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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Im Blickfeld: Das Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten

Zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen 2016…

2016 war kulturell bislang ein abwechslungsreiches Jahr – auch für das Deutsche Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten. Seit 1954 besitzt im dortigen Kloster ein Heimatmuseum, neun Jahre später spielte auch das Bernstein dort eine besondere Rolle, wurde ein eigenständiger Ausstellungsraum geschaffen.

Zwischen Sport…

Ja, Ribnitz-Damgarten ist dabei ihnehin alles andere als ein provinzieller Ort. Hier wirkten und wirken zahlreiche Persönlichkeiten, so der berühmte Volkskundler Richard Wossidlo oder der frühere Rostocker Bürgermeister Joachim Friedrich Zoch. Und nicht zuletzt. gerade im olympischen 2016, Ribnitz-Damgarten ist eine populäre sportliche Stadt. Die Olympia-Seglerin von 1988, Susanne Theel, wurde hier geboren – ebenso wie der Wasserball-Nationalspieler Paul Schlüter oder die Handball-Nationalspielerin Anne Hubinger. Auch der ehemalige paralympische Ruder-Weltmeister Marcus Klemp ist hier sportlich „zu Hause“.

Und am am Fuß- und Handball sind auch weitere Ribnitzer sehr erfolgreich, so Fußballspieler Marcel Kunstmann beim FC Schönberg 95, Handballspieler Benjamin Hinz beim Stralsunder HV und Fußballspielerin Franziska Hagemann, die Schülerinnen-Weltmeisterin 2005.

…und Kultur

Zurück aber zum Museum in Ribnitz-Damgarten, dass so ganz besonders ist… Überhaupt weckt Bernstein Träume, was nicht zuletzt auf dem Mythos des legendären Bernsteinzimmers beruht… Aber auch so – Bernstein-Kunst ist beliebt!

Wie ist die gegenwärtige Situation im Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten?!

Nachgefragt bei Henning Schröder vom Deutschen Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten

„Bringt Kunstgeschichte anhand eines Materials nahe, zu dem fast jeder von uns einen Bezug hat…“

Frage: Das Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten ist sehr bekannt… Was ist das ganz Besondere, das Faszinierende am Museum? Warum lohnt sich ein Besuch insbesondere im Bernstein-Museum?

Henning Schröder: Das Deutsche Bernsteinmuseum ist thematisch und in seiner wissenschaftlichen Ausarbeitung einzigartig. Es bringt Kunstgeschichte anhand eines Materials nahe, zu dem fast jeder von uns einen Bezug hat.

Der eine kennt den Bernstein als kleines Erfolgserlebnis beim Sammeln am Strand, ein anderer denkt dabei an die alte Bernsteinkette deren Glanz schon seit Jahren nicht mehr vorhanden ist (oder vielleicht auch nie da war). Vielen fällt dabei sofort die Frage ein „Was ist eigentlich aus dem Bernsteinzimmer geworden?“.

Unsere Sammlung besteht aus herausragenden Exponaten aus allen Epochen der Bernsteinverarbeitung von der Alt- und Mittelsteinzeit, die Etrusker, Römer über das Mittelalter, die Zeit des Barock, die 30iger Jahre des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart.

Im aktiven Teil des Museums mit Museumswerkstatt und Kinder-Bernsteinland kann sich der Besucher an der Bearbeitung des Bernsteins üben und anhand von Versuchen und Experimenten auf spielerische Art viel über die typischen Eigenschaften dieses außergewöhnlichen Materials lernen.

Frage: Wie verlief die Entwicklung des Museums in den letzten Jahren? Was waren Ausstellungshöhepunkte?

Henning Schröder: Wir haben uns in den letzten Jahren zu einem Museum mit Erlebnischarakter weiter entwickelt und arbeiten auch weiterhin daran. Im Jahr 2013 wurde das vierte Internationale Kunstpreisausschreiben veranstaltet.

Das museumspädagogische Angebot wurde ausgebaut und um das Kinder-Bernsteinland erweitert. Das Thema Bernstein wurde 2015 um die „Kunstkammer“ erweitert, in der die barocken Ausstellungsstücke in der typischen Umgebung einer fürstlichen Sammlung erlebt werden können.

Da die Ausstellung im Kloster Ribnitz, einem ehemaligen adligen Damenstift, gezeigt wird, wird natürlich auch dessen Geschichte in einer Ausstellung in der im Rundgang befindlichen Klosterkirche erzählt.

Außerdem wird die Bernsteinausstellung durch verschiedene Sonderausstellungen begleitet. Zuzeit laufen die Ausstellung „Body Talks“, 100 Jahre BH, welche die Geschichte der weiblichen Emanzipation anhand eines Kleidungsstückes erzählt und die Ausstellung „…das ist Zeitlos“ Anna Gerresheim, Malerei und Grafik einer Mitbegründerin der Künstlerkolonie Ahrenshoop.

