in Plau am See Rechenschaftsbericht vor Plau am See. Mit dem Zitat aus der Bibel „Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden; darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen“ (5. Mose 15,11) skizzierte der Bericht des Diakonischen Werkes vor der mecklenburgischen Landessynode Auftrag und Herausforderung des diakonischen Handelns in der Gegenwart.

„Es geht nicht darum, einer sozialstaatlichen Rundumversorgung das Wort zu reden. Schon bei Paulus kann man nachlesen: ‚Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.’“, so Diakoniepastor Martin Scriba. „Nur muss man von seiner Arbeit auch leben können.“ Auf dem Hintergrund der aktuell geführten Sozialstaatsdebatte setzt sich das Diakonische Werk für einen armutssicheren Mindestlohn ein. Dort, wo Menschen keine Arbeit finden können, gilt es, ihren Anspruch auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums zu erfüllen. Leider verzeichnen wir in Mecklenburg-Vorpommern eine wachsende Armut“, sagt Martin Scriba.

Der Ende 2009 vom Ministerium für Soziales und Gesundheit M-V vorgelegte Bericht zur Lebenssituation von Haushalten mit Kindern in Mecklenburg-Vorpommern weist für die rund 848.000 Haushalte im Land rund 135.000 Haushalte aus, die ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 60% des durchschnittlichen Nettoeinkommens im Land haben und damit als arm gelten. Das sind 16% aller Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern. Betroffen sind davon auch 21.000 Haushalte in denen 33.000 Kinder leben. Tendenz steigend. Die Studie nennt die zurückgebliebene Entwicklung der Einkommen privater Haushalte als Hauptgründe.

Diese erschreckenden Zahlen decken sich mit den Erfahrungen der Diakonie vor Ort. In den Kindertagesstätten, den Familienberatungsstellen, Jugendhilfezentren aber auch bei den Ausgabestellen der „Tafeln“ ist die materielle Armut der Menschen sowohl versteckt als auch offen zu spüren. Die Schweriner Tafel e. V. zum Beispiel versorgt allein in den Kommunen Hagenow, Ludwigslust, Crivitz, Gadebusch, Schwerin, Banzkow und Pampow in den „Läden ohne Kasse“ im Durchschnitt 1.500 Personen mit zusätzlichen Lebensmitteln. Zudem liefert die „Kindertafel“ täglich Zutaten für ein Frühstück oder einen Frühstücksbeutel für 1.300 Schulkinder in Schwerin, Gadebusch und Ludwigslust. Weitere 30 – 50 Kinder werden täglich mit einem kostenlosen Mittagessen versorgt. „Die Schere zwischen arm und reich geht auch in Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich immer weiter auseinander, obwohl sich viele gegen diese Entwicklung stemmen. Im Horizont christlicher Zukunftshoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt’, steht die diakonische Arbeit im Spannungsfeld zwischen der Realität im Land und den Verheißungen Gottes“, so Landespastor Martin Scriba.

Im Bereich der mecklenburgischen Landeskirche betreibt die Diakonie 631 Einrichtungen mit insgesamt 18.467 Betten, Plätzen und Wohneinheiten. Die Zahl der durch die Beratungsdienste begleiteten Menschen ist dabei nicht erfasst. Insgesamt sind in den Einrichtungen in Trägerschaft der mecklenburgischen Diakonie 8.407 Mitarbeitende beschäftigt, die sich um die Sorgen, Nöte und Bedürfnisse der Menschen im Land kümmern. „20 Jahre nach der Wiedervereinigung geht die Zeit des Baubooms zum Ausbau des sozialen Netzes zu Ende. Unsere Herausforderung sehe ich inzwischen darin, die Hilfsangebote konzeptionell weiterzuentwickeln und ihre Qualität zu sichern“, so Scriba.

Als längst überfällig bezeichnet Martin Scriba die Fusion der beiden Diakonischen Werke in Mecklenburg-Vorpommern. „Dass dieser Schritt so schwer fällt, kann man der Öffentlichkeit in unserem Bundesland nicht mehr vermitteln,“ Hier erhofft sich der Landespastor von der mecklenburgischen und pommerschen Synode, dass die entsprechenden kirchenrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Themenfelder des Berichts des Diakonischen Werkes vor der XIV. Landessynode für die 9. Tagung vom 18. bis 20. März 2010 in Plau am See reichen von der Umsetzung des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes bis hin zur Auswirkung der UN-Behindertenrechts-Konvention auf die konzeptionelle Ausrichtung der Arbeit vor Ort. Die weltweite Diakonie mit BROT FÜR DIE WELT wird ebenso behandelt, wie die aktuelle Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes. Zur Sprache kommen auch die kritische Position der Diakonie zu den geplanten Pflegestützpunkten, Ausführungen zur Seminararbeit im Freiwilligen Sozialen Jahr sowie zur Migrationsberatung durch das Diakonische Werk. Im Internet ist der vollständige Bericht unter www.diakonie-mv.de/informationen/hintergründe zu finden.
Carsten Heinemann