60 Jahre und kein Ende in Sicht

Zurzeit wird ein Jubiläum nach dem nächsten gefeiert und dabei wäre ein ganz wichtiger Geburtstag fast unter den Tisch gefallen – der eines motorisierten Kult-Objektes „Made in G.D.R.“, dem Trabant.

Dessen Produktion lief nämlich vor genau sechs Jahrzehnten an und wurde ein „Erfolgsschlager“ des ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden. Damit wurde eindrucksvoll „bewiesen“, dass die DDR zu den zehn führenden Industrie-Nationen gehörte, wie offiziell immer behauptet wurde. Leider sind bis heute die restlichen neun Industrie-Nationen nicht bekannt…

Es wäre aber nicht redlich, den „Trabbi“ nur mit Ironie zu beschenken. Letztendlich hatte Ostdeutschland immens, mehr als der Westteil Deutschlands, unter den Folgen des zweiten Weltkriegs zu leiden, gab es keine extreme Hilfe durch die USA, hatte die östliche Besatzungsmacht, die SU, extreme Reparationsforderungen und bestand ein Wirtschaftsembargo gegen die „Ostzone“.

Da machte man seinerzeit aus der Not eine Tugend, improvisierte und heraus kam der „Trabant“, der den Wunsch der Mecklenburger, Sachsen, Brandenburger oder Thüringer nach Mobilität und Unabhängigkeit erfüllen sollte. Der „Trabbi“ wurde zum „Exportschlager“ in die befreundeten Länder CSSR, Polen, Ungarn und Bulgarien. Der östliche „Große Bruder“ hatte hingegen deutliche Vorbehalte gegen die „Renn-Pappe“ der Ostdeutschen. Natürlich gab es auch Interessenten aus dem „nichtsozialistischen Weltsystem“ – nicht nur unverbesserliche Kommunisten, sondern auch Vertreter des „Klassenfeinds“.

Wie ging noch einmal ein alter DDR-Witz?! „Ein Scheich hatte vernommen, dass es in der DDR ein Auto gibt, das so außergewöhnlich sein soll, dass man zwanzig Jahre auf die Lieferung warten muss. Das kannte er noch nicht mal von seinem Rolls Royce.

Natürlich mußte der Scheich ein derartiges Auto besitzen und er schrieb sofort einen Brief an das entsprechende Kombinat. Als der Brief in der DDR ankam, war man natürlich geschmeichelt. Selbstverständlich wollte man seitens der SED ein so `hohes Tier` wie einen Scheich nicht 20 Jahre auf das Auto warten lassen. Der nächste Trabbi, der produziert wurde, ging daher an den Scheich. Eine Woche später kam dann dessen Danksagung: `Liebe Genossen, ich freue mich auf unsere begonnenen Handelsbeziehungen. Noch viel mehr freue ich mich aber, endlich den ersehnten Trabant 601 bekommen zu haben. In der Zwischenzeit danke ich Ihnen, dass Sie mir vorerst das schöne Modell schickten!“.

Leider hatte der Scheich die Vorzüge des real existierenden Sozialismus nicht verstanden – nämlich, dass die Vision zugleich das Endprodukt ist.

Auf jeden Fall war der „Trabbi“ ein treuer, wenngleich auch unangenehm riechender Begleiter durch 33 Jahre DDR-Sozialismus.

Nach der Wende fand er sogar einen Weg „über den großen Teich“, wo man ihn allerdings verkannte. Wie berichtete „ein Augenzeuge“: „Ein Trabbi bleibt auf einer sechsspurigen Kreuzung in New York  stehen. Der Fahrer steigt aus und blickt verzweifelt in den Motorraum. Plötzlich schalten sich rundum Lautsprecher des NYPD ein: `Der Mann mit dem Rucksack bitte sofort die Kreuzung verlassen!`“…

Tja, Sozialismus und Kapitalismus passen – zumindest motorisiert – nicht so recht zusammen.

Trotz allem:  „Happy Birthday, Trabbi“! Vielleicht gibt es ja bald einen mit Strom-Antrieb – das Modell „Angela 2.0“ …

Marko Michels

Foto (Michels): Was tut man nicht alles, um einen Trabbi zu erhalten… Schlussverkauf für den „Herbst-Trabbi“ – der Erste erhält den goldenen Trabbi zum Vorzugspreis!