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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Juri war der Erste – Vor 50 Jahren startete Wostok 1 ins All

Nachgefragt beim Astronomischen Verein in Rostock

Am 12. April 1961 flog mit dem russischen Kosmonauten Juri Gagarin zum ersten Mal ein Mensch ins Weltall – eine unvergessliche, beeindruckende Leistung. Dem konnte und kann man sich gar nicht entziehen. Die Amerikaner zogen dann Anfang Mai 1961 mit einem suborbitalen Flug von Alan Shepard nach, ehe dann German Titow Anfang August 1961 ebenfalls das Weltall „im Fluge“ erkundete. Ja und andere Pioniere der bemannten Raumfahrt waren dann John Glenn 1962, Walentina Tereschkowa, als erste Frau im Weltall, 1963 oder Neil Armstrong 1969 als erster Mensch auf dem Mond.

Wird es aus Anlass des ersten bemannten Weltraum-Fluges auch eine entsprechende Sonderveranstaltung in der Sternwarte Rostock geben?

Nachgefragt bei Herrn Bernd Lietzow vom Astronomischen Verein Rostock

„Ein Menschheitstraum ging in Erfüllung!“

Frage: Am 12. April jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal der Jahrestag des ersten bemannten Weltraumfluges. Was verbinden Sie mit dieser Leistung – wissenschaftlich wie persönlich?

Bernd Lietzow: Als Gagarin am 12. April 1061 als erster Mensch ins All flog begriff ich als Schüler einer ersten Klasse natürlich noch nicht viel davon. Aber es war klar, dass hier etwas Außergewöhnliches passierte. Die Neugier war geweckt und führte später dazu, dass mich die Faszination Weltall nicht mehr los ließ. Als Schüler habe ich alles über die Raumfahrt aufmerksam verfolgt, später dann unter anderem als Astronomie-Lehrer auch an der Sternwarte gearbeitet und halte als Mitglied des Astronomischen Vereins Rostock noch immer öffentliche Vorträge – besonders gern zu Raumfahrtthemen.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann man sagen, dass mit dem Weltraumflug von Gagarin ein alter Menschheitstraum in Erfüllung gegangen ist. Schon vor gut 400 Jahren sagte Johannes Kepler: „Gebt uns Schiffe, um den Himmel zu durchkreuzen und die Menschen werden sich in das Universum vorwagen.“ Dieser Wunsch ging damals in Erfüllung. Für die Erforschung des Weltalls war es ein unglaublicher Sprung. Das Forschungsobjekt konnte erstmals direkt bestaunt werden.

Man war nicht mehr nur auf Teleskope oder Satelliten angewiesen. Der Mensch selbst machte sich auf den Weg ins All.

Auch aus technischer Sicht geschah hier Sensationelles. Das Ende des zweiten Weltkrieges, der gerade über die damalige Sowjetunion so viel Not, Leid und Zerstörung brachte, wie über kein anderes Land, war gerade einmal 16 Jahre her. Und trotzdem gelang dieser sensationelle erste Schritt ins All.

Frage: 8 Jahre nach Juri Gagarin betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Wann rechnen Sie wieder mit einem Mondspaziergang eines Menschen? Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe, dass es bei dieser einmaligen Mondlandung blieb?

Bernd Lietzow: Mit einer Neuauflage eines „Mondspaziergangs“ ist in den nächsten Jahren, zumindest von den bekanntesten Raumfahrt-Nationen, mit Sicherheit nicht zu rechnen. Zwar hatte US-Präsident George W. Bush jun. noch vor ein paar Jahren ein neues Raumfahrtprogramm unter dem Namen „Constellation“ , mit dem Ziel Mond (2018) und Mars (2028) aufgelegt, jedoch wurde die Entwicklung der dafür notwendigen Raketen und Raumschiffe aus Kostengründen vor etwa einem Jahr eingestellt.

Nach Einstellung der Shuttleflüge im Sommer dieses Jahres wird die USA damit bis 2015 über keine eigenständige bemannte Raumfahrt verfügen. Russland arbeitet zwar an einer neuen Raumschiffgeneration, verfügt aber nicht über die finanziellen Mittel, um alles umzusetzen. Europa hat sich das ATV, das unbemannte Versorgungsschiff für die ISS geleistet, ist aber aus der bemannten Raumfahrt bereits wieder ausgestiegen.

Seit ein paar Jahren gehört China zu den Raumfahrt-Nationen mit eigener Technik. Darüber ist zwar wenig bekannt, aber man kennt den Ehrgeiz dieser Nation und wird die chinesischen Pläne, auch die eines bemannte Mondfluges, ernst nehmen müssen. Wie weit diese fortgeschritten sind, lässt sich schwer abschätzen. In diesem Jahr soll zunächst ein eigenes Raumstationsmodul in den Orbit gebracht werden.

