Das Wirken des Gewerkschafters Hans Pollok in Mecklenburg und Vorpommern

Vor fast 70 Jahren wurde der Deutsche Gewerkschaftsbund in der Bundesrepublik Deutschland gegründet, der unabhängig und demokratisch die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertrat und vertreten sollte.

Bis 1945 verlief zuvor die Entwicklung der Gewerkschaften zwar äußerst leidvoll, jedoch stets kämpferisch, sogar im Untergrund.

Zerschlagung und Gleichschaltung durch braune und rote Nazis

Vor 83 Jahren wurde die demokratische Gewerkschaftsbewegung, der “Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund”, von den Nationalsozialisten zerschlagen, auch in Mecklenburg und damit in Schwerin. Doch die Nationalsozialisten waren nicht die einzigen, denen eine freie Gewerkschaft ein Dorn im Auge war.

Auch nach Kriegsende 1945 war die Phase einer zumindest partiell freien Gewerkschaftsorganisation in der damaligen sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR nur kurz. Schnell sahen die spätere SED und ihre kommunistischen Protagonisten im “Freien Deutschen Gewerkschaftsbund” ein wichtiges Instrument zur Machtsicherung. Bis 1948, also vor rund 60 Jahren, war der Prozess der “kommunistischen Gleichschaltung” des FDGB nahezu abgeschlossen.

Gleichsam gegen Nationalsozialisten und Kommunisten

Einer, der sich gegen Nazis und Kommunisten gleichermaßen in Mecklenburg engagierte, war der Schweriner Hans Pollok. Bereits als Achtzehnjähriger trat er in die SPD ein und wurde kurze Zeit später auch Mitglied des ADGB in Schwerin. Als hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär beim Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs war er ein engagierter Kritiker der kommunistischen Politik vor 1933.

Er bekämpfte aus demokratischer Überzeugung die nach seiner Ansicht diktatorisch angelegte revolutionäre Gewerkschaftsopposition der Kommunisten. Für Pollok stand die Schaffung einer sozialen Demokratie über soziale Reformen im Mittelpunkt des politischen Handelns. Zwischen 1933 und 1945 war Hans Pollok im Widerstand gegen das NS-Regime und wurde deshalb auch mehrfach verhört und inhaftiert.

Nach 1945 trat Pollok erneut der SPD in Schwerin bei. Diese entsandte ihn 1945 in den vorläufigen Landesausschuss des FDGB, der ihn am 15.August 1945 zum ersten Vorsitzenden des mecklenburgischen FDGB wählte. Harte Auseinandersetzungen zwischen den von Pollok geführten Sozialdemokraten und der ihn unterstützenden Christdemokraten einerseits sowie den KPD-Vertretern um Georg Solisch andererseits bestimmten die politische Arbeit innerhalb des FDGB.

So attackierte Hans Pollok die sowjetische Militäradministration und die KPD, die er für die mittelbaren Kriegsfolgen, besonders in Bezug auf die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, verantwortlich machte. Auf einer Sitzung des erweiterten Vorstands der Gewerkschaft öffentlicher Betriebe und Verwaltungen in Schwerin am 12.November 1945 brachte Pollok in seinem Referat zum Ausdruck, dass für die ganzen Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung, der Versorgung mit Brennstoff und Wohnraum die russische Besatzungsmacht verantwortlich sei. “Die Sowjetarmee”, so sagte er, “kam nicht als Befreier, sondern stehe überall hemmend im Wege. Die Engländer wären da ganz anders …”.

Gegen kommunistische Vereinnahmungsbestrebungen

Doch nicht nur an der Besatzungspolitik der Russen übte Hans Pollok Kritik. Ihm missfiel zusätzlich die kommunistischen Vereinnahmungsbestrebungen bezüglich des FDGB. So forderte er eine Gewerkschaftsunion, die in Fachgruppen, Sparten und Sektionen untergliedert sein sollte und deren Hauptaufgabe darin bestand, die ökonomischen Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten.

Pollok bekräftigte, dass “die Gewerkschaften politisch neutral sein müssen”. Damit war ein Bruch zwischen Hans Pollok und den SPD- bzw. CDU-Vertretern im FDGB auf der einen Seite und den kommunistischen FDGB-Funktionären um Georg Solisch und Kurt Herholz auf der anderen Seite unausweichlich.

Als sich Hans Pollok und die anderen Sozialdemokraten im FDGB-Ausschuss – Paul Harder, Bruno Pahl, Martin Müller und Karl Moritz – im November 1945 weigerten, die Bodenreform nach KPD-Konzeption zu unterstützen, spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen den Sozialdemokraten unter Führung von Hans Pollok und den Kommunisten im FDGB zu.

„Absetzung“ und Flucht nach Westdeutschland

Auf Geheiß der sowjetischen Militäradministration, was einem Befehl entsprach, wurde Hans Pollok von seiner Funktion als erster Vorsitzender des mecklenburgischen FDGB – trotz heftiger Proteste von Martin Müller, Karl Moritz und den anderen SPD-Vertretern gegenüber der russischen Besatzungsbehörde – Ende November 1945 “entbunden” und als neuer erster FDGB-Vorsitzender der Kommunist Kurt Herholz am 23.November 1945 eingesetzt.

Die mecklenburgischen Kommunisten hatten damit erfolgreich die Absetzung von Hans Pollok als ersten Vorsitzenden des FDGB betrieben. Auch ein erneuter Protest des damaligen SPD-Landesvorstandes, veranlasst von Carl Moltmann, Hermann Lüdemann und Albert Schulz, änderte an der Haltung der russischen Besatzungsbehörde nichts. Pollok blieb “abgesetzt”, wobei seine offene und mutige Gegnerschaft zur mecklenburgischen KPD sicherlich ebenfalls ausschlaggebend war. Ende 1946 floh Hans Pollok nach Westdeutschland, da er mit einer Verhaftung durch die russische Militäradministration rechnen mußte.

Wer an die gewaltsame Zerschlagung des “Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes” durch die Nazis vor 83 Jahren erinnert, darf die späteren Ereignisse, die zu einer ähnlich gewaltsamen Gleichschaltung des FDGB durch die Kommunisten führte, nicht vergessen!

Einer stand sowohl gegen die Nationalsozialisten als auch Kommunisten – Hans Pollok.

Marko Michels