Zwischen den Mai-Läufen 2017, dem ersten IAAG Golden League-Meeting und weiteren Herausforderungen auch in M-V

Der Mai 2017 startete leichtathletisch und speziell läuferisch. Beim neunten Schüler-Mehrkampf um den Pokal des Bürgermeisters der Stadt Wismar wetteiferten am 1.Mai rund 180 Teilnehmer zwischen sechs und dreizehn Jahren aus zwölf Vereinen um die Siegerpokale. Am Ende setzten sich im Vierkampf Laura-Sophie Sobotta (13 Jahre, Schweriner SC) und Martha Dahl (9 Jahre, VfL Neukloster) im Dreikampf durch.

Zwischen Laufcup M-V…

Die sechste Station des Laufcups M-V 2017 stand hingegen am 6.Mai auf dem Programm, der 26.Neubrandenburger Kulturpark-Lauf, zugleich Landesmeisterschaft M-V im Halbmarathon.

Die Titel im Halbmarathon sicherte sich bei den Frauen Ana-Izabela Böge (SV Turbine Neubrandenburg) in 1:25:11 vor Anna Brust (HSV Neubrandenburg) in 1:27:58. Bei den Herren gewann Markus Riemer (TC FIKO Rostock) in 1:17:27 vor Mathias Ahrenberg (Laufgruppe Schwerin) in 1:18:06.

Über die 5 Kilometer jubelten Katja Knospe (SV Turbine Neubrandenburg) bei den Frauen und Holger Kühne (Neuendorf) bei den Herren. Im 2 Kilometer KInderlauf belegten Pauline Sledz (1.LAV Bergen) bei den Mädchen und Karl Leifels (TSV Friedland 1814) bei den Jungen die ersten Plätze.

Die nächste Station im Laufcup M-V 2017 ist nun der 41.OASE-Inselseelauf in Güstrow am 10.Juni. Weitere wichtige Leichtathletik- und Lauf-Termine sind im Mai 2017 der zwölfte Schweriner Nachtlauf am 13.Mai und der fünfzehnte Ostseepokal in Rostock am 20.Mai.

…Sachsenhausen-Gedenklauf…

Auch der 52.Sachsenhausen-Gedenklauf, der seit 1965 stets am ersten Mai-Sonntag zur Erinnerung an die Opfer des Todesmarsches der Häftlinge des KZ Sachsenhausen 1945, der über 6000 Opfer forderte, stattfindet, fand guten Zuspruch. Am 7.Mai nahmen fast 100 Läuferinnen und Läufer an diesem traditionsreichen Lauf teil. Im Hauptlauf, über die 20 Kilometer, gewann bei den Frauen Sabine Bahr (Laufgruppe Schwerin) und bei den Herren Birger Bösel (Laufgruppe Schwerin).

…und dem ersten IAAF Diamond League-Meeting 2017

Zwei Tage zuvor, am 5.Mai, gab es zudem das erste Meeting der IAAF Diamond League 2017 in Doha. Die Diamond League-Serie umfasst in diesem Jahr vierzehn Stationen und endet am 1.September mit dem Meeting in Brüssel.

In Doha erkämpften auf den acht Diamond League-Laufdisziplinen 2017 Afrika fünf Erfolge und der amerikanische Doppelkontinent drei Erfolge.

Bei den Frauen schafften Elaine Thompson (Jamaika, 200 Meter, 22,19), Caster Semenya (Südafrika, 800 Meter, 1:56:61), Hyvin Kiyeng (Kenia, 3000 Meter Hindernis, 9:00:12) und Kendra Harrison (USA, 100 Meter Hürden, 12,59, vor Cindy Roleder, Deutschland, 12,90) die ersten Ränge. Und bei den Männern triumphierten Akani Simbine (Südafrika, 100 Meter, 9,99), Steven Gardiner (Bahamas, 400 Meter, 44,60), Elijah Motonel Mananyoi (Kenia, 1500 Meter, 3:31:90) und Ronald Kwemoi (Kenia, 3000 Meter, 7:28:73). Im Speerwerfer beeindruckte Olympiasieger Thomas Röhler übrigens mit 93,90 Meter.

