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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Königliche Klänge zum Abschluss des 18. Usedomer Musikfestivals

Selten aufgeführtes Scarlatti Oratorium vereint musikalisch Geschichte Litauens und Polens

Mit festlichen, barocken Klängen endet am Samstag, dem 15. Oktober, um 20 Uhr in der Evangelischen Kirche Wolgast das 18. Usedomer Musikfestival. Gesangssolisten aus Italien, Spanien, Litauen und Polen sowie das Brevis Consort unter der Leitung von Darius Stabinskas führen halbszenisch das selten zu hörende Oratorium „Der heilige Kasimir – König von Polen“ von Alessandro Scarlatti auf – eine Geschichte zwischen weltlicher Liebe, königlichem Pomp, Keuschheit und Demut. Nach 1713 hatten sich die Spuren des Oratoriums um den Schutzheiligen von Litauen fast verloren. Erst 1999 erstellte die polnische Schallplattenfirma „Acte Prelable“ nach überlieferten Handschriften in Wien und Madrid ein neues Aufführungsmaterial. 2009 wurde das Werk im Rahmen der Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt Vilnius mit dem Brevis Consort wieder aufgeführt.

Der heilige Kasimir von Litauen wurde 1458 als Sohn des polnischen Königs Kasimir IV. und seiner Frau Elisabeth von Habsburg geboren. Zu dieser Zeit war die Geschichte der beiden Länder Polen und Litauen sehr eng miteinander verwoben. Vier Jahrhunderte lang bildeten diese zwei Länder eine Union. So war es nicht verwunderlich, dass die polnischen Könige lange Zeit in litauischen Kirchen gekrönt wurden. Schon als Kind fiel Kasimir durch seine Bescheidenheit, Barmherzigkeit und Intelligenz auf. Während sein Vater in Litauen war, vertrat er ihn in Polen und erwarb sich dort durch sein strenges Vorgehen gegen Korruption und Räuberei die Achtung des Volkes. Mit nur 25 Jahren verstarb er an Tuberkulose und wurde durch Papst Leo X. im Jahre 1521 heilig gesprochen. Vermutlich zum 100. Jahrestag der Heiligsprechung von Kasimir schrieb Alessandro Scarlatti, Vater des berühmten Cembalo-Virtuosen Domenico Scarlatti, ein Oratorium über den heiligen Kasimir.

Das Brevis Consort wurde 2006 gegründet. Der künstlerische Leiter des Ensembles, der Cellist Darius Stabinskas, kehrte 2001 von seinen Studien in Italien nach Litauen zurück und beschloss, sich der alten Musik zuzuwenden und das historisch musikalische Erbe Litauens aufrechtzuerhalten. Neben mehreren litauischen Musikern umfasst das Brevis Consort auch professionelle Künstler der alten Musik aus den anderen baltischen Staaten, Deutschland, Italien, der Schweiz, Polen und weiteren europäischen Ländern. Je nach Programm variiert die Ensemblegröße zwischen zwei bis zwanzig oder mehr Mitgliedern. Das Brevis Consort ist häufig beim Banchetto Musicale Festival aufgetreten und interpretiert Werke, die nie zuvor in Litauen aufgeführt wurden. Eines seiner wichtigsten Projekte ist die szenische Produktion von Claudio Monteverdis Madrigal-Opern „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ und „Ballo delle Ingrate“, unter der Regie von Gintaras Varnas, die beide in Litauen, Russland und Frankreich aufgeführt wurden und vom Publikum und der Presse begeistert aufgenommen wurden.

Als Gesangssolisten sind die Sopranistinnen Lavinia Bertotti, Susanna Crespo Held, Gintare Skeryte, der Countertenor Piotr Olech und der Tenor Mario Cecchetti in der Wolgaster St. Petri Kirche zu erleben.

Deutschlandradio Kultur zeichnet das Konzert auf und sendet es am 5. Dezember um 20:03 Uhr.

Informationen und Kartenbuchungen unter 038378.34647 oder www.usedomer-musikfestival.de,  www.usedom.de


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