Der Eurovision Song Contest: Zwischen Historie und Gegenwart

Ukrainischer Sieg 2016 in Stockholm

Seit 1956 gibt es sie nun schon – die Gesangs-Europameisterschaften. Was einst im eidgenössischen Lugano begann, ist mittlerweile ein abwechslungsreiches „same procedure as every year“ im Monat Mai.

Während bald die fußballsportliche 15.EURO ab 10.Juni in Frankreich ruft, prüfte zunächst erst einmal ganz Europa, wer denn nun die gesanglich stärksten Kehlen hat.

Zum 61.Eurovision Song Contest in Stockholm hatten 43 Länder gemeldet, die natürlich vor allem eines wollten – gewinnen.

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Das schaffte Deutschland in der Vergangenheit zweimal. Im Jahr 1982 war Nicole mit „Ein bisschen Frieden …“ die Beste. 28 Jahre später (2010)  folgte Lena mit “Satellite“ auf dem obersten Siegerpodest. Die deutsche Vertreterin Jamie-Lee hoffte mit seinem Song „Ghost“ zumindest auf einen Rang unter den besten Zehn.

Ansonsten erkämpften in der ESC-Geschichte bislang 26 Länder „Gold“. Sehr erfolgreich waren dabei die Iren mit 7 x Platz eins, Schweden mit 6 x Platz eins und Frankreich, Großbritannien sowie Luxemburg mit jeweils 5 x Platz eins.

Die Eidgenossin Lys Assia mit „Refrain“ konnte 1956 die Premieren-Veranstaltung siegreich gestalten und der vorerst letzten Gewinner war Mans Zelmerlöw aus Schweden mit dem Song „Heroes“.

„Hammer-Songs“ oder nicht…

So “richtige Hammer-Songs” mit entsprechenden charismatischen Interpreten waren in der Geschichte des Wettbewerbes allerdings längst nicht immer die Regel. Aber es gab natürlich stets auch herausragende Interpretinnen und Interpreten. Die Ukrainerin Ruslana verband zum Beispiel allerdings 2004 Stimme mit Anmut und wurde nicht nur in der Heimat ein Star. Sogar auf der Hamburger Fan-Meile während der Fußball-WM 2006 hatte sie starke Auftritte!

Stark in Szene setzen konnten sich beim europäischen Gesangswettbewerb auch ABBA 1974 mit ihrem Song “Waterloo”, Johnny Logan 1987 mit “Hold Me Now”, 1976 die Brotherhood of Man mit “Save Your Kisses For Me” oder 1968 Cliff Richard mit “Congratulations”.

Der Höhepunkt aus deutscher Sicht war – trotz des Erfolges der großartigen Lena – der Auftritt von Nicole mit “Ein bisschen Frieden” 1982 – passend zur damaligen Zeit.

Der Contest 2016

Passend zur heutigen Zeit verlief dann auch das ESC-Finale am 14.Mai 2016, über dessen Ausgang heftig diskutiert wird, wobei nicht nur künstlerische, sondern auch  politische Maßstäbe eine Rolle spielen und spielten.

Beim 61.Eurovision-Song-Contest in Stockholm gab es nun einen ukrainischen Erfolg durch Jamala („1944“) – den zweiten für die Ukrainische Republik durch die bereits erwähnte Ruslana 2004  – vor Australien mit Dami Im („Sound of Silence“), Russland mit Sergej Lasarew („You Are the Only One“) und Bulgarien mit Poli Genowa („If Love Was a Crime“). Die deutsche Vertreterin Jamie-Lee („Ghost“) wurde im Finale leider nur 26.. Spielten bei diesem ESC-Wettbewerb die Fairness und die künstlerische Maßstäbe allein eine Rolle?! Das muß die neutrale Beobachterin und der neutrale Beobachter jeweils für sich entscheiden.

Glückwunsch an Jamala, die mit ihrem Song ein historisches Thema ansprach, das in die Vergessenheit geriet.

Wie meinte schon Willy Brandt: „Wo immer schweres Leid über die Menschen gebracht wird, geht es uns alle an! Vergessen wir nie: Wer Unrecht lange gewähren läßt, bahnt dem nächsten den Weg…“

Auch Deutschland trägt an vielen negativen Entwicklungen  in Europa und in der Welt eine wesentliche Mitschuld.

Dank des ESC wurde wieder daran erinnert! Stimmungen zu erzeugen, reicht nicht. Mitunter muß auch die Stimme erhoben werden. Wie es Jamala tat, wie es aber auch – auf andere Weise – Dami, Sergej, Poli oder Jamie-Lee taten. Es geht nicht nur um „das Siegen“, sondern auch um das „Herzblut“ hinter dem Ganzen!

Marko Michels