Deutsche Mädel nach großem Spiel mit Viertelfinal-Niederlage

Der Beginn der Bundesliga-Saison im Frauen-Volleyballsport 2015/16 steht unmittelbar bevor… Das erste Spiel der „Schmetterlinge“ des Schweriner SC „steigt“ dabei am 15.Oktober um 18.30 Uhr gegen Allianz MTV Stuttgart in der Palmberg-Arena.

volley1

EM-Zeit…

Aktuell ist aber noch EM-Zeit in den Niederlanden und in Belgien. Leider schied das deutsche Team nach großem Kampf mit viel Leidenschaft und Hingabe im Viertelfinale gegen die Türkei in einem dramatischen Spiel mit 2:3 aus, nachdem die DVV-Mannschaft zuvor gegen Serbien 0:3 spielte, dann aber überzeugende Partien gegen Rumänien (3:1), Tschechien (3:0) und Ungarn (3:0) bot. Mit den aktuellen SSC-Akteurinnen Jennifer Geerties bzw. Anja Brandt und mit den früheren SSC-Spielerinnen Laura Weihenmaier, Lisa Thomsen, Kathleen Weiß und Berit Kauffeldt enttäuschte die deutsche Auswahl keineswegs, wurden insbesondere gegen Tschechien und die Türkei überragende Leistungen präsentiert.

Wie schon bei den Europaspielen in Baku im Juni, damals mit den aktuellen sowie früheren SSC-Protagonistinnen Anja Brandt, Jennifer Geerties, Saskia Hippe, Laura Weihenmaier, Lisa Thomsen und Kathleen Weiß, war in der Runde der letzten acht Mannschaften leider Endstation. Bei den Europaspielen überzeugten die deutschen „Volley-Mädels“ ebenfalls, mußten dann nach dem 2:3 gegen die Polinnen nach Hause reisen.

Diese verflixten „Tie-Breaks“ scheinen allerdings mächtig am „Nervenkostüm“ der deutschen Spielerinnen zu zehren. Nichtsdestotrotz: Die deutschen „Schmetterlinge“ können erhobenen Hauptes von den EM 2015 zurückkehren, sie kämpften, sie gaben nie auf und offenbarten eine Hingabe für ihren Sport, die man vielen Fußballern gerade in M-V wünschen würde!

Zu den aktuell besten vier Teams in Europa gehören nun die Niederlande und die Türkei sowie Russland und Serbien, die den Titel (Endspiel am 4.Oktober) unter sich ausmachen werden.

Ereignisreiches Volleyball-Jahr 2015

Überhaupt war das Volleyball-Jahr 2015 bislang sehr ereignisreich. Bei den Beach-Volleyball-EM in Klagenfurt (Österreich) setzten sich Laura Ludwig/Kira Walkenhorst (Deutschland) bei den Frauen bzw. Aleksanders Samoilovs/Janis Smedins (Lettland) bei den Herren durch. In Baku, bei den europäischen Sportspielen im dortigen „Strand-Volleyball-Turnier“, waren hingegen Nicole Eiholzer/Nina Betschart (Schweiz) sowie Martins Plavins/Haralds Regza (Lettland) die Besten.

In den bereits erwähnten Entscheidungen der (Hallen-)Volleyball-Turniere bei den Europaspielen in Baku gewann das deutsche Herren-Team mit dem Schweriner Tom Strohbach; bei den Damen waren die Türkinnen die Nummer eins. Und beim „World Grand Prix“ im Damen-Volleyball siegten bei der Finalrunde in Omaha die USA vor Russland, Brasilien, China und Italien.

Und die Volleyball-EM der Herren 2015 in Bulgarien und in Italien vom 9.Oktober bis 18.Oktober folgt ja noch. Im deutschen Team werden wahrscheinlich auch der gebürtige Schweriner Tom Strohbach und der gebürtige Neubrandenburger Philipp Collin dabei sein.

Aber für die deutschen Volleyball-Frauen gilt es, mit viel Selbstvertrauen die anstehende Olympia-Qualifikation zu bestreiten. Die spielerische Klasse für Olympia 2016 haben sie allemal!

