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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Fünfzehnte Schwimm-WM beendet

USA knapp vor China am erfolgreichsten

Endlich sind auch die 15.Weltmeisterschaften im Becken-Schwimmen, Langstrecken-Schwimmen, Synchron-Schwimmen, Wasserspringen, Klippenspringen und Wasserball „abgehakt“. Rund 2300 maritime Sportlerinnen und Sportler aus 181 Ländern kamen in die Olympiastadt von 1992, um festzustellen, wer dann nun die besten Schwimmer, Springer und Wasserballer hat.

Zwischen Wasserspringen, Becken-Schwimmen und Wasserball – die WM 2013

Was das Schwimmen im Becken betrifft, so kann man sagen, dass Deutschland nicht mehr die besten „Nixen“ und „Schwimmpferde“ hat. Da sind einige, warum auch immer, inzwischen viel, viel besser. Die traditionell starken Amerikanerinnen und Amerikaner etwa oder die Becken-Schwimm-Teams aus China, Australien, Südafrika, Frankreich, Brasilien und Ungarn.

Dafür waren die deutschen Langstreckler um Thomas Lurz, Angela Maurer und Isabelle Härle bestens dabei und auch die Springer um Patrick Hausding und Sascha Klein überraschten positiv. Große Klasse demonstrierte auch Anna Bader beim Klippenspringen.

In der Endabrechnung aller 68 Entscheidungen bei den maritimen WM in Barcelona 2013 wurden die USA mit 15 x Gold, 10 x Silber, 9 x Bronze die erfolgreichste Nation vor China mit 14 x Gold, 8 x Silber, 4 x Bronze,  Russland mit 9 x Gold, 6 x Silber, 4 x Bronze und Frankreich mit 4 x Gold, 1 x Silber, 4 x Bronze. Deutschland belegte mit 3 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze im Medaillen-Ranking den siebenten Platz.

Im Wasserspringer wurde China wieder einmal die Nummer eins mit 9 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze. Deutschland holte hier 1 x Gold, 1 x Bronze. Die erfolgreichsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen ebenfalls aus dem „Reich der Mitte“: He Zi konnte bei den Damen je zweimal Gold vom Ein-Meter-Brett und vom Drei-Meter-Brett erkämpfen.

Ihr Landsmann He Chong ersprang ebenfalls zweimal Gold, vom Drei-Meter-Brett und beim Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett. Aus deutscher Sicht jubelte insbesondere Sascha Klein: über Gold mit Patrick Hausding beim Synchronspringen vom Zehn-Meter-Turn und über Bronze vom Zehn-Meter-Turm.

Im Langstreckenschwimmen avancierte dagegen Deutschland zur Topp-Nation mit 2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze. Der erfolgreichster Langstreckler in Barcelona kam auch aus Deutschland: Thomas Lurz holte jeweils Gold über 25 Kilometer und mit dem Team, Silber über 10 Kilometer sowie Bronze über 5 Kilometer. Die Brasilianerin Poliana Okimoto  wurde die beste Langstrecken-Amazone mit Gold über 10 Kilometer, Silber über 5 Kilometer und mit Team-Bronze. Angela Maurer war 2013 das Langstrecken-Ass bei den Damen aus deutschen Blickwinkel: Angela errang Team-Gold, Silber über 25 Kilometer und Bronze über 10 Kilometer.

Die anmutigen Russinnen konnten dagegen wieder die „Pole Position“ im Synchron-Schwimmen erkämpfen. Dabei war Swetlana Romaschina die unbestrittene „Königin“ mit 4 x Gold.

Im erstmals bei einer WM ausgetragenen Klippenspringen gewann bei den Damen die Amerikanerin Cesilie Carlton (von 20 Meter Höhe) und bei den Herren der Kolumbianer Orlando Duque (von 27 Meter Höhe). Anna Bader aus Deutschland brillierte mit Rang drei.

Die Wasserball-Turniere in Barcelona waren 2013 „eine Angelegenheit“ für die spanischen Frauen und für die ungarischen Männer. Die deutschen Wasserballer um Paul Schüler aus Ribnitz-Damgarten wurden Zehnte.

Im Becken-Schwimmen spielten die Amerikanerinnen und Amerikaner mit 13 x Gold, 8 x Silber, 8 x Bronze die Hauptrolle. Missy Franklin (USA) wurde die erfolgreichste Becken-Schwimmerin mit 6 x Gold. Ihr Landsmann Ryan Lochte konnte 3 x Gold, 1 x Silber als bester Becken-Schwimmer in Barcelona 2013 erkämpfen. Aus deutscher Sicht holte Marco Koch mit Silber über 200 Meter Brust mit Silber die einzige Becken-Medaille.

