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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Die WM in der Rhythmischen Sportgymnastik 2015 im Blickfeld

Auch M-V mit Gymnastik-Tradition


Das vorolympische Jahr 2015 ist auch im Turn-Bereich ein sehr abwechslungsreiches. Gerade fand im Juli die Welt-Gymnastrade in Helsinki statt, da „rufen“ auch schon die Weltmeisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik vom 7.September bis 13.September in Stuttgart.

Und „nonstop“ geht es weiter – mit den WM im Geräte-Turnen vom 23.Oktober bis 1.November in Glasgow und mit den WM im Trampolin-Turnen Ende November in Odense. Und im nächsten Jahr gibt es dann die WM in der Sportakrobatik in China und vor allem die olympischen Wettkämpfe in Rio…

Die WM 2015 in der Rhythmischen Sportgymnastik im Blick

Aber die deutschen Gymnastik-Fans freuen sich erst einmal ganz besonders auf die Welt-Titelkämpfe Anfang September in Stuttgart.
Wie ist aber das Kräfteverhältnis dort einzuschätzen?!

Ein Blick in die Historie der Weltmeisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik seit 1963 (bis 2013) verrät, dass insbesondere Russland (einschließlich der UdSSR), Bulgarien, die Ukraine und Weißrussland dort „das Maß aller Gymnastik-Dinge“ sind.

Russland (mit UdSSR) mit 260 Medaillen, darunter 125 x Gold, Bulgarien mit 163 Medaillen, darunter 65 x Gold, die Ukraine mit 81 Medaillen, darunter 25 x Gold, Weissrussland mit 61 Medaillen, darunter 9 x Gold, Spanien mit 34 Medaillen, darunter 6 x Gold, Italien mit 24 Medaillen, darunter 6 x Gold und Tschechien (mit CSSR) mit 17 Medaillen, darunter 4 x Gold, waren bislang die fleißigsten Medaillensammlerinnen bei RSG-WM.

Russinnen und Bulgarinnen dominierend

In den Kern-Disziplinen „Mehrkampf-Einzel“ und „Mehrkampf-Gruppe“ (1963-2014) dominierten ebenfalls die Athletinnen aus Russland (mit UdSSR) mit 68 Medaillen, darunter 27 x Gold, und aus Bulgarien mit 42 Medaillen, darunter 20 x Gold. Deutschland (mit Westdeutschland und DDR) schaffte hier vier Medaillen, darunter einmal Gold (1975 Carmen Rischer).

Deutsche Gymnastinnen mit 14 WM-Medaillen

Ansonsten gab es „kompakt“ für Gymnastinnen aus Deutschland (DDR, Westdeutschland und vereint) bis 2014 insgesamt 5 x Gold, 6 x Silber, 3 x Bronze. Gold errangen dabei Carmen Rischer (3 x WM-Gold 1975 mit dem Band, mit dem Reifen, zusammen mit Mitsuru Hiraguchi/Japan, und, wie erwähnt, im Mehrkampf) sowie Christiana Rosenberg (WM 1975 mit den Keulen und mit dem Ball).

Die ersten WM 1963 in Budapest

Vor 52 Jahren, im Jahr 1963 in Budapest, fanden die ersten Weltmeisterschaften in der RSG statt und 28 Gymnastinnen aus 10 Ländern nahmen an diesen Welttitelkämpfen teil. Für die DDR starteten in der ungarischen Metropole seinerzeit Renata Valkstein, Irene Binder und Ute Lehmann. Drei Entscheidungen wurden in Budapest ausgetragen und dreimal siegte die für die UdSSR startende Ukrainerin Ljudmilla Sawinkowa. Die Sowjetunion erkämpfte in Budapest`63 dreimal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze. Bulgarien kam auf zweimal Bronze. Bereits vier Jahre später war dann eine deutsche WM-Teilnehmerin aus der DDR vorn mit dabei.

Die deutschen RSG-Erfolge bei WM

So wurde Ute Lehmann aus der DDR Vize-Weltmeisterin im Mehrkampf in Kopenhagen 1967. Carmen Rischer (Bundesrepublik) durfte dann in Madrid 1975 über WM-Gold im Mehrkampf jubeln, ihre Mannschaftskollegin Christiana Rosenberg über WM-Silber.

Zuvor, bei den zweiten WM 1965 in Prag, brillierte eine Tschechoslowakin, Hana Micechova, mit zweimal Gold und einmal Bronze.

In den WM-Einzelkonkurrenzen mit den verschiedenen Geräten errangen deutsche Gymnastinnen in der Folgezeit, nach 1965, weiteres Edelmetall, so Ute Lehmann 1967 Bronze mit dem Seil, Christiana Rosenberg 1975 Gold mit dem Ball und mit den Keulen und Silber mit dem Band bzw. Carmen Rischer 1975 Gold mit dem Band und mit dem Reifen (zusammen mit der Japanerin Mitsuru Hiraguchi), Silber mit dem Ball und mit den Keulen. (Anmerkung: 1975 nahmen die Länder des Ostblocks nicht an den WM im damaligen „Franco-Spanien“, in Madrid, teil.) Carmen Rischer holte dann – nach ihren großen WM-Erfolgen 1975 – noch eine WM-Silbermedaille 1977 in Basel.

Bianca Dittrich (DDR) wurde 18 Jahre später, 1985 in Valladolid, mit dem Ball WM-Dritte.

