Im Blickfeld: Die „Polnischen Wochen“ 2011 in M-V

Veranstaltungen in ganz Mecklenburg-Vorpommern

Vom 1. bis 12. September finden die „Polnischen Wochen“ in M-V statt, die maßgeblich von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft organisiert wurden. Im 20. Jahrhundert wurde das polnisch-deutsche Verhältnis durch den Überfall Hitler-Deutschlands 1939 oder durch die mitunter überhebliche Politik der DDR unter Ulbricht und Honecker zerstört bzw. schwer belastet.

Auch die Bundesrepublik fand erst dank der „neuen Ostpolitik“ der sozial-liberalen Koalition von Brandt/Scheel und dessen Fortführung unter den Kanzlern Schmidt sowie Kohl zu einem neuen Miteinander mit dem polnischen Volk. In diesem Jahr wurden 20 Jahre Nachbarschaftsvertrag zwischen Deutschland und Polen gefeiert. Die „Polnischen Wochen“ finden 2011 also in einem Jubiläumsjahr statt.

Nachgefragt beim Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in M-V e.V., Herrn Klaus Wils

„Die Menschen lernen einander achten …“

Frage: In diesem Jahr finden vom 1. bis 12. September die „Polnischen Wochen“ in M-V statt. Was verbirgt sich dahinter?

Klaus Wils: Das Projekt Polnische Wochen wird in dieser Form seit 2000 umgesetzt, damals initiiert durch den Botschafter Polens in Deutschland und den damaligen Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. Es beinhaltet im Wesentlichen die Präsentation einer jährlich wechselnden Wojewodschaft Polens in Kunst, Kultur und regionalem Leben in verschiedenen Orten in M-V.

Über dieses Projekt begegnen sich Menschen aus beiden Ländern und lernen einander kennen und achten. Sie nähern sich an – ganz im Sinne unseres Mottos.

Frage: Wie würden Sie zurzeit das deutsch-polnische Verhältnis charakterisieren? Eher gut, eher negativ …

Klaus Wils: Ich beurteile es als eher gut, ohne eine Bewertung „auf politischer Schiene“ vornehmen zu wollen. Vor allem in den Grenzregionen hat sich sehr viel Positives entwickelt.

Frage: Einige Deutsche neig(t)en in der Bewertung ihrer polnischen Nachbarn zur Überheblichkeit … Hat sich daran in den letzten Jahren etwas geändert?

Klaus Wils: Vorbehalte und tendenzielle Überheblichkeit werden wir wohl nie ganz beseitigen können. Es gibt diese aber auch nicht nur zwischen Deutschen und Polen. Auch ewig Gestrige unternehmen immer wieder Versuche, diese zu schüren.

Ich glaube jedoch, dass sich sehr ermutigende Entwicklungen zeigen. Der EU-Beitritt und der Schengen-Beitritt Polens haben sich positiv ausgewirkt. Auch gehen die Polen sehr offen mit der Geschichte um und klammern die teilweise deutsche Vergangenheit nicht aus. Ich glaube außerdem, dass gerade die gute wirtschaftliche Situation Polens Anerkennung findet.

Frage: Zurück zu den „Polnischen Wochen“ … Welche Hoffnungen verbinden Sie mit diesen?

Klaus Wils: Eine meiner Hoffnungen ist es, dass wir über die „Polnischen Wochen“ immer mehr Menschen in MV neugierig auf unseren Nachbarn machen – und das über den Konsum hinaus. Polen hat viel mehr zu bieten, als die eine oder andere Möglichkeit billiger einzukaufen. Das immer wieder – auch mit solchen Projekten – deutlich zu  machen, ist wichtig für die Menschen in MV.

Natürlich hoffen wir auch auf den einen oder anderen Entschluss, sich in unserer Gesellschaft zu engagieren und Mitglied zu werden.

Frage: Wie beurteilen Sie das Miteinander von Deutschen und Polen für die Zukunft … Sind Sie da optimistisch?

Klaus Wils: Ich bin eigentlich immer optimistisch. Es gibt so einige Schlaglichter, die mich darin bestärken, so zum Beispiel das Zusammenwachsen auf der Insel Usedom oder der Zuzug polnischer Familien in der Uecker-Randow-Region. Dazu gehören auch die vielen Projekte zwischen Vereinen und Verbänden auf beiden Seiten der Grenze. Die kommunalen Verwaltungen setzen, manchmal nicht ohne Probleme, immer mehr Infrastrukturmaßnahmen um.

Vorsichtig bin ich persönlich bei den Effekten aus der wirtschaftlichen Entwicklung Stettins für Vorpommern. Die IHK zu Neubrandenburg ist da ganz besonders aktiv. Ich glaube, es gibt einfach zu viele bürokratische Hürden auf beiden Seiten der Grenze, die eigentlich ja keine Grenze mehr im herkömmlichen Sinne ist.

Dann ein gutes Gelingen der „Polnischen Wochen“ 2011 und der DPG weiterhin bestes Gelingen.

M. Michels

Veranstaltungen (Auswahl) zu den „Polnischen Wochen“ in M-V 2011 in Rostock, Schwerin und Neubrandenburg

in Rostock – am 4.9.2011 um 20.00 Uhr – Hochschule für Musik und Theater / Kammermusiksaal, Beim Sankt Katharinenstift 8, Polnische und deutsche Studentinnen und Studenten musizieren

in Neubrandenburg – am 5.9.2011 – „Arche N“ / Reitbahnweg, ganztags, Deutsch-polnischer Jugendworkshop

in Schwerin – am 12.9.2011 um 19.00 Uhr – Schleswig-Holstein-Haus, Referat: „Die polnische EU-Ratspräsidentschaft und die deutsch-polnischen Beziehungen20 Jahre nach dem Freundschaftsvertrag – Erwartungen und Möglichkeiten“

Weitere Infos zur Deutsch-Polnischen Gesellschaft unter: www.deutsch-polnische-mv.de .