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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Jugend musiziert: Auf die Stimme kommt es an

Die Vorbereitungen der Malchiner Musikschule auf den Wettbewerb „Jugend musiziert“ laufen auf Hochtouren

Ein Lächeln huscht ihr über das Gesicht während sie „All mein Gedanken die ich hab, sind bei dir“ singt. Sehr leise schlägt ihre Korrepetitorin Bettina Berg vor dem Stück ein „e“ auf dem Klavier an. Lisann möchte das Lied lieber einen Halbton höher singen und entscheidet sich für den Anfangston „f“. Die Frage der Tonart ist sehr wichtig für Sänger. Entscheidet sie doch, wie gut, wie brillant, wie durchsetzungsfähig die eigene Stimme zur Geltung kommt. Das Risiko schwingt jedoch mit, da das körpereigene Instrument nicht in jeder Situation gleich klingt und gleich zu handhaben ist.

„All mein Gedanken“ ist die Sololied ihres rund 17-minütigen Programms. Mit diesem wird sie sich am Wochenende in Wismar einer sehr starken Konkurrenz stellen. Wie Lisann Wassermann haben zehn weitere Sängerinnen ihren Alters eine Delegierung zum Landeswettbewerb erhalten. Dazu mussten sie sich in einem der vier Regionalausscheiden Mecklenburg-Vorpommerns vor der Jury beweisen. Der Wettbewerb „Jugend musiziert“ wird bundesweit in drei Stufen ausgetragen. 150 Regionalwettbewerbe stehen vor den Landeswettbewerben der 16 Bundesländer. Wer die Landeswettbewerbe mit einer Delegierung absolvieren kann, darf im Bundeswettbewerb gegen die deutschlandweite Konkurrenz antreten. Erstmalig findet dieser in der Pfingstwoche in Neubrandenburg und Neustrelitz statt und stellt die Region vor eine große logistische Herausforderung. Mehrere tausend Musiker und Besucher werden erwartet.

Die Abiturientin am Demminer Musikgymnasium hat sich allein mit der Teilnahme bei „Jugend musiziert“ schon viel vorgenommen. Zwar ist das Fach Chor für die Musikklassen obligatorisch, eine richtige Gesangsausbildung bekommt sie erst seit September letzten Jahres. „In einem halben Jahr ein solches Programm zu singen ist eine große Leistung“  zeigt sich Lisanns Lehrer Lars Grünwoldt sichtlich stolz. Das gute Abschneiden im Regionalwettbewerb war bereits eine große Leistung da ihre Sangeskolleginnen zum Teil seit Jahren professionellen Unterricht bekommen. „Einen Preis würde ich schon gerne mit nach Hause nehmen“ sagt Lisann. Höhere Ziele hat sie sich jedoch nicht gesteckt. „Die anderen Sängerinnen sind sehr gut. Da glaube ich nicht, dass ich eine Weiterleitung zum Bundeswettbewerb bekomme.“

Musik ist schon lange ständiger Begleiter von Lisann. Seit zwölf Jahre spielt sie Klavier und früher hat sie einmal Flöte gespielt. Aktuell konzentriert sie sich aber vor allem auf das Programm für „Jugend musiziert“. Besonders leicht fällt ihr der heutige Auftritt aber nicht. In einer Chorklausur am Morgen hat sie ihre Stimme schon stark strapazieren müssen. „Das ist wie eine Klausur in Mathe, nur dass man nicht schreibt sondern singt“ erklärt Lisann „ein Abitur am Musikgymnasium setzt das eben voraus.“ Die Woche vor dem Wettbewerb will sie die Stimme noch schonen. Es ist eben doch kein Werkzeug was immer gleich funktioniert – viel Pflege und ein bewusster Umgang sind sehr wichtig.

Nach dem Vorsingen beratschlagt Lisann noch einmal mit Bettina Berg ob sie ein Stück nicht doch lieber etwas höher singen soll. In den Höhen trägt ihre Stimme stärker und kann sich gegen die Klavierbegleitung besser durchsetzen. Das Spiel mit den Tonarten verlangt jedoch viel Flexibilität. Vor allem von der Klavierbegleiterin, die Stücke in einer neuen Tonart noch einmal komplett neu lernen muss. Die Musikschullehrerin Bettina Berg kennt dieses Problem sehr gut. Schon während ihres Klavierstudiums probte und konzertierte sie gemeinsam mit anderen Instrumenten und Sängern. Das schnelle Erarbeiten von Stücken und ihre einfühlsame Begleitung sind das Resultat jahrzehntelanger Korrepetitions- und Konzerterfahrung. Ob das Stück nun höher gesungen werden soll wird dann doch erst in der nächsten Unterrichtsstunde entschieden. Wenn keine Noten für diese Tonart existieren wird der Aufwand doch zu groß. Schließlich ist ihr Auftritt im Wismarer Rathaus schon am nächsten Sonntag.

Bis zu ihrem letzten Probevorsingen am Donnerstag möchte Lisann alle Änderungen, die heute besprochen wurden in die Stücke einfließen lassen. Zu diesem Konzert tragen auch die anderen „Jugend musiziert“-Teilnehmer der Malchiner Musikschule ihr Programm noch einmal vor. In einem langen Konzert werden die acht Teilnehmer aus den Kategorien Violinenduo, Klavier, Gesang und Blockflötentrio noch ein letztes Mal vor dem Wettbewerb auf der Bühne stehen. Bettina Berg, die nicht nur begleitet sondern auch mit zwei eigenen Schülern zum Wettbewerb fährt schmunzelt etwas: „Ich hoffe sehr, dass alle das so schön gestalten wie Lisann. Bei der Generalprobe darf zwar auch etwas schiefgehen – ein besseres Gefühl ist es aber doch, wenn es gut läuft“

Quelle: Regionalmusikschule Malchin e.V.


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