Eine zusätzliche Bronze-Medaille sicherten sich die DDR-Gymnastinnen auch im Gruppen-Finale 1973 in Rotterdam.

Deutsche Gymnastinnen und Olympia

Und auch bei olympischen Wettkämpfen in der Gymnastik leisteten deutsche Teilnehmerinnen Herausragendes…
Vor 63 Jahren war dabei die Gruppengymnastik bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki erstmals im olympischen Programm. Damals siegten die Schwedinnen vor den Russinnen und den Ungarinnen. Brigitte Kiesler, 1924 in Ludwigslust geboren, wurde seinerzeit mit der Bundesrepublik Fünfte im Turn-Mannschaftsmehrkampf und sogar Vierte in der Gruppengymnastik mit Handgeräten (auch mit Westdeutschland).

Und 32 Jahre später, bei den Spielen 1984 in Los Angeles, kam dann die Rhythmische Sportgymnastik endgültig in das olympische Programm – mit dem Einzel-Mehrkampf. Regina Weber (Bundesrepublik) erreichte bei der Olympia-Premiere der Einzel-Gymnastik/Mehrkampf eine hervorragende Bronze-Platzierung hinter der Kanadierin Lori Fung und der Rumänin Doina Staiculescu. Jedoch: Auch die Spiele von 1984 waren – wie jene 1976 in Montreal und 1980 in Moskau – von einem Boykott zahlreicher Länder überschattet.

Die RSG, Stuttgart und M-V

Das alles ist „gymnastische Historie“. Aktuell „ruft“ Stuttgart zu den WM in fünf Wochen…

Übrigens: In M-V hat die Rhythmische Sportgymnastik ebenfalls eine gute sportive Heimat, so beim FSV Bentwisch, HTV Rostock, TSV Schwerin, SV Dassow und SV Empor Kühlungsborn. Gerade die Schweriner Gymnastinnen sind regional wie national sehr erfolgreich.

Und: Wie beurteilt Hannes Haßpacher, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Schwäbischen Turner-Bund, die kommenden WM in der Rhythmischen Sportgymnastik in Stuttgart?!

Nachgefragt

„WM wird vom vom Slogan `enjoy the rhythm`getragen!“

Frage: Der Countdown zu den WM in der RSG im Stuttgart läuft… Nur noch knapp fünf Wochen bis zum Beginn! Wie ist der „Stand der (Vorbereitungs-)Dinge“? Ist Stuttgart schon bereit?

Hannes Haßpacher: Stuttgart ist definitiv bereit für die WM. Wir befinden uns zurzeit auf der Zielgeraden und feilen an den letzten Details. Bereits am 3. August reisen die Delegationen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt an. Dann werden sie ein perfekt vorbereitetes Feld für die Titelkämpfe vorfinden.

Frage: Mit wie vielen WM-Teilnehmerinnen und Nationen in Stuttgart rechnen Sie?

Hannes Haßpacher: Aktuell haben rund 300 Gymnastinnen für die WM gemeldet, also inklusive der Gruppenmitglieder. Insgesamt besteht das Teilnehmerfeld aus 59 Nationen.

Frage: Wird es neben dem WM-Geschehen auch ein kulturelles Rahmenprogramm geben?

Hannes Haßpacher: Die WM ist getragen vom Slogan „enjoy your rhythm“. Dadurch wollen wir deutlich mehr Menschen erreichen als uns das bisher mit der Rhythmischen Sportgymnastik gelingt.

Dieses gilt für die Menschen in Stuttgart, der Region und dem ganzen Land. Aber das gilt besonders auch für die Mitglieder in unseren Vereinen. Überall dort wollen wir diejenigen ansprechen und begeistern, die Freude am Rhythmus, am Tanz, an der Bewegung zu Musik haben.

Deshalb bieten wir ganz bewusst Camps für Tanz und RSG-Begeisterte im Rahmen der WM an, oder auch zum Beispiel eine „enjoy your rhythm“-Gala am Samstagabend. Hier spielt der Rhythmus die Hauptrolle. Zudem wird es am WM-Samstag einen Flashmob-Tanz in der Stuttgarter Innenstadt geben.

Frage: Wie schätzen Sie das internationale Kräfteverhältnis in der RSG 2015 ein? Wo verorten Sie da die deutschen Gymnastinnen?

Hannes Haßpacher: Traditionell sind die osteuropäischen Starterinnen sehr stark einzuschätzen. Mit dem Rückenwind der Zuschauerkulisse der Heim-WM in Stuttgart wollen aber auch die deutschen Gymnastinnen für Aufsehen sorgen, auch wenn es dabei vermutlich nicht um die WM-Titel gehen wird.

Über allem steht in Stuttgart die Qualifikation für die Olympischen Spielen in Rio 2016. Die Gruppe müsste dafür einen Platz im Mehrkampf unter den ersten Acht erturnen, die beiden Einzelgymnastinnen Jana Berezko-Marggrander und Laura Jung im Mehrkampf unter den ersten 15.

Letzte Frage: Wo kann man noch WM-Tickets erwerben?

Hannes Haßpacher: Tickets gibt es auf unserer Website gymnastik-wm.de oder per Telefon unter 0711/28077 -277 oder -288.

Vielen Dank und eine erfolgreiche WM!

Marko Michels


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