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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinsame Presseerklärung der Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen Mecklenburg-Vorpommerns

„DDR-Staat hat schlimmstes Unrecht verübt“

17.Juni 1953Am 05.08.2009 trafen sich die Vertreter der Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern mit dem Ministerpräsidenten des Landes, Erwin Sellering, im Dokumentationszentrum des Landes für die Opfer der Diktaturen am Demmlerplatz in Schwerin zu einem Meinungsaustausch.

Anlass waren die Äußerungen des Ministerpräsidenten über die DDR. Konsens waren nach einem sehr offenen und teilweise emotional geführten Gespräch die folgenden Äußerungen des Ministerpräsidenten:

„Der DDR-Staat hat schlimmstes Unrecht verübt. Bürger haben trotz der Diktatur Anerkennenswertes geleistet. Die Täter des Systems können sich nicht auf mich berufen, wenn es um das Gute in der DDR geht, das trotzdem geleistet wurde.“

Schwerin, den 05.08.2009

Vereinigung der Opfer des Stalinismus/Gemeinschaft ehem. politischer Häftlinge (VOS) Bezirksgruppe Rostock, Hartmut Kaesewurm, Prof. Dr. Gerhard Meinl

Vereinigung der Opfer des Stalinismus/Gemeinschaft ehem. politischer Häftlinge (VOS) Bezirksgruppe Hamburg, Uwe Rutkowski

Vereinigung der Opfer des Stalinismus/Gemeinschaft ehem. politischer Häftlinge (VOS)
Bezirksgruppe Schwerin, Rita Rachow

Vereinigung der Opfer des Stalinismus/Gemeinschaft ehem. politischer Häftlinge (VOS) Bezirksgruppe Schleswig-Holstein, Werner Sauerzweig, Siegfried Jahnke

Verband ehemaliger Rostocker Studenten /Arbeitsgruppe ehem. politischer  Häftlinge (VERS),
Prof. Dr. Asmus Dowe

Schicksalsaufarbeitung Müritzkreis nach 1945/
Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V., Horst Vau

Arbeitsgemeinschaft Workuta / GULAG Sowjetunion, Hans-Jürgen Jennerjahn

Gesellschaft für Regional- und Zeitgeschichte e.V. (GRZ), Dr. Renate Krüger

Bürgerbüro, Heiko Lietz

Über die Ostsee in die Freiheit“ e.V., Dr. Volker Höffer

Grenzturm e.V., Verein zur Erhaltung von Denkmälern der Geschichte, Knut Wiek

Politische Memoriale e.V., Prof. Matthias Pfüller

Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft  e.V (UOKG)
Ernst-O. Schönemann, Bundesgeschäftsstelle

Foto/Anmerkungen (M.Michels):  Am 17.Juni 1953 erhoben sich die Menschen zwischen Mecklenburg und Sachsen gegen die stalinistische Diktatur in der DDR. Mord, Verfolgung, Unterdrückung, Schikanen und Repressalien gegen Oppositionelle sowie Nicht-Angepasste kennzeichneten den Charakter der DDR seit ihrer Gründung 1949. Die Toten an Mauer und Stacheldraht sind unvergessen. Ebenso die Opfer des Zwangsvereinigungsprozesses von KPD und SPD 1946 ff., der gewaltsamen Gleichschaltung von CDU und LDP sowie das kriminelle Vorgehen gegen einige Kommunisten, die gegen die Schaffung einer stalinistischen Diktatur auftraten. Bereits im Ansatz – 1945/46 in der sowjetischen Besatzungszone/DDR – war der „Versuch“ gescheitert, eine gerechtere und sozialere Gesellschaft zu schaffen – und damit wurde auch ein uralter Menschheitstraum von einer besseren Welt, der von der Bergpredigt über die Ideen der Französischen Revolution 1789 und der katholischen Soziallehre bis hin zum „Kommunistischen Manifest“ 1848 reicht bzw. Ausdruck findet, in der Realität zerstört.

Bestätigt durch den Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus stalinistischer Prägung, mit der real existierenden Einheitspartei an der Spitze, wurde ebenfalls der frühere evangelische Kirchenpräsident Martin Niemöller, der bereits Ende der 1950er Jahre vor dem englischen Baptistenkongreß eindeutig prophezeite: „Der Kommunismus wird versagen und verschwinden, denn er hat keine Antwort oder eine falsche und irreführende Antwort auf die entscheidende Frage: Wie können menschliche Wesen endlich wirkliche Menschen werden ?“ – „Die Würde des Menschen geht (im Kommunismus) verloren und seine Freiheit wird zerstört. Am Ende bedeutet kommunistischer Idealismus nur Nihilismus und deshalb ist er kein Weg zu tatsächlicher Menschlichkeit.“

Im Herbst 1989 wurde der real existierende Sozialismus von der überwiegenden Mehrzahl der Menschen in Ostdeutschland dorthin „gebracht“, wo er hingehört – auf den Müllhaufen der deutschen Geschichte, wie Wilhelminismus und Nationalsozialismus vor ihm ! mm


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