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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Das Jahr 2015 – aus Sicht der IHK zu Rostock

Nachgefragt bei Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK zu Rostock

Die Jahre 2014 und 2015 waren wirtschaftlich betrachtet eher ein schwierige. Die Weltwirtschaft schwächelt weiterhin. Die Wachstumslokomotiven China und Deutschland sind längst nicht mehr so „in Fahrt“, die Finanz- sowie Schuldenkrise bzw. die strukturelle Krisen in den meisten europäischen Ländern sind längst nicht überwunden, die Schwellenländer a la Indien, Brasilien oder Russland haben immense Probleme und dazu gibt es weltweit mehr als 50 Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen.

Noch ist die deutsche Wirtschaft robust genug, um gegen den allgemeinen Trend eine positive Entwicklung zu verzeichnen.

„Fachkräftemangel“, „Flüchtlingszustrom“, „Russland-Sanktionen“, „China-Delle“, „Absatz-Schwäche in Südeuropa“ oder „Mindestlohn“ stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen – auch in M-V.

Wie ist es aber um das wirtschaftliche Wachstum bei den Firmen und Unternehmen in der Region Rostock bestellt?!

Claus Ruhe Madsen 1_Foto Christian Rödel komprimiert

Nachgefragt bei Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK zu Rostock

C. R. Madsen über die die Entwicklung der IHK zu Rostock 2015, die regionale wirtschaftliche Situation, den vermeintlichen „Fachkräftemangel, die Zufriedenheit der Unternehmen und kommende Herausforderungen 2016

„Viele Herausforderungen sind zu meistern…“

Frage: „Handwerk und Handel haben einen goldenen Boden!“, lautet ein altes Sprichwort. Nur der Gold-Preis sinkt weltweit… Gilt das auch für die Entwicklung der Rostocker mittelständischen Betriebe oder ist noch alles „im grünen Bereich“?

Claus Ruhe Madsen: Die Lage der IHK-zugehörigen Unternehmen stellt sich gemäß der Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Oktober 2015 weiterhin sehr positiv dar und hat sich im Vergleich zur Vorumfrage nochmals leicht verbessert.

Knapp 52 Prozent der Umfrageteilnehmer beurteilen ihre wirtschaftliche Situation positiv. Lediglich sieben Prozent schätzen ihre Lage als schlecht ein (Mai 2015: 8 Prozent).

Besonders die Bauwirtschaft und das Gastgewerbe registrieren sehr gute Werte. Dagegen vermelden der Handel und die Dienstleistungswirtschaft – auf hohem Niveau – leicht rückläufige Geschäfte.

Frage: Wie beurteilen Sie die politischen Rahmenbedingungen in der Region Rostock für die Entwicklung der mittelständischen Betriebe?

Claus Ruhe Madsen: Unser Land hat viele Herausforderungen: den Ausbau digitaler Infrastruktur, E-Government und ähnliches als „Pilot“, Modernisierung der Verwaltung, Bürokratieabbau, Schaffung eines gründer- und unternehmerfreundlichen Klimas.

Frage: Ein „ewig“ gleiches Diskussionsthema ist jenes vom angeblichen Fachkräftemangel, von dem ja allerdings nur ganz spezielle Bereiche betroffen sind. Es werden ja nun nicht gerade Kunsthistoriker, Soziologen, „Beamte“ oder Friseurinnen „händeringend“ gesucht – oder?

Claus Ruhe Madsen: Befragt nach den größten Hemmnissen oder Problemen für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten, haben auch im Oktober 2015 knapp der Hälfte der Unternehmen den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in den nachgefragten Qualifikationen (!) als größten Sorgenfaktor benannt. Am stärksten betroffen sind derzeit die Bauwirtschaft (64 Prozent) und das Gastgewerbe (62 Prozent).

Frage: Zwar steht uns noch die schönste Zeit des Jahres bevor – mit Weihnachten, Silvester und Neujahr – aber bereits jetzt schon ein Blick „in die Kristallkugel“ 2016… Wie ist die wirtschaftliche Prognose der IHK zu Rostock für das Jahr 2015?

Claus Ruhe Madsen: Befragt nach den Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate zeigte sich in der Herbst-Konjunkturumfrage eine weiterhin überwiegende Zuversicht der Unternehmen. Gleichwohl stellen sich die Erwartungen über alle Branchen hinweg etwas zurückhaltender dar.

Gingen im Mai noch 26 Prozent der Unternehmen von einer weiteren Verbesserung und nur zwölf Prozent von eine Verschlechterung ihrer Lage aus, so reduziert sich dieses Verhältnis im Oktober etwas: 23 Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus und 16 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte.

Dies kann als ein Indikator für eine leichte Abschwächung der konjunkturellen Dynamik gewertet werden.

Es ist zudem davon auszugehen, dass anhaltend niedrige Ölpreise zu Konsumsteigerung führen und möglicherweise auch durch die Flüchtlinge Bedarf entsteht, wovon auch der Handel profitieren kann.

Eine weitere Stärkung unserer Region im Tourismus und die Chancen der erneuerbaren Energien könnten weiter zu einer Belebung führen.

Zudem wäre es gewiss ein kluger Schritt, hier in der Region zuzusehen, dass unsere Unternehmer bei den dänischen Nachbarn einen Teil des Volumens vom Bau-Boom abbekommen. Das geht natürlich nur, wenn wir uns aktiv in die Region einbringen. Hier hat die IHK zu Rostock 2016 ganz klar einen Schwerpunkt für 2016: Wir wollen die Geschäftsbeziehungen zu Dänemark und zu Skandinavien allgemein vertiefen.

2016 stehen zudem Landtagswahlen bevor und es wäre wünschenswert, wenn aktive Wirtschaftspolitik und kein Aussitzen betrieben würde.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement für die IHK zu Rostock, schöne Feiertage und ein optimales 2016!

Die Fragen stellte: M.Michels.

Foto: Claus Ruhe Madsen, Präsident der IHK zu Rostock (Aufnahme: IHK zu Rostock).


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