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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Blickpunkt: Die Handballerinnen der TSG Wismar

Die Hanseatinnen sind die einzigen MV-Vertreterinnen in der zweiten Bundesliga …

Die TSG Wismar ist seit dem 10. September in der zweiten Handball-Bundesliga-Spur der Saison 2011/12.
Die bisherige Bilanz: Ein Auftaktsieg zu Hause gegen den SC Greven 09 mit 31:27, dann zwar eine Niederlage auswärts 31:35 gegen TSV Nord Harrislee, aber anschließend wieder eine mitreißende Partie in der Sporthalle an der Bürgermeister-Haupt-Strasse in Wismar gegen BVB Dortmund. Zeitweise wurden die Dortmunderinnen förmlich an die Wand gespielt. Am Ende wurde ein Sechs-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben, so wurde es „nur“ ein 26:26. Im vierten Spiel in Rosengarten hieß es enttäuschend 33:26 gegen die Wismarerinnen. Eine Heim-Niederlage gab es leider auch am 8. Oktober gegen die Damen des BSV Sachsen Zwickau (27:36).
Aktuell steht die TGS Wismar damit auf dem 13. Tabellenplatz.

Wie lautet nun ein Zwischen-Fazit für die TSG Wismar aus Sicht des Managers?

„Wollen als einziger weiblicher Zweitliga-Vertreter für M-V mindestens den Klassenerhalt schaffen …“

Klaus-Dieter Soldat über die Saison-Vorbereitung der TSG-Handball-Damen, die ersten Spiele 2011/12, den Handballsport in M-V und die kommende WM im Frauen-Handball in Brasilien …

Frage: Herr Soldat, die TSG-Damen konnten trotz neuen Trainers, trotz einiger Abgänge und einiger Zugänge bisher überzeugen. Wie lautet ein kurzes Zwischen-Fazit nach den ersten Spieltagen?

Klaus-Dieter Soldat: Ich glaube, dass die vorgezogenen Trainer-Rochade, den neuen Trainer Tilo Labs vor dem 1. Mai 2011 die Verantwortung zu übergeben, sehr wichtig war. Die Mannschaft hatte seinerzeit in den Entscheidungsspielen um den Klassenverbleib damit neues Selbstvertrauen gewonnen. Nach nur zwei Wochen Urlaub lud Tilo Labs dann schon am 11. Juli 2011 zum Trainingslager ein und wir haben sehr viel Vorbereitungsspiele und internationale Turniere bespielt, unter anderem 5. Platz in Altlandsberg, Sieger beim Turnier in Neubrandenburg.

Die Mannschaft ist professioneller eingestellt und alle wissen, was für eine Mammut-Aufgabe vor uns steht. Das spielerische Gefüge ist inzwischen sehr gut gewachsen, aber nun gilt es, Zweitliga-Stabilität zu erlangen.

Frage: Zurzeit, seit dem 25. September, werden überall die Interkulturellen Wochen gefeiert. Bei der TSG wird gelungene Integration ohnehin vorgelebt. Mit Ljudmilla Yermachek, die aus Weißrussland stammt, mit Faty Lom aus Frankreich und mit Eszter Forczek hat die TSG auch drei Legionärinnen im Aufgebot. Wie klappt das sportlich-interkulturelle Miteinander bei den TSG-Handball-Damen?

Klaus-Dieter Soldat: Zunächst muß einmal angemerkt werden, dass alle im Nebenjob Handball spielen. Ansonsten gehen die Spielerinnen gehen ihren beruflichen bzw. Studien-Verpflichtungen nach.

Die „interkulturelle Situation“ ist ja nicht neu für uns, mit Malgorzata Chmielewska 1991/93 oder Bozena Zych 1993/94 waren schon zwei Polinnen bei uns und erinnern möchte ich auch an die ungarischen Nagy-Zwillinge, Andrea und Henriette, 2002/03 im TSG-Team. Im Sport und damit beim Handball werden kulturelle Gräben ja schnell überwunden. Was zählt, ist der gemeinsame Erfolg.

Frage: Die große Dame und Spielführerin bei der TSG Wismar ist die mit 28 Jahren immer noch sehr junge Franca Kühne. Es muß für Franca doch eine immense Mehrfachbelastung als praktizierende Ärztin und Leistungsträgerin der TSG sein. Wie beurteilen Sie Francas Einsatz für die TSG?