In diesem Jahr waren in der Hallen-Saison die 34.Hallen-EM in Belgrad der Höhepunkt, wobei Polen mit 12 Medaillen, darunter 7 x Gold, das erfolgreichste Team stellte. Die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten erkämpften in Belgrad neun Medaillen, wobei Cindy Roleder über die 60 Meter Hürden und Kristin Gierisch im Dreisprung jeweils Gold holten.

Der Freiluft-Höhepunkt 2017 sind hingegen die 16.WM vom 5.August bis 13.August in London.

Hoffentlich gibt es dort aus deutscher Sicht wieder einige Erfolge und auch einige Starterinnen bzw. Starter mit „M-V-Hintergrund“…

M-V und die Leichtathletik – ein Blick in die Historie

Die Spiele 2016 in Rio de Janeiro verliefen nämlich nicht nur aus leichtathletischer Sicht für die M-V-Vereine eher bescheiden. Bei den Olympischen Spielen startete Martina Strutz vom Schweriner SC als einzige M-V-Leichtathletin, die dann letztendlich Rang neun belegte und nun als Mitglied des Hagenower SV Kurs auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo nimmt.

Dort feierte, vor 52 Jahren, bei den damaligen Spielen 1964, eine Rostocker Kugelstoßerin einen Medaillen-Erfolg. Renate Garisch-Culmberger schaffte seinerzeit Silber mit der Kugel. Ingrid Lotz aus Malliß wurde seinerzeit ebenfalls Zweite, im Diskuswerfen.

Gute Plätze bei den Paralympics

Aber zurück zu Rio 2016… Dort, bei den Paralympics, nahmen mit Jana Schmidt (1.LAV Rostock) und Lindy Ave (HSG Uni Greifswald) auch zwei Leichtathletinnen aus M-V-Vereinen teil, die vordere Plätze belegen konnten. Lindy Ave verpasste mit Rang vier über die 4 x 400 Meter nur knapp eine Medaille. Ansonsten holten die gebürtige Schwerinerin Vanessa Low (für Leverkusen startend, Gold im Weitsprung und Silber über 100 Meter), die gebürtige Ueckermünderin Marianne Buggenhagen (für Berlin startend, Silber im Diskuswurf, bereits 9 x Paralympics-Gold) und die gebürtige Pasewalkerin Martina Willing (für Cottbus startend, Silber im Speerwerfen, bereits 3 x Paralympics-Gold) Edelmetall. Sowohl Jana Schmidt als auch Marianne Buggenhagen beendeten inzwischen ihre sportlichen Karrieren.

Wie weiter?

Wie es nun aus M-V-Sicht in der Leichtathletik – mit Blickrichtung Olympia 2020 und Olympia 2024 – weiter gehen wird, bleibt abzuwarten. Es gibt zwar eine Reihe hoffnungsvoller Talente zwischen Schwerin via Rostock bis Vorpommern, aber ob diese dann dauerhaft der Leichtathletik treu bleiben können – Stichwort „berufliche Perspektiven“ – wird sich zeigen.

Olympische Höhepunkte in der Vergangenheit

Zumindest gab es in der Vergangenheit jede Menge olympischer Leichtathletik-Höhepunkte für M-V.

Unvergessen ist nach wie vor die olympische Bronzemedaille von Hansjörg Kunze (SC Empor Rostock) 1988 in Seoul, der auch in Moskau 1980 startete. Im Zehnkampf der Herren waren aus M-V in den 1970er und 1980er Jahren Siegfried Stark (SC Traktor Schwerin), Torsten Voss (SC Traktor Schwerin) und Christian Schenk (SC Empor Rostock) absolute Weltspitze. Siegfried Stark war Olympionike 1976 und 1980 sowie schaffte EM-Bronze 1978 und 1982. Für Torsten Voss gab es 1987 WM-Gold und 1988 Olympia-Silber. Und Christian Schenk konnte 1988 Olympiasieger werden, war EM-Dritter 1990 und WM-Dritter 1991.

