Nachgefragt beim BUND M-V

Seit 26 Jahren es ihn für Mecklenburg-Vorpommern und damit auch für Schwerin  – den BUND, den Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland. Die Landesgeschäftsstelle M-V befindet sich dabei im  Gebäude an der Wismarschen Strasse 152 in Schwerin.

Was will der BUND aber konkret für M-V und Schwerin?!

Nachgefragt bei Corinna Cwielag, der Landesgeschäftsführerin des BUND M-V

C.Cwielag über den Zustand von Natur und Umweltschutz in M-V, die Arbeit bzw. Projekte des BUND M-V, die Kooperationen mit anderen demokratischen Partei, die Bedeutung des BUND und nahe wie ferne Ziele

„Ein engagierter Anwalt der Natur…“

Frage: Frau Cwielag, die BUND-Landesgeschäftsstelle befindet sich – wie die SPD-Landesgeschäftsstelle – im Gebäude an der Wismarschen Strasse 152… Gibt es bereits ein „naturell-sozialdemokratisches Joint Venture“ zwischen BUND und SPD?

Corinna Cwielag: Es gibt Kontakte. Bei einem „Joint Venture für die Natur“ sind wir noch nicht. Das wäre sehr wünschenswert.

Frage: Inzwischen sind ja alle „irgendwie grün“, ob die Parteien, die Unternehmen, die Gewerkschaften, die Kirchen oder die Mehrheit der Bevölkerung. Wie steht es aber um die Natur und den Umweltschutz aus Ihrer Sicht in M-V?

Corinna Cwielag: Unsere wunderschöne Natur und die Umweltgüter sind arg in Bedrängnis. Um von Norden anzufangen: Die Ostsee hat große Probleme mit dem Nährstoffeintrag aus der intensiven Landwirtschaft und durch Schiffsabgase.

Die meisten der Boddengewässer an unserer Küste sind durch den Schadstoffeintrag von Land in einem schlechten Zustand. Auch an der Außenküste kommt es durch die Überdüngung im Sommer zu Algenblüten und Quallenplagen.

In Rostock stößt das Steinkohlekraftwerk jährlich ein Viertel der Kohlendioxid-Emissionen in Mecklenburg-Vorpommern aus. Jedes Jahr kommen unter anderem rund 60 Kilogramm Arsen und 20 Kilogramm Quecksilber aus dem Kohlekraftwerk.

Wir finden viel Strandmüll bei unseren Küstenreinigungsaktionen. Der Straßenausbau, Tau-Salz im Winter und Schwerlastverkehr bedroht viele der alten Alleebäume. Die vielen nachgepflanzten jungen Alleebäume müssen besser gepflegt werden, wenn daraus die Alleen der Zukunft werden sollen.

Statt die öffentlichen Verkehrsmittel zu stärken, werden Bahnstrecken stillgelegt und vierspurige Straßen durch wertvollste Gebiete, wie zum Beispiel den Uferbereich des Schweriner Sees oder auf der Insel Rügen, geplant und gebaut. Die Massentierhaltungs-Anlagen in der Landwirtschaft werden immer größer. Bei der Genehmigung werden Umweltvorschriften außer Acht gelassen. Deshalb klagen wir auch ein einigen Fällen.

Frage: Hört sich ja alles andere als positiv an… Welche Projekte gibt es nun aktuell beim BUND M-V?

Corinna Cwielag: Der BUND setzt sich landesweit für den Schutz unserer Ostseeküste, die Bestandteil des Grünen Bandes ist, für den Erhalt der Alleenlandschaft und sehr stark für einen Wandel in der Landbewirtschaftung ein.

Wir sind auch verkehrspolitisch aktiv, wenden uns gegen Gigaliner auf unseren Straßen und gegen die Stilllegung von Bahnstrecken. Wir haben Projekte an der Ostseeküste unter anderem zum Thema Meeresmüll, Projekte mit Alleenpaten, die mit unserer Unterstützung „ihre Allee“ betreuen, Projekte für die Energiewende und ein großes Projekt zum Ökolandbau. Für die BIO-Landpartie, die der BUND jährlich Ende September organisiert, öffnen über 50 Bio-Betriebe in Mecklenburg und Vorpommern ihre Höfe. Über 10.000 Besucher nutzen das jährlich.

Speziell für Schwerin: Der BUND Schwerin lädt zu Exkursionen in die Natur der Schweriner Seen ein. Wer mit anpacken will, kann mit uns Pflegeeinsätze im Naturschutzgebiet Ramper Moor, auf Kaninchenwerder oder bei den Schafen am Ostufer des Schweriner Sees machen.

Dort hat der BUND auch ein eigenes Schaf in einer Herde von Masurenschafen, die die Landschaft pflegen, so dass sie für viele Arten attraktiv ist.

Besonders liegen uns die verborgenen Schätze der Schweriner Seen am Herzen. Wir wollen die sehr besondere Natur der Seen mit schwimmenden Nestern der Wasservögel, Sumpfnestern der Kraniche und die Welt unter der Wasseroberfläche gerne bekannter machen.

Dabei ist unser Ziel, dass der Mensch seinen Platz als Teil der Natur erkennen und nutzen kann. Wir wenden uns gegen rasende Jet-Skis und hochmotorisierte Powerboote auf den Seen. Wir wollen aber auch, dass Schwerin Vorreiter im Klimaschutz wird und werben für bessere Fahrradwege und einen besseren Nahverkehr für Pendler.

Frage: Welche Bedeutung und welchen Stellenwert hat der BUND in M-V mittlerweile aus Ihrer Sicht?

Corinna Cwielag: Wir sind ein engagierter Anwalt der Natur und stehen auf der Seite der Naturschutzgesetze. Auf Landesebene und in den BUND-Gruppen vor Ort sind wir häufig Gesprächspartner für Politik und Verwaltung. Naturschutz und Umweltschutz sind Allgemeingüter. Wir sind eine Lobby für unser Trinkwasser, unsere Böden, unsere Luft. Wir möchten den Wert der komplexen Netzwerke der Natur mit den vielfältigen Organismen-Gruppen, die alle eine Funktion haben, erkennbar machen. Dabei ist der Mensch ein Teil des Netzwerkes.

Letzte Frage: Wie ist eigentlich das Verhältnis zu Bündnis 90/Die Grünen in M-V? Eher distanziert oder freundschaftlich?

Corinna Cwielag: Wir freuen uns, wenn Bündnis 90/Die Grünen Themen des Natur- und Umweltschutzes als wichtige  Politik-Felder erkennen und unterstützen. Das gilt aber eigentlich für alle demokratischen Parteien. Der BUND ist überparteilich. Bei Bündnis 90/Die Grünen haben wir bisher die meiste Aufmerksamkeit dafür bekommen. Da ist das Verhältnis natürlich gut.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für die Natur bzw. Umwelt in M-V, speziell in Schwerin!

M.Michels

Blick zum Schweriner See / Foto: Michels.