Blick in die Historie

Übrigens: Frauen-Volleyball und Schwerin. Das war in der Vergangenheit immer großes Kino. Dabei hat man bisweilen den Eindruck, die Geschichte des Volleyballsportes beginnt in der Landeshauptstadt erst ab 1990… Dabei begann der Aufstieg des Schweriner Volleyballsportes bereits vor fast 60 Jahren, genau 1957, als die Sektionen Volleyball der BSG Empor Schwerin und der SG Einheit Schwerin-Süd dem SC Traktor Schwerin eingegliedert wurden. Im ersten Jahr als SCT amtierte Erwin Reichelt als erster und einziger hauptamtlicher Trainer, der Unterstützung von Sektionsleiter Hardy Hübner erhielt. Untrennbar ist der Erfolg des SC Traktor Schwerin auch mit dem Meister-Trainer Gerhard Fidelak verbunden.

Schon in der DDR erfolgreich

So gewann der Vorgänger-Verein des Schweriner SC, der SC Traktor Schwerin, siebenmal die DDR-Meisterschaft (1976, 1977, 1980, 1981, 1982, 1983 und 1984). Nicht zu vergessen die Europapokal-Triumphe 1975/1978 und die EM-Siege mit Schwerin-Beteiligung 1983 und 1987.

Aber auch olympisch gab es stets gute Erfolge für Schwerinerinnen im DDR- oder gesamtdeutschen Team. In Montreal 1976 schaffte die DDR-Auswahl mit den SCT-Spielerinnen Jutta Balster, Gudrun Gärtner, Hannelore Meincke, Helga Offen, Cornelia Rickert, Karla Roffeis und Anke Westendorf einen guten sechsten Platz. Ein Sieg und vier Niederlagen waren die Ausbeute, obwohl auch die Niederlagen zumeist sehr knapp und umkämpft waren (gegen Kuba 1:3, gegen Südkorea 3:2, gegen die UdSSR 2:3, gegen Peru 3:2 und abschließend gegen Kuba 0:3).

Silber 1980

In Moskau 1980 – bei den „Boykott-Spielen“ – erreichte die DDR nach einem 3:1 gegen Kuba, 1:3 gegen die UdSSR und einem 3:2 gegen Peru das Halbfinale, bezwang dann im Halbfinale Bulgarien 3:2 und unterlag der UdSSR mit 1:3 im Endspiel. Die olympische Silbermedaille ist noch immer der größte Erfolg einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft unter den fünf olympischen Ringen. Im damaligen DDR-Team agierten auch die SCT-Spielerinnen Andrea Heim, Karla Roffeis, Martina Schmidt und Anke Westendorf, dazu die gebürtige Neustrelitzerin Heike Lehmann vom SC Dynamo Berlin.

Vier Jahre später boykottierte der „Ostblock“, eben auch die DDR, die Spiele`84 in Los Angeles. Beim „Gegen-Turnier“, beim Turnier im Frauen-Volleyball innerhalb der so genannten „Wettkämpfe der Freundschaft“ in Warna, schaffte die DDR unter anderem mit Schwerin-Beteiligung Platz drei, vor Nordkorea und hinter Kuba und der UdSSR.

Bei Olympia zumeist gut dabei – sogar mit Rostockerinnen

Bei den letzten Spielen einer DDR-Nationalmannschaft sorgte die Volleyball-Frauen wieder für gute Resultate, wenngleich eine Medaille nicht auf der Haben-Seite war. In Seoul 1988 belegte die DDR einen hervorragenden fünften Platz, wobei die einzelnen Spiele sehr gut gestaltet wurden: gegen Südkorea 1:3, gegen Japan 3:2, gegen die UdSSR ein zu klares 0:3, gegen die USA 3:1 und gegen Brasilien 3:1. Jeweils zwei Schwerinerinnen und zwei Rostockerinnen spielten im DDR-Team, Ute Steppin und Dörte Stüdemann, heutige Techel und Leiterin des Olympiastützpunktes Schwerin, vom SCT und Kathrin Langschwager bzw. Brit Wiedemann, die gebürtigen Hanseatinnen, die für den CY Dynamo Berlin und den TSC Berlin aktiv waren.

Bei den Spielen 1996 in Atlanta (Platz acht) und 2000 in Sydney (Platz sechs) waren die gesamtdeutschen Frauen-Volleyball-Teams insgesamt gut vertreten, wobei auch die gebürtigen Schwerinerinnen Sylvia Roll und Hanka Pachale die deutsche Mannschaft bereicherten.

Bei der letzten Olympia-Teilnahme einer deutschen Frauen-Volleyball-Nationalmannschaft, 2004 in Athen, wurde „Team Germany“ Neunter – unter anderem mit Olessja Kulakowa, die bis 2002 in Diensten des SSC war.

Und nun „ruft“ Rio 2016!

Marko Michels

Foto/Michels: Blick in die Schweriner Palmberg-Arena.