Gastland Georgien mit 25 Filmen, Filmkonzert, Lesung, Ausstellung und Eröffnungsband umfassend vertreten

Impression von der Eröffnungsveranstaltung des 20.Filmkunstfestes M-V. M.M.

Seit Ende März 2018 können im Festivalkino Filmpalast Capitol Schwerin Karten für die Eröffnungsfeier (1. Mai, 19.30 Uhr), die Preisverleihung (5. Mai, 19 Uhr), die Kurzfilmnacht (4. Mai, 20 Uhr)und das diesjährige Filmkonzert (2. Mai, 20 Uhr) des 28. FILMKUNSTFESTs MV (1.-6. Mai 2018) erworben werden.

Das Filmkonzert ist in diesem Jahr Teil des Programms des Gastlandes Georgien: Der sowjetisch-georgische Stummfilm CHEMI BEBIA (MEINE GROSSMUTTER) von 1929 ist eine groteske Komödie, die sich mit satirischem Spott gegen Bürokratie, Spießbürgertum und Karrierismus wendet und über 50 Jahre unter Verschluss gehalten wurde.Mit unterschiedlichsten Tricktechniken und Bildeffekten aus dem Avantgardefilmbereich erzählt Regisseur Kote Mikaberidzedie Geschichte eines Bürokraten, der entlassen wird und vergeblich nach einer neuen Arbeit sucht, bis ihm ein Freund erklärt, dass er eine ‚Großmutter‘ braucht – eine Protektion… Seine bissige Ironie und der visuelle Einfallsreichtum machen CHEMI BEBIA zu einem Meisterwerk seiner Zeit.

Der Film wird am Flügel begleitet von der gefeierten georgischen Konzertpianistin Dudana Mazmanishvili, die bereits als Achtjährige mit dem georgischen Staatsorchesterdebütierte. Technische Perfektion, Virtuosität und kaukasisches Temperament zeichnen ihr Klavierspiel aus, für das sie zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben, u.a. in München, Paris und Washington erhielt. Neben ihrer pianistischen Karriere ist sie als Kulturattachée der Georgischen Botschaft in Berlin tätig.

Auch zur Eröffnungsfeier erwartet die Gäste Musik aus dem Gastland Georgien: die Young GeorgianLolitaz aus Tiflis. Die im Jahr 2000 gegründete, vierköpfige Rockband um Frontmann Niko Kocharoverrang besondere Bekanntheit beim Eurovision Song Contest 2016, als sie ihr Heimatland mit dem Song „Midnight Gold“ in Stockholm vertraten. Die Schweriner Festivalbesucher dürfen sich über einen der seltenen deutschen Live-Auftritte der europaweit auf Rockfestivals gefeierten Band freuen.

Zur Preisverleihung wird neben vielen Filmteams und Festivalgästen vor allem der Ehrengast, Schauspieler Henry Hübchen, erwartet, der aus den Händen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Auszeichnung für sein Lebenswerk, den „Goldenen Ochsen“, erhält. Außerdem werden an diesem Abend zwölf weitere Preise mit einem Gesamtwert von 47.000 Euro vergeben, darunter der Hauptpreis für den besten Film des Spielfilmwettbewerbs, der „Fliegende Ochse“, der von der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern vergeben wird. Für die musikalische Untermalung sorgt in diesem Jahr wieder die 20köpfige Rostocker Formation The Jellyfish Jazz Orchestra, die in der Kategorie „Big Band“ beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Hildesheim ausgezeichnet wurde.

Zur Eröffnungsfeier und Preisverleihung führt der beliebte und für seine Arbeit als Filmjournalist auf „Radio1“ preisgekrönte Moderator Knut Elstermann durch dieAbende.

Das Filmprogramm zum Gastland Georgien ist inzwischen abgeschlossen und besteht aus 25 Beiträgen, darunter eine deutsche Erstaufführung (DIE BEICHTE, 2017) und 18 weitere aktuelle Spiel- und Kurzfilme, aber auch einige georgische Klassiker sowie Dokumentarfilme über Georgien, die in der DDR entstanden sind.

„Wer das faszinierende Filmland Georgien kennenlernen möchte, dem bietet unsere Auswahl einen guten Einblick in die aktuelle Filmproduktion von etablierten und Nachwuchsregisseuren, darunter 11Frauen. Dank unserer Partner wie das Georgian National Film Center und das Batumi International Arthouse Film Festival konnten wir wertvolle persönliche Kontakte zu georgischen Filmschaffenden knüpfen, von denen eine Reihe nach Schwerin kommen wird“, kündigt der künstlerische Leiter des FILMKUNSTFESTs MV, Volker Kufahl, an.

Zu den elf abendfüllenden Spiel- und Dokumentarfilmen zählt die deutsche Erstaufführung DIE BEICHTE, der neueste Film vom einem der bekanntesten georgischen Regisseure, ZazaUrushadze (*1965). Die warmherzig inszenierte, melancholische Tragikomödie handelt von der Macht des Kinos:Ein Priester versucht, seine Schäflein mit Kinofilmen in die Kirche zu locken, gerät aber nach der Aufführung von MANCHE MÖGEN‘S HEISS selbst in Versuchung durch eine Blondine, die Marilyn Monroe verblüffend ähnlich sieht.

