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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Ein echter sportlicher Freidenker

Der frühere Wismarer Leichtathletik-Trainer Peter Schoenen starb im Alter von 74 Jahren

Er war und blieb stets ein sportlicher Freidenker und Freigeist. Anpassung an den jeweiligen politischen Mainstream war ohnehin nie seine Sache – weder vor noch nach der „Wende“ 1989/90. Er hat es sich dabei selbst nie leicht gemacht, so wie es andere taten, die ihre politische Gesinnung „nach dem Wind drehten“.

Nicht nur humorvoll meinte er treffend, dass bei all den neuen Preisen und Orden, die es in Deutschland bereits gab und seit 1990 ff. neu „erfunden“ wurden, leider nicht ein „goldener Wendehals“ dabei war – für all jene, die ihr eigenes Tun und ihre Wurzeln vergaßen.

Das Sportlerherz eines aufrechten Mecklenburgers hat aufgehört zu schlagen. Peter Schoenen, einer der bekanntesten Leichtathletik-Trainer in M-V, der viele Jahre in Wismar wohnte, dort nach der Wende unter anderem den Leichtathletiksportverein Wismar gründete und zuletzt in Sellin auf Rügen lebte, starb nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren.

Zahlreiche Erfolge als Trainer

Peter Schoenen feierte insbesondere in den 1970er Jahren seine größten Erfolge gerade als Trainer.

Doch wie kam der gerade in jungen Jahren sehr erfolgreiche Sportler an die Ostseeküste ?!

Dazu äußerte er sich in einem Gespräch 2007 : „Im September 1972 begann ich, an der Hochschule Wismar als Sportlehrer zu arbeiten. Vorher war ich in Riesa in ähnlicher Funktion bei Stahl Riesa tätig. Kurios: Bevor ich in Wismar Marita Koch kennen lernte, hatte ich bereits mit Monika Zehrt, die 1972 in München jeweils Gold über 400 Meter und mit der 4 x 400 Meter-Staffel holte, eine Olympiasiegerin mitbetreut.

Maritas Trainer Wolfgang Meier und ich kannten uns übrigens vor unserer Wismarer Trainerzeit bereits aus unseren aktiven Leichtathletik-Tagen. Er war bei Motor Wismar, und ich startete für den SC Empor Rostock. Wolfgang Meier war zu Beginn der 1970er Jahre ein erfolgreicher Leichtathletik-Trainer bei der TSG Wismar, insbesondere mit Marita Koch, die damals unzählige Kreis- sowie Bezirksrekorde hielt.

Nach ihrer umstrittenen `Rückdelegierung` von Rostock nach Wismar war sie dann bei der HSG Wismar aktiv, um hier ihr Talent besonders fördern zu lassen. Die Idee zur Gründung einer Sektion Leichtathletik bei der HSG Wismar stammte dabei von Wolfgang Meier und mir. Ich wurde deren Leiter.“, erinnerte  sich der Erfolgstrainer.

Peter Schoenen – stets mit Engagement bei der (sportlichen) Sache

Dennoch stieß sein Einsatz nicht überall auf Gegenliebe. „Es gab damals richtigen Ärger und viele Aussprachen mit der SED-Kreisleitung, dem DTSB-Kreisvorstand und der TSG-Obrigkeit, weil wir uns anmaßten, außerhalb des damaligen Vorzeige-Vereins, der TSG Wismar, eine neue Sektion aufzubauen.“. Konkurrenzkampf, gerade im Sport, war und ist eben keine „Erfindung“ erst nach der Wende.

Für Peter Schoenen war jedoch Marita-Koch, d a s Ausnahme-Talent, welches er selbst mitbetreuen konnte: „Marita war immer sehr ehrgeizig, zielstrebig und gewissenhaft – nicht nur im Sport, sondern ebenfalls in der Schule. In beiden Bereichen hatte sie außergewöhnliche Erfolge. Noch heute ist sie im Sportbereich sehr aktiv.“, äußerte sich der der aufrichtige Sportfreund anerkennend über die 400 m-Olympiasiegerin von 1980.

Ehemalige Weggefährten des Wismarer Trainers waren unter anderem Ruder-Olympiasieger Werner Klatt, Handball-Weltmeister „Jimmy“ Prüsse oder Box-Trainer Fiete von Thien.

Sportlich stets aktiv

In den 1990er Jahren betrieb der frühere Leichtathlet Peter Schoenen erfolgreich das Sport-Studio „Body-Fun“ im EKZ „Friedenshof“ in Wismar, das eine zahlreiche Fan-Gemeinde hatte. Auch Bindungen zur mecklenburgischen Landeshauptstadt hat der Leichtathletik-Coach: „In Schwerin-Lankow nahm ich erfolgreich an einer beruflichen Ausbildung zum Physiotherapeuten teil. Außerdem starteten meine Schützlinge bei zahlreichen Wettkämpfen im Stadion am Lambrechtsgrund.“

Bis Ende 2010 war Peter Schoenen zudem im  Wismarer Sportzentrum „Wonnemar“ anzutreffen. Hier fungierte er als sportlicher Betreuer, erstellte Trainingspläne für junge wie areifere Fitness-Sportler und gab fachkundige Ratschläge in puncto Trainingsgestaltung.

„Verewigt“ ist der junge Leichtathlet Peter Schoenen auch im DDR-Olympia-Buch von 1960. Dort sieht man ihn als jungen Spartakiade-Teilnehmer an einem Laufwettbewerb unter dem Motto „Bereit für Olympia 1964″.

Peter Schoenen war stets ein fachkundiger sportlicher Ratgeber, eine aufrichtige Persönlichkeit und ein echtes Vorbild.

Leicht hat es sich Peter Schoenen, wie erwähnt, nie gemacht, leicht wurde es ihm allerdings auch nie gemacht. Es ist eigentlich traurig, dass man ihm nach der Wende bessere berufliche Chancen versagte, ihm wenige Möglichkeiten gab. Man hätte ihn besser würdigen und anerkennen können. Aber in M-V, ja in ganz Deutschland ist man anscheinend nicht  in der Lage, mit Freidenkern umgehen zu können.

„Habe Mut, sich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, heißt es bei Immanuel Kant. Peter Schoenen hatte stets diesen Mut.

…Peter Schoenen war jedenfalls ein Großer – nicht nur im sportlichen Bereich. Auch für ihn gilt: „Man sieht sich wieder auf Wolke sieben – mit Spikes und Trainingshose!“

Marko Michels

Archiv-Foto (Schoenen): Peter Schoenen mit dem Ehepaar Meier-Koch sowie M.J.Perec in Schwerin.

 


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