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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Fokus: Die Turn-Weltmeisterschaften 2010

In Rotterdam wetteifert im Oktober die Welt-Elite des Turnsportes um Medaillen und Platzierungen

Vom 16. bis 24. Oktober lädt Rotterdam die Weltelite des Turnsportes zu den Welttitelkämpfen ein. Seit 1903 in Antwerpen werden Turn-Weltmeister ermittelt, seit den WM 1934 sind auch die Frauen „turnweltmeisterlich“. Gleich bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen stand das Turnen für Männer auf dem olympischen Programm. Die Frauen mußten auch hier warten – erst 1924 durften sie ran.

Auch Mecklenburger und Mecklenburgerinnen waren, allerdings „etwas“ später, bei internationalen Großereignissen zwischen 1968 und 1996 „eine feste Turn-Größe“.

Den Medaillen-Anfang machte 1968 die gebürtige Rostockerin Marianne Noack, die 1968 mit der DDR-Riege Olympia-Bronze in Mexiko-City gewann und bei den WM 1970 Silber mit der Mannschaft erkämpfte. Die ebenfalls in Rostock geborene Christine Schmitt, Jahrgang 1953, gehörte 1968 als Ersatz-Turnerin zur olympischen DDR-Turnauswahl. Ihren endgültigen internationalen Durchbruch feierte sie mit WM-Bronze auf dem Schwebebalken 1970.

Mit der Mannschaft holte Christine Schmitt an der Seite von Marianne Noack zudem Silber. Höhepunkt ihrer Karriere war dann noch Olympia-Silber mit der Mannschaft bei Olympia 1972 in München. In München 1972 gewann der Rostocker Reinhard Rychly ebenfalls eine olympische Turn-Medaille. Mit der DDR-Mannschaft errang er Bronze hinter Japan und der Sowjetunion.

Die Hoffmann-Brüder Lutz und Ulf – mit “Neustrelitzer Wurzeln” – setzten die internationalen Erfolge im Kunstturnsport für M-V 1980 bis 1988 fort: Bei den Olympischen Spielen erturnte Lutz Hoffmann mit der DDR-Riege den 2. Platz. Sein jüngerer Bruder Ulf war dreimal auf einem Olympia- bzw. WM-Podest. Jeweils mit den DDR-Teams belegte er bei den WM 1985 und 1987 den Bronze-Rang; bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gab es sogar Silber.

Zwei weitere Turnerinnen aus Rostock konnten ebenfalls an olympischen Wettkämpfen teilnehmen: Einerseits Christine Thoms, die Ersatz-Turnerin bei den Spielen 1988 in Seoul war als die DDR-Riege Dritte wurde, und andererseits Kathleen Kern-Stark, die 1992 und 1996 für den DTB startete.

Doch wie steht es um das Turnen in MV im Jahr 2010?! Nachgefragt bei Kati Brenner, Geschäftsführerin des Landesturnverbandes MV

„Turnen ist vielfältiger geworden!“

Frage: 20 Jahre nach der deutschen Einheit: Wie verlief die Entwicklung des Turnsportes in MV?

Kati Brenner: Das Turnen ist vielfältiger geworden. Neben dem klassischen Gerätturnen sind viele Sportarten beim Turnverband angesiedelt, von der Rhythmischen Sportgymnastik bis hin zum Faustball. Zurzeit gibt es 15 Vereine in MV, die sich speziell dem Geräteturnen widmen. Gegenwärtig sind 400 Turnerinnen und Turner (Es sind nur 2 !!!) bei Wettkämpfen aktiv.

Frage: Mecklenburg-Vorpommern brachte in der Vergangenheit auch einige Weltklasse-Turnerinnen und –Turner hervor. Wie sind gegenwärtig die turnsportlichen Bedingungen im Land? Gibt es genügend Interessenten?

Kati Brenner: Nach dem der Leistungsbereich im Geräturnen während der 1990er Jahre eingebrochen ist, sind seit nunmehr fünf Jahren wieder Anstrengungen durch den Hanseturnverein Rostock unternommen worden, das Leistungsgerätturnen neu aufzubauen.

Mit Erfolg … Im letzten Jahr wurde die erste Turn-Talentschule im weiblichen Gerätturnen in M-V durch den deutschen Turnerbund bestätigt. Das Interesse am Turnen ist groß, vor allen im Kinderbereich. Leider haben wir noch zu wenige Angebote in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern.

Frage: Mitte Oktober finden die Turn-WM in Rotterdam statt. Nicht zuletzt aufgrund der Erfolge von Fabian Hambüchen erlebte der Turnsport in Deutschland einen Aufschwung. Das Zuschauer- und Medien-Interesse nahmen zu. Wie beurteilen Sie die WM-Chancen der deutschen Teilnehmer 2010? Sie selbst sind ja vor Ort …

Kati Brenner: Ich denke, dass die deutsche Turn-Mannschaft berechtigte Medaillenchancen hat, die nicht nur bei einem Ausnahmeathleten wie Fabian Hambüchen liegen. Auch Mathias Fahrich und Philipp Boy gehören zu den Medaillenkandidaten. Leider hat sich allerdings Marcel Nguyen im Vorfeld verletzt. Bei den Frauen hoffe ich, dass Oksana Chusovitina wieder zwei tolle Sprünge in den Stand bringt.

Frage: Von Rotterdam zurück nach MV … Wie ist Ihre Prognose für die turnsportliche Entwicklung in den nächsten Jahren in unserem Bundesland?

Kati Brenner: Wir werden daran arbeiten, dass im weiblichen Bereich Turnerinnen aus unserem Bundesland wieder auf der deutschen Bühne mitkämpfen werden. Im männlichen Bereich gilt es, Turnangebote für Jungen aufzubauen.

Letzte Frage: Welche turnsportlichen Veranstaltungen finden bis Jahresende hierzulande statt?

Hat in MV eine gute Heimat - der Turnsport (Hier bei einer Darbietung in Schwerin)Kati Brenner: Es finden noch einige Vereinswettkämpfe in den kommenden Wochen statt, so am 9. Oktober in Rostock beim HTV und der SG Fiko Rostock. Den Abschluss bildet die Landesturnschau am 11. Dezember um 16.00 Uhr in der „Scandlines-Arena“ in Rostock.

Dann maximale Erfolge bei der turnsportlichen Arbeit!

Marko Michels (Text/Foto)


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