Oft mit der Kugel erfolgreich

Im Kugelstoßen prägten Kugelstoßen aus M-V zwischen 1960 und 2000 ebenfalls die internationale Szenerie. Die bereits erwähnte Renate Garisch (SC Empor Rostock) wurde 1962 Vize-Europameisterin und 1964 Olympia-Zweite. Die gebürtige Demminerin Ilona Slupianek kam 1978 und 1982 zum Europameistertitel und belegte bei den Olympischen Spielen 1980 Rang eins.

Ines Müller (SC Empor Rostock) war ebenfalls sehr erfolgreich – mit EM-Silber 1986, WM-Bronze 1987 und Universiade-Silber 1981. Zudem war Ines Müller zweifache Olympionikin in den Jahren 1980 und 1988. Astrid Kumbernuss (SC Neubrandenburg) setzte die mecklenburgische Erfolgstradition im Kugelstoßen der Frauen fort, unter anderem mit EM-Gold 1990, EM-Silber 1994, WM-Gold 195, 1997 sowie 1999 und Olympia-Gold 1996 bzw. Olympia-Bronze 2000. Ihre Klubkollegin Petra Lammert konnte dann unter anderem 2006 EM-Bronze erkämpfen.

Medaillen mit dem Speer

Im Speerwerfen der Frauen sorgte aus M-V-Blickwinkel Steffi Nerius, die zwischen 1986 und 1991 Mitglied des SC Empor Rostock war und gebürtige Rüganerin ist, für Furore – mit beispielsweise EM-Gold 2006, EM-Silber 2002, WM-Gold 2009 und Olympia-Silber 2004. Ruth Fuchs, die in den 1960ern die KJS in Güstrow besuchte, wurde zum Beispiel 1972 und 1976 Olympiasiegerin, 1980 Olympia-Achte, 1974 und 1978 Europameisterin und Weltcup-Siegerin 1977 und 1979.

Weitere olympische Erfolge

Für goldene, silberne und bronzene Olympia-Momente für M-V sorgten ebenfalls Walter Krüger (SC Traktor Schwerin) mit Silber 1960 im Speerwerfen, Jörg Drehmel aus Vorpommern mit Silber 1972 im Dreisprung oder die gebürtige Schwerinerin Gabriele Hinzmann mit Bronze 1976 im Diskuswerfen. In Montreal 1976 erkämpfte Brigitte Rohde vom SC Neubrandenburg mit der 4 x 400 Meter-Staffel der DDR die erste olympische Goldmedaille in der Frauen-Leichtathletik für einen M-V-Verein. Elfi Zinn wurde 1976 Dritte über die 800 Meter.

1980 in Moskau lief Marita Koch, die in diesem Jahr ihren 60.Geburtstag feierte, vom SC Empor Rostock zu Gold über die 400 Meter und zu Silber mit der 4 x 400 Meter-Staffel der DDR und Gerd Wessig (SC Traktor Schwerin) erkämpfte Hochsprung-Gold. Acht Jahre später, 1988 in Seoul holten Sigrun Wodars bzw. Christine Wachtel (beide SC Neubrandenburg) Gold und Silber über die 800 Meter. Jürgen Schult (SC Traktor Schwerin) jubelte über Gold im Diskuswerfen (dann noch Silber 1992 in Barcelona). Im Siebenkampf belegte Anke Behmer Rang drei.

Melbourne 1956 mit Duo aus M-V

Vor 60 Jahren, 1956 in Melbourne, waren Horst Mann (SC Empor Rostock, 400 Meter) und der „zeitweise“ Mecklenburger Friedrich Janke (5000 Meter) die ersten Leichtathletik-Olympia-Teilnehmer aus Mecklenburg und aus Vorpommern nach den zweiten Weltkrieg. Friedrich Janke errang 1960 in Rom mit Rang vier über die 5000 Meter seine beste olympische Platzierung.

Mal schauen, wer aus M-V dann in Tokyo 2020 dabei sein wird…

Marko Michels

Foto (Michels): Das Olympiastadion in Berlin, auch Austragungsort der 2009er WM.