Skip to main content

Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Rückspiegel: Die 30.Olympischen Spiele und die 14.Paralympics in London

Nachgefragt beim Innen- und Sportminister von M-V, Lorenz Caffier


Die 30.Olympischen Spiele und 14.Paralymics in London sind längst wieder Sport-Geschichte. Für die Athletinnen und Athleten aus Vereinen in Mecklenburg-Vorpommern gab es Anlass zu Jubel, aber auch Grund zur Enttäuschung.

Die Olympionikinnen und Olympioniken aus Sportvereinen in MV erkämpften lediglich eine Bronzemedaille, der der Kanu-Rennsportler Martin Hollstein gewann. Die drei Paralympionikinnen aus MV-Vereinen erkämpften hingegen zweimal Gold und einmal Silber.

Für die goldenen Momente sorgten die Schweriner Zwillingsschwestern Ramona bzw. Carmen Brussig. Leichtathletik-Bronze errang über die 100 Meter Jana Schmidt vom 1.LAV Rostock.

Wie beurteilt nun Innen- und Sportminister Lorenz Caffier die Resultate der Athletinnen und Athleten bei den Spielen 2012 in London?

„Gut und richtig, über Verbesserungen bei der Sportförderung nachzudenken …“

Frage: Herr Minister, die olympische Bilanz des traditionsreichen Olympia-Sportlandes M-V war 2012 mit einer Bronze-Medaille eher dürftig. In traditionsreichen MV-Sportarten, wie Boxen, Gewichtheben oder Ringen, gab es keine Teilnehmer.

In anderen Sportarten mit großer MV-Historie, wie in der Leichtathletik oder im Schwimmen, war ebenfalls Medaillenflaute oder Olympia-Abstinenz angesagt – nur zwei Beispiele von einigen.

Im Medaillenspiegel wurde die deutsche Mannschaft Sechster.

Wie lautet Ihre Bilanz? Was muss im Fördersystem, auch hierzulande, besser werden?

Minister Lorenz Caffier: Es ist gelungen, die Medaillenbilanz im Vergleich zu den Spielen von Peking von 41 auf 44 Medaillen zu verbessern, und viele Sportler konnten zudem persönliche Bestleistungen erreichen.

Angesichts der enormen Leistungsdichte im Spitzensport liegt zwischen den Medaillen-Gewinnern und den Platzierten oft nur ein Quäntchen Glück. Der Gewinn einer Bronzemedaille durch den Kanuten Martin Hollstein war bei den Olympischen Spiele in London einer der Höhepunkte für die Sportler aus meinem Bundesland.

Es ist aber zugleich gut und richtig, dass der Deutsche Olympische Sportbund auch über Verbesserungen bei der Sportförderung nachdenkt. Auch alle anderen Nationen sind dabei sich permanent zu verbessern. Insbesondere die USA, China und Großbritannien haben bei diesen Spielen eindrucksvolle Leistungen erbracht. Diese Nationen nehmen ebenfalls immer wieder neuen Anlauf, um auf einem so hohen Niveau über die Jahre hinweg Spitzensport treiben zu können.

Die genaue Analyse über das unterschiedliche Abschneiden der Sportler wird in Kürze erfolgen. Diese Aufgabe fällt aber zunächst einmal in die Zuständigkeit der Sportverbände.

Frage: Bei den Paralympics gab es hingegen drei Medaillen durch drei MV-Athletinnen. Wie ist der Stellenwert des Sportes für Athleten mit Handicaps aus Ihrer Sicht in M-V wie in ganz Deutschland? Welche Bedeutung haben für Sie die Paralympics?

Minister Lorenz Caffier: Diese tolle Leistung und das mediale Echo ist für den Behindertensport in Mecklenburg-Vorpommern ein Zeichen, dass man mit Sport einen Beitrag zur Integration von Menschen mit einem Handicap leisten kann.

Unter den 150, vom Deutschen Behindertensportverband e.V. nominierten Athleten, waren drei aus Mecklenburg-Vorpommern dabei. Jana Schmidt vom 1. Leichtathletik Verein Rostock e.V. mit einer Bronzemedaille, sowie die beiden Gold-Schwestern Ramona und Carmen Brussig von der Judoabteilung des PSV Schwerin e.V.

