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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Die Zeiten haben sich geändert! – Der Ausbildungsmarkt Westmecklenburg 2009

Schweriner Arbeitsagentur und Kammern ziehen gemeinsam Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2008/2009.

Wie hat sich vom 01.10.2008 bis zum 30.09.2009 die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entwickelt? Wie viele Bewerber haben einen Ausbildungsplatz gefunden und wie viele bisher noch nicht? Wie viele Ausbildungsstellen wurden angeboten und Ausbildungsverträge abgeschlossen? Gemeinsam mit Peter Todt, Leiter des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin (IHK) und Erich Holm, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Schwerin (HWK) und stellvertretender Abteilungsleiter Berufsausbildung/Prüfungswesen, zog die Schweriner Arbeitsagentur heute die traditionelle Bilanz des abgelaufenen Berufsberatungsjahres in Westmecklenburg.

“Die Chancen für Jugendliche, eine betriebliche Ausbildung zu erhalten, waren noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Die viel zitierte „Ausbildungsschere“ der Vorjahre hat sich geschlossen, und wir erleben eine „Zeitenwende“. Der demographische Wandel hat den Westmecklenburger Ausbildungsmarkt unablässig erreicht“, so Martin Görtzen, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Schwerin.

Zum Stichtag 30.09.2009 waren im Agenturbezirk 81 Bewerber/-innen noch nicht vermittelt. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen (3.106) ist mit insgesamt 1.099 oder 26,1 Prozent auch in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr erneut rückläufig. 2008 waren es noch 4.205 Jugendliche.

Seit Oktober 2008 wurden der Agentur insgesamt 2.402 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, von denen 208 Ende September noch unbesetzt waren. Im Vorjahresvergleich ist das eine Erhöhung der unbesetzten Berufsausbildungsstellen von 31,6 Prozent bzw. 50 Lehrstellen.

„Insbesondere durch demographische Einflüsse sind die Schulabgangszahlen weiterhin enorm rückläufig. Dementsprechend gibt es ebenso einen Rückgang der Bewerberzahlen. Weniger registrierte Bewerberinnen und Bewerber und ein relativ stabiles Stellenaufkommen führten rein quantitativ zu einer „1:1“-Relation“, so Görtzen.

„Heute suchen nicht mehr vorrangig die Jugendlichen nach Lehrstellen, sondern die Ausbildungsbetriebe nach Bewerbern. Wir brauchen geeignete Auszubildende! Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung mit dem dramatischen Schülerrückgang sind in der Berufsausbildung angekommen“, so Peter Todt, Leiter des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der IHK zu Schwerin.

Insgesamt wurden bei der IHK Schwerin 1.606 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Davon sind 1.359 Verträge betriebliche Ausbildungen. Die IHK Schwerin verzeichnete damit gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007/ 2008 ein Minus von insgesamt 323 bei der Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. (betriebliche Ausbildungen -319) In der IHK-Lehrstellenbörse Schwerin stehen noch viele offene Stellen zur Verfügung. Sie zeigen den hohen Ausbildungswillen der Unternehmen. So wird auch noch im Oktober viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt erwartet. „Die aktuelle Situation mit weniger Schülern an den Berufsschulen muss dazu genutzt werden, die Qualität der theoretischen Berufsausbildung deutlich zu verbessern und den Fachunterricht an den Berufsschulen zu 100 Prozent sicherzustellen“, ergänzt Todt.

„Auch nach Ausbildungsbeginn bietet das Handwerk noch freie Lehrstellen, selbst in Wunschberufen wie Friseur oder Kfz-Mechatroniker. Der Rückgang der Schülerzahlen macht es möglich: Noch nie hatten Schulabgänger eine so große Auswahl an attraktiven Berufen im Handwerk und so große Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden“, erklärt Erich Holm, Ausbildungsberater der HWK Schwerin und stellvertretender Abteilungsleiter Berufsausbildung/ Prüfungswesen. „Wer bisher keinen Erfolg hatte, so Holm weiter, „bringt zumeist schlechte schulische Voraussetzungen mit. Wir bieten Jugendlichen, die bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, Unterstützung und Einstiegsqualifizierungen an“.

Bei der Handwerkskammer Schwerin sind insgesamt 754 Ausbildungsverträge, davon 659 in betriebliche Ausbildung, abgeschlossen worden. Dies entspricht im Ganzen einer Verringerung um 4 Prozent und insbesondere bei betrieblichen Ausbildungen einem Rückgang um 3,8 Prozent. Bereits 2008 war die Anzahl der „Neubeginner“ im Handwerk um ein Viertel zurückgegangen. Selbst in den Lieblingsberufen Kfz-Mechatroniker und Friseur war ein Rückgang der neu eingetragenen Lehrverhältnisse um ein Drittel zu beklagen. Viele Handwerksunternehmen konnten ihre betrieblichen Ausbildungsplätze nicht besetzen. Auch in diesem Jahr blieb so manche Lehrstelle unbesetzt. Für das Ausbildungsjahr 2009 befanden sich in der Lehrstellenbörse der HWK Schwerin Ende September noch 72 freie Stellen, insbesondere in den Berufen Gebäudereiniger, Bäcker, Elektroniker, Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker SHK und Friseur. Betriebe, die keine passenden Bewerber/innen mehr gefunden haben, stellten ihre Bemühungen für dieses Jahr ein und bieten nun ihren Ausbildungsplatz in der Lehrstellenbörse der HWK Schwerin für 2010 an. Für das kommende Ausbildungsjahr befinden sich hier bereits 151 Ausbildungsstellen im Angebot.

Die Herausforderung der nächsten Jahre besteht in der quantitativen und vor allem auch qualitativen Versorgung der Unternehmen mit passfähigen Bewerbern. In Teilbereichen sind bereits heute nicht mehr ausreichend Schulabgänger vorhanden, um die Bedarfe zu sichern. Um die Zukunft zu meistern, müssen alle Potenziale an jungen ausbildungsfähigen und ausbildungswillige Frauen und Männern erschlossen werden. Auch Jugendliche die keine „Olympioniken – Zeugnisse“ besitzen, gleichwohl aber ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis stellen wollen, benötigen eine Chance. Das eine oder andere Handicap kann möglicherweise mit den sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) kompensiert werden, zum Beispiel mit zusätzlichem Mathematikunterricht oder auch sozialpädagogischer Betreuung.

„Die gute Zusammenarbeit zwischen Kammern und Arbeitsagentur bietet eine solide Basis, um den Herausforderungen am Ausbildungsmarkt gemeinsam gerecht zu werden“, erklärt Martin Görtzen. Alle am Tisch sind sich einig: „Wir müssen als Partner am Ausbildungsmarkt die Anstrengungen in der Kooperation mit den Schulen intensivieren, Möglichkeiten der vertieften Berufsorientierung ausschöpfen und gemeinsam daran arbeiten, dass alle ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen Westmecklenburgs in der Region auch eine Chance erhalten, erklärten Görtzen, Todt und Holm.

Anne Ebbecke


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