Ein weiterer sehr bekannter Name des zeitgenössischen georgischen Films, der mehrfach preisgekrönte Regisseur George Ovashvili (DIE MAISINSEL), ist ebenfalls mit seinem neuen Film, VOR DEM FRÜHLING, in Schwerin zu sehen – eine in poetischen Bildern erzählte, parabelhafte Aufarbeitung der Fluchtdes ersten frei gewählten georgischen Präsidenten Swiad Gamsachurdia 1991.Der Film wurde mithilfe der deutschen Produktionsfirma 42film aus Halle (Saale) realisiert, deren Geschäftsführer Eicke Goreczka für eine Diskussion über deutsch-osteuropäische Koproduktionen im Rahmen der Branchenkonferenz in Schwerin erwartet wird. Ebenfalls von den Folgen des Bürgerkrieges Anfang der neunziger Jahre berichtetdas DramaDAS HAUS DER ANDEREN (2016) von Regisseurin RusudanGlurjidze, die von den Verwerfungen zwischen den ethnischen Bevölkerungsgruppen aus weiblicher Perspektive erzählt.

„Weibliche Kreative haben das georgische Kino schon immer bereichert – und das gilt für das aktuelle Filmschaffen mehr denn je. Entsprechend werden in Schwerin einige Regisseurinnen mit ihren Filmen zu Gast sein“, sagt der Ko-Kurator der georgischen Reihe, Jürgen Tobisch:„Gleich mehrere Spielfilmeim Georgien-Programm des 28. FILMKUNSTFESTs MV handeln von starken Frauenfiguren, die sich mit den teils noch sehr patriarchalen Verhältnissen in Georgien nicht abfinden wollen und gegen die traditionelle Rolle als Ehe- und Hausfrau aufbegehren.“ Im Drama DEDE (2017, Regie: Mariam Khatchvani)gewinnen die Konflikte besonderes Gewicht, da die Regisseurin wie die junge Heldin ihres Films in einem entlegenen Bergdorf in Swanetien aufgewachsen ist, wo jahrhundertealte Traditionen das Leben beeinflussen.

Im weltweiten Festivalerfolg und georgischen Oscar-KandidatenSCARY MOTHER(2017) unter der Regie von Ana Urushadze(der Tochter von ZazaUrushadze) entscheidet sich eine 50jährige Hausfrau dafür, ihrer Leidenschaft, der Schriftstellerei, gegen alle familiären Widerstände nachzugehen.Die Protagonistin in der Tragikomödie MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE (2016) geht noch einen Schritt weiter und verlässt den engen Familienverbund, um sich den Zwängen der Großfamilie zu entgehen. Der Film wurde von einem deutsch-georgischen Paar, Simon Groß und NanaEkvtimishvili,inszeniert und war ebenfalls ein großer Festivalerfolg.

Ein 30 Jahre alter, deutsch-georgischerBrückenschlag ist der Dokumentarfilm IN GEORGIEN, den Filmemacher Jürgen Böttcher(„Strawalde“) zusammen mit seinem Kameramann Thomas Plenert und TonmannEberhard Pfaff1987 in georgischen Städten und Kaukasusdörfern drehte. Mit minimaler Vorbereitung entstand ein sehr persönlicher Film, eine sinnliche Annäherung an den Charakter des georgischen Volkes. Auch der DokumentarfilmICH KOMME AUS DEM TAL – BEGEGNUNG MIT EINEM GEORGISCHEN JUNGEN(DDR 1973, vonHans-Eberhard Leupold) erlebt beim 28. FILMKUNSTFEST MV seine Wiederaufführung.

Zu den Klassikern im georgischen Programm zählt ein Film, der 1969/70 auch in der DDR zu sehen war:  PIROSMANI (UdSSR, 1969) illustriert in eindringlichen, poetischen Bildern Stationen der Lebensgeschichte des in Georgien verehrten Malers Pirosmani. Neben CHEMI BEBIA(MEINE GROSSMUTTER) wird noch ein weiterer sowjetischer Stummfilmklassiker georgischer Provenienz in Schwerin aufgeführt: In DAS SALZ SWANETIENS(UdSSR 1930) zeigt Michail Kalatosowin grandioser sowjetischer Avantgarde-Stilistikdas entbehrungsreiche Leben der Bergbewohner. Beide Filme werden im Schweriner Kino unterm Dach präsentiert.

Last but not least wird der bisher letzte Film von Altmeister OtarIosseliani(*1934) aufgeführt, ohne den ein georgisches Sonderprogramm nicht vollständig wäre: CHANTD‘ HIVER (WINTERLIED), ein komödiantisches Werk großer ästhetischer Freiheit, die Iosseliani in seiner Wahlheimat Paris inszenierte.

Die Festivaldirektoren des Inter­nationalen Arthouse Filmfestival (BIAFF) in Batumi am Schwarzen Meer haben auf Einladung des 28. FILMKUNSTFESTES MV ein Kurzfilmprogramm zusammengestellt. Im Georgien-Rahmenprogramm ist vom 2. bis 25. Mai 2018in Kooperation mit dem M-V Foto e.V. eine Ausstellung des Fotografen und intimen Georgien-Kenners Wolfgang Korallunter dem Titel „Die Seele Georgiens“ zu sehen, der das Land als DDR-Bürger bereits seit Ende der 70er Jahre bereiste und sich in Land und Leute verliebte.

Ein weiterer Höhepunkt der georgischen Kulturreihe auf dem nächsten FILMKUNSTFEST MV wird eine Lesung sein. Die in Tiflis geborene, mittlerweile in Hamburg lebende Schriftstellerin Nino Haratischwili wird ihren 2014 veröffentlichten Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ vorstellen. In dem von Kritikern hochgelobten, mit Thomas Manns „Buddenbrooks“ verglichenen Epos erzählt Haratischwili über mehrere Generationen hinweg von georgisch-russischen Frauenschicksalen, die von Stalins Diktatur bis in die post-sowjetische Ära reichen.

Pressemitteilung Max-Peter Heyne, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Filmland MV gGmbH