Der CDU-Landtagsabgeordnete von M-V Sebastian Ehlers über den Kanzler der Einheit, Dr. Helmut Kohl

Eine politische Persönlichkeit, die zwischen 1990 und 1998 auch Mecklenburg-Vorpommern, speziell Schwerin, oftmals besuchte, verstarb am 16.Juni – Dr. Helmut Kohl, der sechste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und „Kanzler der deutschen Einheit und europäischen Einigung“.

Aktuell wird Helmut Kohl allerorten gelobt, von vermeintlichen politischen Freunden wie Gegnern. Seine Kanzlerschaft ist jedoch eine zweigeteilte: jene zwischen 1982 und 1990 und jene zwischen 1990 und 1998.

Bereits 1989 waren die Westdeutschen seiner überdrüssig, trotz der wirtschaftlichen Anfangserfolge zu Beginn seiner Kanzlerschaft 1982/83 bis hin zum Jahr 1987. 1989 stand er allerdings, sogar in den eigenen Reihen, vor der Abwahl. Ohne die friedlichen Umwälzungen in der damaligen DDR dank der Glasnost- und Perestroika-Politik von Michail Gorbatschow wäre Kohl vermutlich 1990 nicht ein weiteres Mal zum Kanzler gewählt worden…

So ergriff er aber die historische Chance und gestaltete die politische Einheit von alter Bundesrepublik und DDR, die ja im engeren Sinne keine Wiedervereinigung war, maßgeblich mit. Zudem forcierte er parallel dazu den europäischen Einigungsprozess. Beides sind bleibende Verdienste von Helmut Kohl.

Es gab aber nicht nur den Einheitskanzler, sondern auch den Machtpolitiker Kohl, der oftmals auf nichts und niemanden Rücksicht nahm.

Wie bewerten aber die nachfolgenden politischen Generationen – gerade in der CDU – die Leistung Helmut Kohls?!

Nachgefragt bei Sebastian Ehlers, Landtagsabgeordneter der CDU M-V

Sebastian Ehlers über den Politiker Dr. Helmut Kohl

„Das Positive überwiegt deutlich…“

Frage: Eine CDU-Ikone verstarb Mitte Juni, ein herausragender deutscher Kanzler zudem. Wie bewerten Sie, Herr Ehlers, die Lebensleistung des Kanzlers Kohl, den Sie ja noch in politischer Aktion erlebten?

Sebastian Ehlers: Meine Generation ist mit Helmut Kohl als Bundeskanzler aufgewachsen. Helmut Kohl ist der Kanzler der Deutschen Einheit. Er hat nach der friedlichen Revolution in der DDR die Initiative ergriffen und die Einheit gegen alle Widerstände im In- und Ausland durchgesetzt. Gleichzeitig hat er die europäische Einigung vorangetrieben und ist einer der Väter des Euros. Das macht ihn zu einem großen europäischen Staatsmann.

Frage: Kohl polarisierte die Gemüter ähnlich wie Willy Brandt. Er machte riesige Fehler, war gegenüber politischen Gegnern oftmals nicht fair und verantwortete auch die Spendenaffäre Ende der 1990er Jahre, die die CDU fast zerstörte. Was glauben Sie, wird im politischen Rückblick überwiegen: das Positive oder das Negative an Helmut Kohl?

Sebastian Ehlers: Alle Menschen und auch Politiker machen Fehler, das gehört zum Leben dazu. Aus meiner Sicht überwiegt deutlich das Positive. Das haben auch die Würdigungen, nicht zuletzt beim ersten Europäischen Staatsakt in Straßburg, gezeigt.

Frage: Kohl trat stets für ein Europa selbstbewusster und eigenständiger Nationalstaaten ein, die gemeinsam in einem gemeinsamen europäischen Haus eng miteinander kooperieren. Inzwischen, so hat man den Eindruck, streben CDU und SPD den europäischen Einheitsstaat bei Aufgabe der nationalen Identitäten an… Wird Kohls Lebenswerk zunichte gemacht?

Sebastian Ehlers: Dieser Eindruck täuscht. Für die SPD kann ich an der Stelle nicht sprechen. Die CDU strebt einen europäischen Einheitsstaat jedenfalls nicht an.

Frage: Wie angesprochen, war Kohl ein Politiker mit Ecken und Kanten. Heute wirken viele Nachwuchspolitiker von CDU, SPD, FDP und Grünen nur noch stromlinienförmig, mehr Gel im Haar als Geistesblitze im Kopf…Warum gibt es immer weniger Kohls und immer mehr politische „Lemminge“?

Sebastian Ehlers: So pauschal würde ich das nicht sagen. Wir haben viele junge Leute in der Politik, die auch selbstbewusst ihr Meinung vertreten. Im Gegensatz zu früheren Zeiten wird heute aber jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Manche junge Politiker haben auch schon einen Shitstorm im Netz erlebt, das schreckt vielleicht einige ab. Ich würde mir deshalb in einigen Debatten manchmal mehr Gelassenheit wünschen.

Letzte Frage: Die CDU der Nach-Kohl-Ära… Wo verorten Sie diese? Die Deutschen denken ja gern in Schubladen und inzwischen „stecken“ viele die CDU in die „Schublade weit links“…

Sebastian Ehlers: Die CDU ist die Volkspartei der Mitte mit konservativen, liberalen und christlich-sozialen Wurzeln. Das war unter Helmut Kohl so, ist jetzt so und wird auch in Zukunft so sein.

Vielen Dank und weiterhin bestes politisches Engagement!

Die Fragen stellte: M.Michels

Foto (S.Ehlers/privat): Sebastian Ehlers, CDU-Landtagsabgeordneter von M-V.