Die Einmaligkeit der Apollo-Mondflüge lässt sich einfach beantworten, wenn man hinter die politischen Kulissen jener Zeit schaut. Die beiden Gesellschaftssysteme, die der zweite Weltkrieg hinterlassen hat, standen in stetigem Wettbewerb. Das Grauen des Krieges war noch allen Menschen bewusst, so dass der Wettbewerb – Gott sei Dank – nicht auf dem Gefechtsfeld ausgetragen wurde, sondern vor allem auf politischer, wirtschaftlicher, technischer und wissenschaftlicher Ebene. Und das Betreiben von Raumfahrt, besonders der bemannten Raumfahrt war natürlich ein prestigeträchtiges Unterfangen. Wer dort die Nase vorn hatte, stellte seine technische Überlegenheit über den Gegner unter Beweis.

Mit dem Start von Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 als erstem Satelliten und dem Flug von Gagarin war die westliche Welt ins Hintertreffen geraten. Die Angst vor der Ausbreitung eines technisch überlegenen Kommunismus war somit eine der Triebfedern der Mondflüge.

Mit diesem Druckmittel gelang es den Amerikanern, so viel Mittel frei zu setzen, dass es möglich wurde, in nur 8 Jahren neue Raketen und Raumschiffe für die Mondflüge zu entwickeln. Eine gewaltige Meisterleistung! Ein wissenschaftliches Forschungsprogramm, mit dem Ziel einer kontinuierlichen Mondforschung, gab es von Anfang an nicht. So waren unter den Besatzungsmitgliedern auch nur ehemalige Piloten, nur beim letzten der Apollo-Flüge, bei Apollo 17, flog erstmals ein Wissenschaftler mit zum Mond.

Als das Interesse an den Mondflügen in der Öffentlichkeit nachließ, wurden die drei letzten Missionen ersatzlos gestrichen. Die vorhandene Technik verwendete man zum Bau der Raumstation Skylab.

Frage: 1978 startete mit Siegmund Jähn zum ersten Mal ein Deutscher ins All. Was war das Besondere an diesem Weltraumflug?

Bernd Lietzow: Insgesamt gesehen gab es eigentlich keine wesentlichen Besonderheiten an diesem Flug. Die damalige Sowjetunion bot allen, am Interkosmosprogramm beteiligten Ländern, nach und nach die Gelegenheit, eigene Kosmonauten auszubilden und ins All zu befördern.

Der Flug von Siegmund Jähn hatte aber schon eine eigene Brisanz: Es war der erste Flug eines Deutschen ins All und dieser kam aus dem sozialistischen Teil Deutschlands. An der Nahtstelle der beiden Weltsysteme, an der zwei deutsche Staaten miteinander konkurrierten, wurde der erfolgreiche Flug natürlich als Erfolg des politischen Systems gefeiert.

Frage: Gibt es eigentlich zum ersten bemannten Weltraumflug eine Sonderveranstaltung bei Ihnen?

Bernd Lietzow: Am kommenden Samstag, dem 09.04.2011, findet in Rostock die Veranstaltungsreihe „Juri´s Night“ statt. Dabei ist auch die Astronomische Station Rostock beteiligt. Wir werden eine kleine Modellausstellung zum Thema Raumfahrt zeigen und um 10.00 Uhr bzw. 11.00 Uhr werde ich selbst zwei Vorträge im Planetarium halten. Genaue Informationen zum Programm finden Sie unter www.yurisnight-rostock.de oder unter www.astronomieverein.de

Frage: Welche weiteren Highlights gibt es 2011 in der Sternwarte Rostock?

Bernd Lietzow: Die Sternwarte Rostock ist eigentlich eine reine schulische Einrichtung und wird von der Stadt als Fachunterrichtsraum Astronomie betrieben. Das bedeutet, hier findet Unterricht statt, der von ausgebildeten Astronomie-Lehrern gehalten wird. Alle anderen Veranstaltungen werden durch Mitglieder des Astronomischen Vereins Rostock ehrenamtlich organisiert und durchgeführt. Das erlaubt natürlich nur ein eingeschränktes öffentliches Arbeiten.

Am 9. April finden in der Sternwarte noch weitere Veranstaltungen statt, so unter anderem um 16.00 Uhr die Eröffnung des Planetenirrgartens (geschlossene Veranstaltung). Ab 18.00 Uhr ist der Garten allen Gästen zugänglich, gleichzeitig beginnen im Planetarium Vorträge zu verschiedenen astronomischen Themen im Zusammenhang mit dem Tag der Astronomie. Bei guten Bedingungen sind Vereinsmitglieder auch mit Teleskopen zur Stelle, um fachkundige Beobachtungen anzubieten.

Nächster Höhepunkt ist am 28. April die lange Nacht der Wissenschaften. Auch dort ist die Sternwarte mit sechs bis neun verschiedenen Vorträgen Beobachtungen beteiligt.

Regelmäßig finden an jedem ersten Sonntag im Monat um 17.00 Uhr Planetariumsvorträge statt und an jedem Donnerstag ist bei gutem Wetter Beobachtungsabend. Die genauen Termine und Themen finden Sie unter www.astronomieverein.de oder www.rostocker-sternwarte.de!

Dann weiterhin maximale Erfolge „beim Blick in die Sterne“!

M. Michels


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