„Eisiges“ Trainingslager an der Ostseeküste

Short Trackerin Anna Seidel aus Dresden zu Gast in Rostock…

Rostock und Short Track – das hat in der Hansestadt eine große Tradition. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 war leider, erstmals seit 1994, keine Short Trackerin und kein Short Tracker vom ESV Turbine Rostock „unter den fünf olympischen Ringen“ am Start.

Hannes und Torsten Kröger verpassten die Qualifikation für Sotschi, wobei Torsten aufgrund seiner Unterarm-Verletzungen gleich zu Saison-Beginn beim Deutschland-Pokal in Dresden nur marginal ins Wettkampf-Geschehen 2013/14 eingreifen konnte. Na, dann hoffentlich in Pyeongchang 2018…

Rostocker Short Tracker bei Olympia

Dennoch: Auch ohne aktuelle Rostocker Olympionikinnen und Olympioniken bleiben die bisherigen olympischen Teilnahmen der Hanseatinnen und Hanseaten im Short Track „lebendig“. Die bisherigen Olympionikinnen und Olympioniken im Short Track des ESV Turbine Rostock waren dabei Katrin Weber, Jahrgang 1976, bei Winter-Olympia 1998, Anne Eckner, Jahrgang 1979, bei Winter-Olympia 2002, Arian Nachbar, Jahrgang 1977, bei Winter-Olympia 1998, 2002 sowie 2006, Ulrike Lehmann, Jahrgang 1982, bei Winter-Olympia 2002, Andre Hartwig, Jahrgang 1983, bei Winter-Olympia 2002 sowie 2006 und Aika Klein, Jahrgang 1982, bei Winter-Olympia 2002, 2006 und 2010.

Olympische Short Track-Wettbewerbe in Sotschi

Wie war das aber noch einmal vor 20 Monaten bei den olympischen Wettkämpfen in Sotschi?! Dort wurde letztendlich Russland mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erfolgreichste Nation vor China mit 2 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze, Südkorea mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze und Kanada mit 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Medaillen erkämpften auch Italien, die USA und die Niederlande. Die erfolgreichsten Teilnehmer bei den Spielen waren letztendlich der dreifache Olympiasieger Viktor Ahn (Russland), der unter seinem früheren Namen Ahn Hyun-soo 2006 in Turin für Südkorea auch dreimal Olympia-Gold erkämpfte, und die zweifache Olympiasiegerin Park Seung-hi aus Südkorea.
Achtbare Resultate erreichten bei ihren olympischen Auftritten aus deutscher Sicht die erst fünfzehnjährige Anna Seidel und Robert Seifert (jeweils Dresden).

Processed with VSCOcam with c1 preset

Und die damals in Sotschi fünfzehnjährige, nunmehr siebzehnjährige Anna Seidel, Jahrgang 1998, EV Dresden, weilt zurzeit mit der deutschen Nationalmannschaft in Rostock.

Anna über die kommende Saison, ihre olympische Erfahrung und weitere Ambitionen

„War eine krasse Zeit…“

Frage: Anna, so zu Beginn der Saison: Wie ist das Feeling? Welche Ziele haben Sie 2015/16?

Anna Seidel: So unmittelbar vor Beginn der neuen Saison ist das „Feeling“ sehr gut. Ich bin optimistisch. Wir sind ja ein sehr junges Team, da ist immer viel Spass bei der Sache und die Stimmung ist auch klasse. Mein Ziel ist es, mich weiter zu verbessern, mich weiter zu entwickeln. Ich habe nun keine ganz konkreten Ziele oder Medaillen-Träume. Nein, ich möchte den Abstand zur absoluten Weltspitze weiter verkürze und bei dem einen oder anderen Weltcup auch einmal ins Halbfinale gelangen.

Frage: Wie verlief die Vorbereitung in Rostock? Wie ist Ihre Meinung zum Short Track-Standort Rostock?

Anna Seidel: Wir wurden hier sehr gut aufgenommen, die Leute sind sehr nett und das ganze Drumherum ist zudem angenehm. Sicher, am Leistungsstützpunkt Dresden sind die Bedingungen etwas besser, zumal die Eis-Qualität in Rostock nicht die beste ist. Aber dennoch Respekt, was hier geleistet wird. In Rostock wird eine hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet, es ist unglaublich, wie viele kleine Short Trackerinnen und Short Tracker es hier gibt. Das Trainingslager hier Anfang Oktober war schon eine sehr gute Vorbereitung auf das Kommende. Von Rostock geht es gleich weiter zu einem internationalen Wettkampf in die Niederlande, ein letzter sportlicher Feinschliff vor den Herausforderungen im Weltcup.

Frage: Vor 20 Monaten waren Sie noch auf dem olympischen Eis in Sotschi unterwegs. Im Rückblick: Was bedeutet Ihnen Ihre Olympia-Teilnahme 2014?

Anna Seidel: Das war ein riesiger Erfolg, ein ganz große Erfahrung und eine krasse Zeit. Für mich war es das Größte überhaupt, Olympia aktiv zu erleben. Natürlich hoffe ich, dass ich mich auch für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang qualifizieren werde, um dann dort noch besser abzuschneiden, als in Sotschi.

Frage: Haben Sie eigentlich auch sportliche Vorbilder?

Anna Seidel: Ja, das habe ich. Das ist die Koreanerin Choi Min-jeong, die bei den WM 2015 in Moskau viermal Gold, einmal Bronze erkämpfte. Deren Laufstil gefällt mir. Ansonsten orientiere ich mich da auch auf die Top 3 in der Welt.

Letzte Frage: Wie sieht Ihr Leben ohne Short Track-Eis aus?

Anna Seidel: Ich treffe mich gern mit Freunden, lese oder fotografiere. Außerdem gehe ich ja noch zur Schule, besuche die 11.Klasse. Viel Freizeit habe ich also nicht.

Vielen Dank, eine super Saison 2015/16 und maximale Erfolge – sportlich, beruflich und persönlich!

Marko Michels

Foto/Anna Seidel privat: Anna Seidel (links) und das deutsche Damen-Short Track-Team bei einem Abstecher in Warnemünde.