Deutsches Fußball-Herren-Team mit Remis gegen Südkorea

Der Medaillen-Traum von der ersten Medaille für eine deutsche Herren-Olympia-Auswahl seit fast 30 Jahren lebt weiter.

Nachdem das deutsche Team mit dem ehemaligen Spieler des FC Hansa Rostock, Max Christiansen, 2:2 zum Auftakt gegen den 2012er Olympiasieger Mexiko spielte, erreichte die Mannschaft von Trainer Horst Hrubesch gegen den Olympia-Dritten von 2012, Südkorea, ein 3:3.

Der Ausgleich von Serge Gnabry für das deutsche Team fiel dabei erst in der 2.Minute der Nachspielzeit…

Erinnerung an den aktiven Horst Hrubesch

Vor 36 Jahren hatte der derzeitige Trainer der Olympia-Auswahl Horst Hrubesch ebenfalls ein ganz, ganz wichtiges Tor geschossen. Im EM-Finale am 22.Juni 1980 in Rom konnte der damalige Akteur des Hamburger SV zwei Minuten vor dem Ende der damaligen Partie, also in der 88.Minute, den 2:1 Siegtreffer gegen Belgien erzielen – (West-)Deutschland wurde damit zum zweiten Mal nach 1972 Europameister, ein dritter EM-Titel folgte 1992. Horst Hrubesch ist eben ein Experte für späte Tore, ob als Spieler oder als Trainer.

Olympischer Fußball eher zweitrangig

Ansonsten hatte der olympische Fußball nie die große Bedeutung in Deutschland, zumindest in Westdeutschland, da erst ab 1984 offiziell Fußball-Profis ran durften, während vordem, seit 1952, der „Ostblock“ seine „Staatsamateure“ ohnehin auf den olympischen Fußball-Rasen schickte und damit das tatsächliche Kräfteverhältnis im Fußballsport bei Olympia „auf den Kopf stellte“…

1912 erstmals mit deutschem Team

Ein deutsches Herren-Fußball-Olympia-Team nahm 1912 in Stockholm  zum ersten Mal an einer Endrunde teil, verlor aber gleich das erste Spiel gegen Österreich mit 1:5. Sechzehn Jahre später, 1920 in Antwerpen, war die deutsche Olympia-Mannschaft ähnlich schnell „draußen“. Im ersten Spiel gab es ein 4:0 gegen die Eidgenossen, dann war Uruguay, der spätere Olympiasieger, im Viertelfinale zu stark (1:4-Niederlage).

Berlin 1936 mit vorzeitigem Aus

Vor 80 Jahren bei den Olympischen Spielen enttäuschte die dortige deutsche Auswahl maßlos. Standesgemäß wurde zwar Luxemburg mit 9:0 in der ersten Begegnung bezwungen, aber dann stoppten die Norweger das deutsche Team im Viertelfinale (0:2-Niederlage).

Vierter Platz 1952 in Helsinki

Nach dem zweiten Weltkrieg war eine deutsche Fußball-Mannschaft bei den Spielen 1952 in Helsinki erstmals dabei.

Die westdeutsche Auswahl von Sepp Herberger, dem Weltmeister-Trainer von 1954, belegte einen ausgezeichneten vierten Rang, wobei Willi Schröder vom ATSV Bremen von 1860 mit vier Treffern der Torjäger des Teams war.

In der ersten Runde wurde gegen Ägypten mit 3:1 bzw. im Viertelfinale 4:2 nach Verlängerung gegen Brasilien gewonnen, im Halbfinale wurde nach großem Einsatz gegen Jugoslawien mit 1:3 verloren. Und Schweden siegte im Spiel um Bronze glücklich mit 2:0 gegen die (west-)deutsche Mannschaft.

