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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Erinnerung schärft Blick für heutigen politischen Extremismus

Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider hat heute (25. April 2010) während einer Gedenkrede in der Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen anlässlich des 65. Jahrestages der Schließung des Kriegsgefangenenlagers Neubrandenburg/Fünfeichen und des Nutzungsbeginns als Speziallager Nr. 9 des NKWD dazu aufgerufen, sich immer wieder die Vergangenheit zu gegenwärtigen, um politischem Extremismus auch in der heutigen Zeit entgegentreten zu können.

Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider:

„Erinnern meint das Vergegenwärtigen der Vergangenheit. All das Leid und die Trauer der Überlebenden und Ermordeten des Lagers Fünfeichen werden nie vergehen. Und wir haben die immerwährende Aufgabe, die Erinnerung an all das unsagbar Schreckliche für alle Zeiten wach zu halten. Wir haben alles dafür zu tun,  dass insbesondere die jungen Menschen zu Bewahrern dieser Erinnerung werden, damit auch zukünftig die Opfer von Fünfeichen ihre mahnende Stimme erheben können, selbst wenn es eines Tages keine Zeitzeugen mehr gibt.

Der ‚Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen‘ ist es zu verdanken, dass die komplette Geschichte des Lagers aufgearbeitet und vor allem die Erinnerung an die Toten und Überlebenden wieder in das Gedächtnis der Nachwelt gerufen worden ist. Dank dieser Arbeit können wir uns die Geschichte des Lagers wieder vor Augen führen und damit ein Bewusstsein entwickeln, um neue Tendenzen von Unmenschlichkeit und Fremdenhass zu erkennen und zu bekämpfen. Seit der Landtagswahl im Jahr 2006 wissen wir, dass diese Tendenzen schnell einen realen Charakter annehmen können. Sechs Abgeordnete der NPD im Landtag erinnern uns immer wieder daran, wie wichtig es ist, klare Zeichen gegen jede Form von politischem Extremismus zu setzen.

Fünfeichen wurde – ebenso wie Buchenwald – gleich zweimal zum Synonym von Terror und Vernichtung. 1939 errichteten die Nationalsozialisten hier ein Kriegsgefangenenlager. Bis Kriegsende inhaftierte die Wehrmacht in Fünfeichen bis zu 10.000 meist polnische und russische Soldaten. 2.000 von ihnen starben während der Gefangenschaft. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nutzte die sowjetische Besatzungsmacht Fünfeichen, ebenso wie andere ehemalige Stammlager, für ihre eigenen Zwecke fort. Das Lager bestand bis zum Januar 1949 unter dem Namen „NKWD-Lager Nr. 9 Fünfeichen“ fort, in dem ungefähr 15.000 Frauen, Männer und Kinder interniert gewesen waren. Dies geschah durch den sowjetischen Geheimdienst zumeist ohne gerichtlichen Prozess, obwohl viele Häftlinge unschuldig waren. Viele Menschen wurden einfach wegen ihrer sozialen Herkunft oder wegen ihrer demokratischen Gesinnung interniert. Infolge der miserablen Haftbedingungen starben in Fünfeichen 5.169 Menschen. Bis zum Herbst 1948 wurden 5.181 Häftlinge in die Freiheit entlassen. 2.801 Häftlinge wurden jedoch in das Speziallager Nr. 2 in Buchenwald und in das Lager 7 in Sachsenhausen deportiert.“


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