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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Der „Fall Julia Jefimowa“

… oder wie Sport-Deutschland die eigene Historie vergisst


Der „Fall Julia Jefimowa“ ist plötzlich in den deutschen Sekundärmedien. Der anmutige, polyglotte und russische Sportstar, Jahrgang 1992,  im Schwimm-Becken ist plötzlich das „Bad Girl“ des internationalen Sportes. Die Olympia-Dritte von 2012, dreifache Europameisterin, die in Kazan 2015 schon zu einmal WM-Gold kam, ist allerdings „eine gefallenene Heldin“.

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Ein verbotenes Steroid wurde bei ihr 2013 festgestellt, das angeblich unwissentlich mit einem Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wurde. Ihre Strafe betrug 16 Monate „Becken-Verbot“, die rechtzeitig vor den WM 2015 ablief. Was aber nun deutsche Sekundärmedien für einen „Aufriss“ darum gestalteten, gehört schon in die Kategorie „Pharisäertum hoch 32“.

Dass auch die Athletinnen und Athleten vom „großen Bruder“ und der „großen Schwester“ U.S.A. mit bemerkenswert schnellen Zeiten im Schwimmbecken glänzen, wie „die Freundinnen und Freunde“ aus Ungarn, Frankreich, Großbritannien oder Schweden gerät da in den Hintergrund. Einige von denen hatten dabei auch schon mit seltsamen Werten oder Sperren zu kämpfen.

Aber was ist das schon im Vergleich zu Russland und Julia Jefimowa?! Zumindest ist es aus deutscher Sekundärmedien-Sicht vor allem peinlich! Kein Wunder, dass deren Auflagen sinken. Sogar gut so! Am besten verschwinden derartige Print- und zwangsfinanzierte GEZ-Medien gleich völlig!

Denn: Diese geben nur einseitige Sichtweisen wieder…

Ein Blick in die (Sport-)Geschichte:

Die Deutschen und Olympia

Tja, die Deutschen und Olympische Spiele. Wenn es um den Missbrauch der olympischen Idee waren gerade sie immer vorn!

Zwischen Kaiser und Führer: „Olympia“

Schon vergessen, was bei den Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen – ein gewisser Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg war seinerzeit Mitglied des IOC und des Organisationskomitees von GAP – und dann bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin ablief?

Als ein „Führer“ und dessen braunes Gefolge die Welt mit einem friedlichen falschen Lächeln begrüsste, um nur von seinem wahren Ziel, der Eroberung der Weltherrschaft, abzulenken. Hinterhältig wurde die olympische Idee damals in ihr Gegenteil verkehrt, so hinterhältig, wie die braunen Truppen drei Jahre später gegen die Welt vorgingen – der Holocaust, 60 Millionen Tote am Ende des zweiten Weltkrieges „dank“ deutscher Eroberungsgelüste sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

Und wie war das unter dem Kaiser Wilhelm II.?! 1900 war das Jahr der zweiten Olympischen Spiele der Neuzeit in Paris. Von olympischer Friedlichkeit war in Deutschland aber keine Rede! Im Gegenteil! Der deutsche Kaiser rief zur blutigen Niederschlagung des Boxer-Aufstandes in China auf: „Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!“.

Vier Jahre später noch schlimmer… 1904 – im Jahr der dritten Olympischen Spiele der Neuzeit in Saint Louis: In „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia, fand auf Geheiss des deutschen Kaisers der erste Völkermord des 20.Jahrhunderts statt – der Völkermord an den Herero und Nama, der bis 1908 andauerte!

1900 mussten Sportler, wie der Schwimmer und zweifache Olympiasieger Ernst Hoppenberg, Oscar Gossler, Walter Katzenstein, Waldemar Tietgens, Gustav Gossler sowie Carl Heinrich Gossler, alle Olympiasieger im Vierer mit, und Martin Wiesner, Heinrich Peters, Ottokar Weise und Georg Naue, alle Olympiasieger im Segeln (1-2-Tonnen-Klasse), von deutschen Schandtaten „Made in Germany“ ablenken. 1904 waren das dann die Schwimmer und Olympiasieger Emil Rausch (zweimal), Walter Brack und Georg Zacharias …

Zwar hielt der Kaiser und sein Gefolge nicht viel von der Völker verbindenden Idee Olympias, aber manche sportliche Siege können ja aus politischen Gründen sehr nützlich sein!

Wie 32 Jahre später, 1936 in Berlin, als die deutschen Sportlerinnen und Sportler Platz eins im Medaillenspiegel der Sommerspiele unter dem Hakenkreuz belegten!

