Datenmissbrauch, Telefonterror und Abzocke

Gemeinsame Aktion der Verbraucherzentralen gegen: Datenmissbrauch, Telefonterror und Abzocke – Betroffene sollen sich beschweren

Millionen Verbraucher in Deutschland werden täglich immer noch durch unerlaubte Telefonwerbung in ungewollte und ungünstige Verträge reingezogen. Und das trotz eines neuen Gesetzes. Die Verbraucherzentralen wollen es jetzt genau wissen: Um die Lücken im gesetzlichen Schutz vor Telefonwerbung zu dokumentieren, tragen sie in den nächsten drei Monaten Beweise für unerwünschte Telefonwerbung zusammen. Beschwerdeformulare finden Betroffene ab 22. 3. 2010 sowohl auf der Internetseite der Neuen Verbraucherzentrale als auch in den Beratungsstellen.

Isolde K. aus Stralsund:  „Plötzlich war mein Konto geplündert. Vor zwei Monaten fing es an. Per Telefon wurde mir ein Lotto-Abo zur Probe aufgedrängt. Dann meldeten sich noch andere Firmen, die ich alle abgewiesen habe. Trotzdem schickten sie mir einen Vertrag zu und buchen von meinem Konto ab.  Ich weiß nicht mehr weiter.“

Unzählige Verbraucher klagen ähnlich über die permanente Störung durch laufende unerwünschte Werbeanrufe. Obwohl am 4. August 2009 das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung in Kraft getreten ist, erreicht die Verbraucherzentrale nach wie vor eine Vielzahl derartiger Beschwerden. Anbieter von dubiosen Gewinnspielen und Lotteriespielgemeinschaften fallen besonders auf. Aber auch untergeschobene Verträge und nicht legitimierte Kontoabbuchungen gehören zum üblen Geschäft des eiskalten Telefonterrors. Tausende Verbraucher, vor allem ältere, sind auch in Mecklenburg-Vorpommern betroffen, meint der Jurist Matthias Wins von der Neuen Verbraucherzentrale. Das Gesetz wirke offenbar nicht so, wie von der Politik gewollt.

Nach dem Willen des Gesetzgebers soll das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung erst nach Ablauf von drei Jahren überprüft werden. Bis dahin wollen die Verbraucherschützer nicht warten. Sie rufen Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, ihre Erfahrungen mit belästigender Telefonwerbung mitzuteilen und in einem bereit gestellten Formular (entweder über die Beratungsstellen oder online unter www.nvzmv.de ) zu dokumentieren. Die eingehenden Beschwerden werden statistisch erfasst und ausgewertet und die Fakten der Politik vorgelegt. Unerlaubte Telefonwerbung lässt sich nur dann nachhaltig unterbinden, wenn sie sich für Anbieter tatsächlich nicht mehr lohnt. Die effektivste Regelung wäre eine gesetzlich vorgesehene schriftliche Bestätigung der Verträge, die am Telefon abgeschlossen wurden.

Die Auswertung der Verbraucherbeschwerden soll dazu beitragen, der Forderung der Verbraucherzentralen deutlich Nachdruck zu verleihen, den Schutz der Verbraucher gegen unerlaubte Telefonwerbung erneut zu verschärfen.