Frage: Die Spiele 2012 begeisterten durchaus. Aber es gibt auch vielen Schattenseiten – hier seien nur die Stichworte „medizinisches Doping“, „technisches Doping“, „Prämien-Poker“, „Gigantismus“, „exorbitante Professionalisierung“ und „extremes Marketing“ genannt. Die Grundbotschaft der Spiele wird – das mag jede/jeder anders beurteilen doch gar nicht mehr richtig gelebt. Wie ist hier Ihre Meinung?

Minister Lorenz Caffier: Es waren unvergessliche Tage, die ich und alle Zuschauer bei den Olympischen Spielen erlebt haben. Ein ganz großes Lob soll von dieser Stelle noch einmal an die Ausrichter gehen. Die Organisation, das Sicherheitskonzept vor Ort und die Begeisterung der vielen freiwilligen Helfer haben entscheidend zu dieser tollen Stimmung beigetragen.

Auch das großartige Publikum aus aller Welt hat sich als sachkundig, fair und begeisterungsfähig erwiesen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Verlauf dieses beeindruckenden, friedlichen Sportfestes geleistet. Die Stichworte in Ihrer Frage spielten für die Zuschauer und Teilnehmer aus meiner Sicht keine Rolle.

Frage: Nun gab es von Seiten deutscher Sportfunktionäre und Sportpolitiker „Medaillen- und Zielvorgaben“ für 2012, die deutlich verfehlt wurden. Wie sinnvoll sind derartige „Vorgaben“?

Minister Lorenz Caffier: Zielvorgaben sind manchmal ein Mittel zur Motivation der Sportler. Für mich persönlich und für die meisten Sportler aus Mecklenburg-Vorpommern stand die olympische Idee von Teamgeist und Fairness im Vordergrund.

Als Beispiel für den olympischen Gedanken möchte ich noch einmal auf Stefan Nimke eingehen, der eine ganz konkrete Hoffnung auf eine Medaille hatte. Nach einer Rückenverletzung kurz vor Rennbeginn im Londoner Velodrom hat dann aber eine schwere Entscheidung angestanden: Um den Erfolg der Mannschaft durch eine Teilnahme mit Verletzung nicht zu gefährden, trat er kurzfristig zurück und sicherte so den Gewinn der Bronzemedaille für den Bund Deutscher Radfahrer.

Frage: In und nach London gab es Diskussionen um den „Fall der Ruderin Nadja Drygalla“, der eher zu einem „(Rein-)Fall“ einiger Medien-Vertreter und Sportfunktionäre wurde. Wie ist an dieser Stelle Ihr Standpunkt?

Minister Lorenz Caffier: Nachdem dem Innenministerium bekannt wurde, das auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind, wurden mit ihr aus Fürsorgegründen Personalgespräche geführt. Frau Drygalla hat sich dann entschieden einen Antrag auf Entlassung zu stellten, welchem mit Wirkung vom 30.09.2011 stattgegeben wurde.

Nadja Drygalla ist seitdem keine Polizeibeamtin mehr und auch kein Mitglied in der Sportfördergruppe der Landespolizei.
Frau Drygalla hat sich nach den Olympischen Spielen vom Rechtsextremismus öffentlich distanziert.

Außerdem teile ich die Auffassung, dass jede Sportlerin und Sportler einen Anspruch auf ein Privatleben hat und was von allen zu akzeptieren ist.

In der DDR habe ich erleben müssen, wie man Leistungssportler auf ihre Gesinnung und ihr Umfeld überprüfte. Eine Gesinnungsschnüffelei und Sippenhaft im Leistungssport lehne ich auf das Schärfste ab.

Letzte Frage: Blicke in die Zukunft sind immer schwierig, gerade in die sportliche Richtung. Wie ist Ihre Prognose für das Sportland MV – mit Blickrichtung Rio 2016?

Minister Lorenz Caffier: Die 14 Sportlerinnen und Sportler aus Mecklenburg-Vorpommern haben sich in der Auswahl für Olympia in London gegen eine sehr starke Konkurrenz aus den anderen Bundesländern durchsetzen können. Ich wünsche mir, dass wir an den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien auch mit mindestens einer so starken Mannschaft wie dieses Jahr teilnehmen können. Alles Weitere werden wir sehen.

Dann vielen Dank und weiterhin ein erfolgreiches Engagement für den Sport in MV!

Dr. Marko Michels


Ähnliche Beiträge