Wir sind die Größten…

Und das deutsche „Wir-sind-die Größten“-Gefühl wurde nach 1945 im Sport weiter zelebriert, etwa als „das real sozialistische Reich“, die DDR, 1984 bei den Winterspielen die Nummer eins wurde und es – ohne den Boykott des grossen Bruders in Moskau – auch in Los Angeles bei den Sommerspielen geworden wäre.

Ganz frech wurden ja bereits 1976 in Montreal, bei den Sommerspielen, die Medaillen von Deutschland-Ost und Deutschland-West von einigen Großspurigen zusammen gerechnet: „Groß-Deutschland“ 50 x Gold und das „Großrussische Reich“, die Sowjetunion, „nur“ 49 x Gold.

Bei den Winterspielen 1992 in Albertville, 1998 in Nagano und 2006 in Turin wurde das pseudo-demokratische vereinte Deutschland dann dreimal ganz offiziell die Nummer eins in etwas, was offiziell gar nicht existiert – im Medaillenspiegel.
Jubel setzte ein – bei den Sportpolitikern, Sponsoren, Mainstream-Journalisten und Sportfunktionären, mehr Jubel als bei den Sportlerinnen sowie Sportlern, die die Leistung erbrachten.

Die Herren und Damen Sportpolitiker und Sportfunktionäre sahen sich angesichts der Medaillenschwemme überzeugt, dass sie mit ihren Regierungskünsten und ihrem funktionärstechnischen Agieren daran einen wesentlichen Anteil hatten – Devise: Wählt uns und die Zeiten sind goldig, silbern und „bronzen“… Der Polit-Tourismus in die Olympiaorte war auch nach 1990 wieder einmal einprägsam: Olympia im Dienste der neuen deutschen Politik!

Entwicklungen nach 1970

Olympia und Deutschland. Das waren nicht zuletzt die Spiele 1972 in München. Heiter war es dort nur bedingt. Deutschland hatte der Welt`72 friedliche Spiele versprochen. Auch insbesondere wegen deutscher Inkompetenz in Sicherheitsfragen kamen letztendlich 11 israelische Sportler ums Leben… Verantwortlich fühlte man sich in Deutschland daran nicht, jedenfalls nicht so richtig.

Und auch die Deutschen in Ost, West und „vereint“ dopten „auf Teufel komm raus“. In diesem Jahr wird der 25.Geburtstag des Landessportbundes M-V gefeiert, aber eine richtige Aufarbeitung der Sportgeschichte in M-V von 1945 bis 2015 hat es bis zum heutigen Tag nicht gegeben. Die Namen der Olympiasiegerinnen und Olympiasieger aus dem Nordosten, die dank Dopings zu ihren Siegen kamen, sind hinlänglich bekannt. Konsequenzen gibt es für diese bis dato nicht. Als Vorbilder sollen diese dennoch dienen. Mehr Verlogenheit geht gar nicht mehr…

Wie wir alle mittlerweile wissen, wurde in Deutschland-Ost und Deutschland-West flächendeckend gedopt, zwischen 1950 und 1990. Auch hier sind viele Namen bekannt – und was folgte: NICHTS! Deutsche Doping-Fälle gab es auch nach 1990 – nicht wenige! Aber was passierte?! Kaum Nennenswertes, nur sportpolitische Verbalakrobatik und Aktionismus!

Die Deutschen und Olympia bzw. der Hoch-Leistungssport. Wenn es um Kritik an Anderen geht, sollte man sich daher hierzulande tunlichst zurück halten.

Deutsche Inkompetenz lässt sich zudem zwischen Hamburger Elbphilharmonie, bayrischer Amigo-Wirtschaft, rot-grüner Höchstverschuldung in NRW, Stuttgart 21, Nürburgring, „Stillstand-GroKo“ und Berliner Flughafen – nur sieben Beispiele von vielen – anno 2015 außerdem bestens besichtigen.

Julia Jefimowa hat ihre Strafe „abgesessen“. Sie kann und darf wieder starten. Konkurrentinnen, die „eisig“ auf diese „Rückkehrerin“ reagieren, sollte man lieber nicht als „Kronzeuginnen“ auftischen. Auch deren Urin- und Blutproben werden ja eingefroren. Neue Testmöglichkeiten werden bestimmt entwickelt.

Übrigens: Wer ist eigentlich noch so naiv und glaubt, dass es „im großen Sport“ aufrichtig zugeht?!

Marko Michels

Foto/Michels: Still ruht der See. Am besten „dopingfrei“ selbst hinein springen!


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