In Melbourne 1956 war hingegen gleich im ersten Spiel Endstation. Gegen den späteren Olympiasieger Sowjetunion, der mit seinen „Staatsamateuren“ und damit auch dem besten Torwart aller Zeiten, Lew Jaschin, antrat, gab es aber nur ein knappes 1:2 aus deutscher Sicht. Das Spiel seinerzeit war sehr ausgeglichen.

Erste fußballsportliche Medaille für Deutschland 1964

Acht Jahre später vertrat eine DDR-Olympia-Auswahl mit den Rostockern Wolfgang Barthels, Herbert Pankau, Jürgen Heinsch und Klaus-Dieter Seehaus die deutschen Farben im Olympia-Turnier 1964 in Tokyo.

Die Vorrunde schloss das DDR-Team mit zwei Siegen (4:0 gegen den Iran und 2:0 gegen Mexiko) und einem Remis (1:1 gegen Rumänien) ab. Im Viertelfinale schaffte (Ost-)Deutschland ein 1:0 gegen Jugoslawien, zog im Halbfinale gegen die Tschechoslowakei den Kürzeren und behauptete sich im Spiel um Platz drei gegen die Vereinigte Arabische Republik (Ägypten) mit 3:1. Die erste olympische Fußball-Medaille für eine deutsche Mannschaft war damit perfekt.

Bronze-Zeit in München 1972 mit deutsch-deutschem Duell

Bronze folgte auch beim Olympia-Turnier 1972 in München. Dort traten zwei deutsche Teams, die DDR und Westdeutschland, an. Die DDR hatte dabei zwei Spieler des FC Hansa Rostock in ihren Reihen, Joachim Streich und als Ersatz-Torhüter Dieter Schneider. In der westdeutschen Mannschaft agierten unter anderem Uli Hoeneß, Ottmar Hitzfeld und Bernd Nickel. Die besten Torjäger seinerzeit waren Joachim Streich bzw. Bernd Nickel mit jeweils 6 Treffern sowie Ottmar Hitzfeld, Jürgen Sparwassser sowie Hans-Jürgen Kreische mit 5 Treffern.

In der Vorrunde klar weiter

In der Vorrunde sahen die deutschen Bilanzen noch folgendermaßen aus: Westdeutschland mit drei Siegen gegen Malaysia (3:0), gegen Marokko (3:0) bzw. gegen die USA (7:0) und die DDR mit zwei Siegen gegen Ghana (4:0) bzw. Kolumbien (6:1), bei einer Niederlage gegen Polen (1:2).

DDR mit Erfolg über Westdeutschland

In der Zwischenrunde mußten die doppelten Deutschen nicht nur gegen Mexiko und Ungarn antreten, sondern ebenfalls gegeneinander. Westdeutschland spielte gegen Mexiko 1:1, die DDR gewann gegen die Mexikaner hingegen mit 7:0. Gegen Ungarn verloren die beiden deutschen Teams (Westdeutschland mit 1:4 und die DDR mit 0:2).

Über den Einzug ins kleine Finale entschied dann das deutsch-deutsche Duell, wobei Westdeutschland einen Sieg benötigte. Die DDR setzte sich jedoch knapp mit 3:2 gegen Westdeutschland durch. Die Partie um Bronze endete gegen die Sowjetunion endete 2:2 nach Verlängerung und da es damals noch kein Elfmeterschießen zur Sieger-Ermittlung gab, erhielt sowohl die DDR als auch die Sowjetunion Bronze.

Erstes olympisches Fußball-Gold 1976 für ein deutsches Team

Endlich Fußball-Gold für eine deutsche Herren-Olympia-Auswahl folgte dann endlich 1976 in Montreal. Die DDR spielte in der Vorrunden-Gruppe A gegen Brasilien und Spanien. Der vierte Gegner Nigeria zog wegen des Afrika-Boykotts an den 1976er Spielen kurzfristig seine Teilnahme zurück.

