Uni Rostock testet in einem Großversuch neue Materialien

Knapp fünf Monate nach dem Start des EU-Projektes „Dredgdikes“ an der Universität Rostock, das in den nächsten drei Jahren die Anwendung von Baggergut im Deichbau erforschen wird, sind die Arbeiten gut angelaufen. „Die neuen Bauweisen, die wir entwickeln, rufen international großes Interesse hervor“, sagt Prof. Dr. Fokke Saathoff vom Lehrstuhl für Landeskulturelle Ingenieurbauwerke, Geotechnik und Küstenwasserbau der Universität Rostock. Er koordiniert gemeinsam mit Dr. Stefan Cantré das mit 1,85 Millionen Euro vom South Baltic Programm finanzierte EU-Projekt, an dem unter anderem die Technische Universität Gdansk (Polen), drei weitere Partner aus dem Raum Rostock sowie Wissenschaftler, Behörden und Unternehmen aus Deutschland, Polen, Litauen und Lettland beteiligt sind.

„Voraussichtlich im Herbst werden wir auf den Spülfeldern der Hansestadt Rostock mit dem Bau von großmaßstäblichen Versuchsdeichen beginnen“, informiert Dr. Cantré. Das Versuchsbauwerk wird gut drei Meter hoch sein sowie eine Länge von etwa 200 Metern und eine Breite bis zu 40 Meter haben. Untersucht wird unbelastetes, sehr feinkörniges Baggergut aus Flussmündungen und Bodden Mecklenburg-Vorpommerns, das meist hohe organische Anteile aufweist. Es werden sowohl See- als auch Flussdeichquerschnitte hergestellt – insgesamt etwa 20 Varianten.

Die Rostocker Wissenschaftler wollen herausfinden, ob sich verschiedene Arten von Baggergut als Baustoffe für den Deichbau eignen, und in welchen Fällen man die Eignung herbeiführen kann, indem man beispielsweise Geokunststoffe zur Bodenstabilisierung nutzt. Das Baggergut soll den üblicherweise verwendeten Mergel ersetzen, der aufwändig und unter zum Teil großem Eingriff in die Landschaft aus natürlichen Lagerstätten gewonnen werden muss. Ein wichtiges Kriterium einer Deichdeckschicht ist deren Erosionsstabilität. „Wir gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass der Nachweis der Erosionssicherheit gelingen wird“, beurteilt Dr. Henneberg, Baggergutspezialist vom Steinbeis-Transferzentrum für Angewandte Landschaftsplanung Rostock, der im Projekt für die Umweltaspekte zuständig ist. In welchen Fällen dafür die Unterstützung durch Geokunststoffe notwendig ist, wird im Projekt untersucht.

Parallel zu den Forschungen in Rostock wird in Danzig ein Versuchsdeich unter identischen Fragestellungen, aber anderen Lösungsansätzen hergestellt. Dort wird der Einsatz verschiedener Aschen als Bodenverbesserung untersucht um gleichkörnige Feinsande im Deichbau einsetzen zu können.

„Ein wichtiges Ziel ist die Information der Öffentlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern und in der gesamten südlichen Ostseeregion über jede Phase des Projektes“, betont Dr. Cantré. Auskunft über das Vorhaben finden Interessierte auf der projekteigenen Internetseite www.DredgDikes.eu.

„Deichbau ist für Deutschland und Polen sowohl an der Ostseeküste als auch an den großen Flüssen ein wichtiges Thema“, betont Prof. Saathoff. Deshalb werde sich sein Lehrstuhl in weiteren Projekten mit der Standsicherheit verschiedener Konstruktionen des Deichbaus befassen.

Quelle: Universität Rostock