Klaus-Dieter Soldat: „Ohne Worte“ – einfach sehr positiv. Sie ist ein TSG-Gewächs, das über die eigene Jugend 1999 schon in das erste Frauen-Team aufrückte. Nach erfolgreichem Studium und ihrer jetzigen sehr anspruchsvollen medizinischen Tätigkeit  hat sie sich als Zugpferd in den Dienst der TSG für die eingleisige Bundesliga gestellt. Ein Vorbild in höchster Potenz für den Handballsport in Mecklenburg-Vorpommern.

Frage: Nicht zu bremsen scheint in der Spielzeit 2010/11 auch Steffi Laas zu sein – gegen Greven erzielte sie 5 Treffer, gegen Harrislee 11 Tore dann gegen Dortmund 10 Tore. Was zeichnet Steffi Laas aus Ihrer Sicht aus?

Klaus-Dieter Soldat: Es ist ihre aufgeschlossene Art. Diese beflügelt sie auch auf dem Parkett. Wir wissen um die Stärken unserer Steffi, deshalb haben wir auch sehr um die Vertragsverlängerung gerungen. Sie ist über sechzig Minuten unbändig erfolgsorientiert, deshalb liegt sie zurzeit auf Platz zwei in der Bundesliga-Schützenliste.

Frage: Und das Ziel für die TSG 2011/12?

Klaus-Dieter Soldat: Da vier Mannschaften direkt absteigen, wollen wir mindestens den zwölften Platz erreichen oder sogar noch besser abschneiden. Immerhin sind wir der einzige weibliche Zweitliga-Vertreter unseres Landes und tragen somit eine hohe Bürde.

Frage: Mal ein Blick über den Wismarer Handball-Tellerrand hinaus … Als Mecklenburger, wie beurteilen Sie die sportliche Lage von Post Schwerin, Empor Rostock bei den Herren und den Rostock Dolphins bei den Frauen?

Klaus-Dieter Soldat: Im Hinblick auf Rostocks Frauen, aber auch auf die Neubrandenburgerinnen als Vertreterinnen von  Handball-Stützpunkten des Landes bin ich enttäuscht, ja ein Stück weit traurig. Wir verlieren zunehmend den Anschluss in diesem Leistungsbereich. Grün-Weiß Schwerin versucht in der dritten Liga diese Lücke zu schließen.

Dagegen präsentiert sich der Männer-Handball erstarkt und sowohl der HC Empor Rostock als auch der SV Post Schwerin werden versuchen, die zweite Bundesliga erfolgreich zu meistern. Es sollte ihnen aus meiner Sicht auch gelingen.

Frage: Und zur internationalen Lage im Handball-Frauensport … Gerade endete der Frauen-Weltcup mit einem Sieg Russlands vor Norwegen. Vom 3. bis 18. Dezember findet dann die Frauen-WM in Brasilien statt. Welche Teams sehen Sie vorn? Was erhoffen Sie sich vom deutschen Team?

Klaus-Dieter Soldat: In Deutschland ist vor circa fünf Jahren die Reduzierung der Elite-Liga auf 12 Mannschaften und der zweiten Bundesliga von 29 Mannschaften auf nun 16 Teams beschlossen worden. Diese Maßnahmen sollten den deutschen Frauen-Handball, insbesondere aber die internationalen Auswahl-Mannschaften stärken. Als ehemaliger HBF-Vertreter habe ich von der ersten Stunde an dagegen votiert. Der Erfolg ist auch nicht eingekehrt. Sowohl die letzte EM (12. Platz) oder ebenfalls die Olympischen Spiele in Peking waren sportlich enttäuschend.

Es wird keine leichte Aufgabe für das DHB-Frauen-Team, sich für London 2012 zu qualifizieren. Also, ich persönlich sehe die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei der kommenden WM nur im Mittelfeld, während Norwegen, Dänemark und Russland den Rest in Schach halten werden.

Dann alles Gute für die TSG Wismar und maximale Erfolge in der Spielzeit 2011/12!

Die Fragen stellte Marko Michels


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