Im Bereich Bernstein kann  gegenwärtig ebenfalls die Sonderausstellung „Black Dress“ Moderner Bernsteinschmuck des Designstudios Art7 aus Danzig besucht werden.

Zum Ende des Jahres ist eine stadtgeschichtliche Sonderausstellung geplant sowie eine Ausstellung, die sich mit Bernsteinschmuck afrikanischer Naturvölker beschäftigt.

Frage: Welche herausragenden Ausstellungsstücke aus Bernstein besitzt das Museum?

Henning Schröder: In den letzten 20 Jahren konnten einige besondere Stücke erworben werden, unter anderem einen Aufsatzschrank aus der Zeit um 1740, gefertigt in Bernsteininkrustationstechnik. Dieses Kabinettschränkchen ist eines der seltenen erhaltenen Kleinmöbel aus Bernstein.

Der Schrank konnte für die tägliche Andacht geöffnet werden. Im verspiegelten Inneren befindet sich ein Altar mit Kreuzaufsatz. Er war sicher ein Geschenk des preußischen Hofes. Außerdem ein Hausaltar von circa 1640.

In der naturgeschichtlichen Sammlung sind zahlreiche Inklusen, zum Beispiel der Skorpion oder der Erstfund eines Geckos im baltischen Bernstein, zu sehen.

Außerdem  gibt es Leihgaben aus  der Bernsteinsammlung der ehemaligen Preussag und heutigen Tui, mit zahlreichen barocken Objekten und einer mittelalterlichen Reliefschnitzerei einer Verkündigung.

Viele Objekte der vergangenen Kunstpreisausschreiben konnten durch das Museum angekauft werden und bilden heute einen Teil der Ausstellung.

Frage: Welche Veranstaltungen, Ausstellungen und „Events“ sind für 2016 noch geplant?

Henning Schröder: Am 16.Juli findet im Klosterhof das Stadtfest Bernstein und Kunst im Kloster statt. An jedem letzten Montag im Monat findet auch im Konventsaal im Kloster 15 eine Lesung oder ein Vortrag zu verschiedenen Themen statt. Im Juni steht das Thema: „…das die Geschicke … dieses Klosters nicht vergessen werden …“ – Lambertus Slaggerts Chronik für das Kloster Ribnitz im Fokus.

Einen Tag zuvor wird es ebenfalls interessant: Am 15. Juli in unserer Sonderausstellung Body Talks:  Heide Meyer: Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin – Lesung und Vortrag… Die Autorin Heide Meyer liest aus ihrem großen Erfolg: Mutter Corsage – Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin. Ein kleiner Vortrag in unterhaltender Art widmet sich abschließend dem Thema: 65 Prozent aller Frauen tragen den falschen Büstenhalter … warum ist das so?

Am 19.Juli folgt ein Vortrag über das Leben der Anna Gerresheim von Dr. Ruth Negendank, der Kuratorin der Ausstellung „…das ist Zeitlos“.

Jeweils am letzten Mittwoch des Monats findet die öffentliche Führung durch die Bernsteinausstellung statt und an jedem zweiten Sonntag im Monat gibt es unseren Familiensonntag mit verschiedenen Themen rund um den Bernstein.

Letzte Frage: Welchen Stellenwert hat das Bernstein-Museum in Ribnitz-Damgarten in der Museumslandschaft in M-V?

Henning Schröder: Das Deutsche Bernsteinmuseum stellt in der Museumslandschaft eine kleine Besonderheit dar, weil es sich, in erster Linie, mit dem Bernstein befasst, der wiederum hauptsächlich Urlauber und Tagestouristen anspricht und in die Ausstellung lockt.

Darüber hinaus sind wir sehr aktiv, was Sonderausstellungen betrifft und greifen nach und nach immer neue Themen auf, die auch die Besucher ansprechen sollen, die zum wiederholten Mal den Weg in unser Haus finden.

Unser Anspruch ist es insbesondere, ein familiengerechtes Angebot zu stellen. Für die Stadt Ribnitz-Damgarten ist das Deutsche Bernsteinmuseum ein Aushängeschild und ein wichtiger Besuchermagnet.

Vielen Dank! Weiterhin bestes Engagement für Ihr Museum, viele interessante Ausstellungen und zahlreiche Besucher!

Weitere Informationen zu Ausstellungen, Geschichte und Entwicklung des Bernstein-Museums (auch Fotos) unter www.deutsches-bernsteinmuseum.de .

Marko Michels

 

 

 


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