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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Kritik an „Clean Label“ auf Lebensmitteln

Produkte sind nicht immer so „sauber“, wie die Kennzeichnung vermuten lässt

Viele Verbraucher wollen ganz bewusst beim Essen auf bestimmte Zusatzstoffe verzichten und haben deshalb hohe Erwartungen an Produkte, die mit einem  „Clean Label“ (auch: saubere Etiketten) beworben werden. „Clean Labeling“ ist eine Strategie der Lebensmittelindustrie,  bei verarbeiteten Produkten auf diese Zutaten mit E-Nummern und auf Aromen zu verzichten. Hersteller „verleihen“ mit dem Label  Fertiggerichten, Snacks, Feinkostsalaten u.a. ein höheres Qualitätsimage, was sich beim näheren Betrachten der Produkte jedoch nicht bestätigt.

Die Verbraucherzentralen der Bundesländer bewerteten 151 Produkte, die mit einem „Clean Label“ auf der Verpackung den Verzicht auf bestimmte Zusatzstoffe sowie Aromen kennzeichnen. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Ohne Konservierungsstoffe“, „ohne Geschmacksverstärker“, „ohne Farbstoffe“, „ohne Aromastoffe“  – solche Label auf Lebensmittelverpackungen täuschen die Verbraucher  häufig. „Eine höhere Qualität ist bei den Produkten mit den knappen Verzichtserklärungen vielfach nicht erkennbar“, kritisiert Uta Nehls, Projektleiterin der Neuen Verbraucherzentrale Mecklenburg – Vorpommern. Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder auch Geschmacksverstärker werden häufig durch andere Zutaten ersetzt, die eine ähnliche technologische Wirkung haben, jedoch nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen, so die Kritik der Verbraucherzentrale..

So wurden bei 92 Prozent der Produkte mit dem Label „ohne Geschmacksverstärker“ andere geschmacksverstärkende Zutaten wie Hefeextrakt verwendet. Bei 62 Prozent der mit „ohne Farbstoffe“ oder „ohne künstliche Farbstoffe“ beworbenen Lebensmittel wird mit anderen Zutaten, wie Rote-Beete-Extrakt oder Spinatpulver gefärbt. Da die Bezeichnungen „natürlich“ und „Natur“ nicht gesetzlich definiert sind, konnte so auch eine Tütensuppe als „100 % Natur“ ausgelobt werden.

Fazit des Marktchecks der Verbraucherzentralen: Eine höhere Produktqualität ist bei Lebensmitteln mit einem „Clean Label“ selten festzustellen. Der Gesetzgeber sollte klare rechtliche Regelungen zur Verwendung und Gestaltung der „ohne“ – Kennzeichnung schaffen.

Der Bericht „Ohne Zusatzstoffe – Clean Labeling: Werbeaussagen kritisch beleuchtet“ und die Beispielliste mit täuschenden Clean Label Auslobungen können unter www.nvzmv.de kostenlos herunter geladen werden.


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