Schwimmen und Schwerin / Schwimmen und M-V

Tja, Schwimmen, das wollten die Deutschen schon “immer”, und “schnell” breitete sich der organisierte Schwimm-Enthusiasmus über ganz Deutschland aus (1878 erster deutscher Schwimm-Verein in Berlin).

Aber, überraschenderweise, erreichte die „deutsche Schwimmbegeisterung“ die mecklenburgische Residenzstadt Schwerin relativ spät. Erst um 1910 begannen sich am Schwimmsport begeisterte Schweriner zu gemeinsamen, ungezwungenen Wettschwimmen zu treffen. … Und es dauerte noch weitere drei Jahre, ehe sich auch in Schwerin ein Schwimmklub herausbildete.

Dieser konstituierte sich 1913 – kurz vor dem ersten internationalen Schweriner Schwimmfest im August 1913. Zu diesem schwimmsportlichen Großereignis in Schwerin lud der Vorsitzende des Ausschusses zum Schwimmfest bzw. der maßgebliche Begründer des Schweriner Schwimmklubs, der Ingenieur Grotefend, den Großherzog ein.

Und das tat der Schweriner Schwimmsportfreund in einer Art und Weise, die bezeichnend für die traditionelle Verquickung von Sport, Politik und Wirtschaft ist, wie die noch vorhandene Einladung an den großherzoglichen Herren im Landeshauptarchiv Schwerin beweist:

„Um in der von schönen Seen umgebenen Residenzstadt Schwerin die Freude am Wassersport zuheben, veranstaltet am 24.August d.J. (1913 – Anm.d.V.) der unter dem Protektorat Seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen stehende Deutsche Schwimmverband in Schwerin ein internationales Schwimmfest.

Der Zweck dieses Schwimmfestes soll der sein, Freunde dieses gesunden Sportes zu gewinnen, die sich, wie es kürzlich in Rostock der Fall war, auch in Schwerin zu einem Schwimmverein zusammenzuschließen, um diesen Sport weiter zu fördern. Der Deutsche Schwimmverband will dieser großen und schönen Sache dienen und die in Schwerin befindliche Ortsgruppe unterstützen, um am 24.August ein grosses Propagandaschwimmen im grossen Schweriner See zu veranstalten.

Wir richten an Eure Königliche Hoheit die untertänigste Bitte, dieses Unternehmen dadurch zu stützen, dass Eure Königliche Hoheit hierfür das Protektorat übernehmen und einen Preis stiften, der für die besten Leistungen der vom Deutschen Schwimmverband nach Schwerin entsandten Mannschaft bestimmt sein und im Namen Eurer Königlichen Hoheit der siegreichen Mannschaft überwiesen werden soll.

Wir bitten Eure Königliche Hoheit untertänigst, das bisher aller sportlichen Veranstaltungen gezeigte Interesse auch diesem gesunden Sport zuwenden zu wollen und sehen der Erfüllung unserer Bitte in Dankbarkeit entgegen …“

Da ließ sich der Großherzog doch nicht zweimal bitten.

Vom Schwimmen zum Segeln

Inzwischen gibt es zwar keine regierenden Großherzöge mehr, dafür aber Bundeskanzlerinnen, die ebenfalls sportiv eingeladen werden und bei der segelsportlichen HanseSail unweit von Schwerin, in Rostock, das Volk beglücken, das nicht immer von so einem Glücke angetan war und ist.

Schwerin und Rostock waren einst schwimmsportliche Hochburgen, zeichnen sich noch immer durch eine vorbildliche Nachwuchsarbeit und exzellente Wettkämpfe, zu denen junge Athletinnen und Athleten aus ganz Deutschland kommen, aus. Nach der Schule verlassen die einheimischen Talente jedoch M-V – aufgrund mangelnder echter Zukunftsperspektiven.

Ob manche Power-Frauen aus Schwerin oder Berlin wohl Kenntnis von diesem Sachstand nehmen? Wohl kaum. Die sind ja eher mit dem wahlsportlichen Trockenschwimmen, dessen Entscheidung am 22.September ansteht, beschäftigt. Da stört es dann auch nicht, dass viele Kinder das richtige Schwimmen nicht erlernen bzw. erlernen konnten. Geld für weitere Schwimmhallen fehlt ja, nicht jedoch für bedruckte Papiertüten mit Partei-Logos …

Na dann, Sport frei und immer einen Schwimmreifen in der Nähe! Von der Schwimm-WM in Barcelona geht es nun zur HanseSail in Rostock …

Marko Michels

 

 


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