Die DDR mit Gerd Kische vom FC Hansa Rostock und dem gebürtigen Stralsunder Hans-Ulrich Grapenthin als Ersatz-Torwart meisterte die Herausforderungen gegen Brasilien mit 0:0 bzw. gegen Spanien mit 1:0, jeweils in der Vorrunde, mit 4:0 gegen Frankreich im Viertelfinale, mit 2:1 gegen die Sowjetunion im Halbfinale und schließlich mit 3:1 im Finale gegen Polen.

Moskau 1980 mit Silber

In Moskau 1980 mit den gebürtigen Rostockern Bernd Jakubowski bzw. Norbert Trieloff und dem gebürtigen Schweriner Wolf-Rüdiger Netz folgte Silber für die DDR-Olympia-Mannschaft im Fußball. Die Spiele sahen dabei folgendermaßen aus: in der Vorrunde 1:1 gegen Spanien, 1:0 gegen Algerien bzw. 5:0 gegen Syrien, im Viertelfinale 4:0 gegen den Irak, im Halbfinale 1:0 gegen die Sowjetunion und im Finale ein 0:1 gegen die Tschechoslowakei.

L.A. 1984 ohne DDR, aber mit Westdeutschland

Für das olympische Fußball-Turnier 1984 in Los Angeles hatte sich die DDR-Mannschaft ebenfalls qualifiziert, nahm aber aufgrund des Boykotts vieler „Ostblock“-Staaten nicht an den Spielen teil. Dafür rückte die westdeutsche Auswahl nach und spielte eine gute Vorrunde gegen Marokko (2:0), gegen Brasilien (0:1) und gegen Saudi-Arabien (6:0). Im Viertelfinale waren allerdings die Jugoslawen zu stark, die westdeutsche Auswahl unter anderem mit Guido Buchwald unterlag mit 2:5.

1988 in Seoul mit Bronze

Und in Seoul 1988 war letztmalig eine deutsche Olympia-Auswahl im Herren-Fußball bei Olympischen Spielen dabei. Die westdeutsche Mannschaft mit Jürgen Klinsmann  konnte die Vorrunde mit zwei Siegen (gegen China mit 3:0 und gegen Tunesien mit 4:1), bei einer Niederlage (gegen Schweden mit 1:2) abschließen.

Im Viertelfinale hatte Sambia beim 0:4 keine Chance und im Halbfinale war Dramatik pur angesagt. Gegen Brasilien stand es nach Verlängerung 1:1 und im Elfmeterschießen waren die Brasilianer mit 3:2 die Nervenstärkeren. Bronze ließ sich das westdeutsche Team aber nicht nehmen und besiegte im Spiel um Platz drei Italien mit 3:0.

Wieder Zeit für eine deutsche Olympia-Medaille im Herren-Fußball

Und nun wäre es wieder einmal an der Zeit für eine deutsche Olympia-Medaille im Herren-Fußball… Die deutschen Fußball-Frauen erkämpften zumindest 2000, 2004 und 2008 jeweils Bronze.

Überraschungen beim Turnier 2016

Überraschungen gab es aktuell beim olympischen Heren-Fußball-Turnier 2016 insofern, dass die Süd- und Mittelamerikaner alles andere als dominant sind, wie allgemein erwartet wurde.

Portugal bezwang den zweifachen Olympiasieger (2004, 2008) Argentinien mit 2:0 und war auch gegen Honduras mit 2:1 siegreich. Brasilien kam bislang sowohl gegen Südafrika als auch gegen den Irak jeweils über ein 0:0 nicht hinaus. Gegen Dänemark könnte sogar das vorzeitige Aus für den Olympia-Gastgeber folgen. Auch Kolumbien (bislang zwei Remis) und der 2012er Olympiasieger Mexiko (ein Remis, ein Sieg) überzeugten bislang nicht sonderlich. Aber erst mit den Viertelfinals geht es ja im olympischen Fußball-Turnier „so richtig“ los…

Marko Michels