Die Hanse- und Welt-Kultur-Erbe-Stadt Wismar ist Austragungsort der Titelkämpfe.

Der Frauen-Boxsport ist inzwischen sehr trendy. Immer mehr Frauen begeistern sich für den Faustkampf, der für Männer seit 1904 olympisch ist. Im Stadion der „George-Washington-Universität“ in Saint Louis standen vom 21. bis 24.September 1904 sieben Gewichtsklassen auf dem Programm, wobei nur Boxkämpfer aus den USA starteten. Der erste Box-Olympiasieger der Neuzeit war der Fliegengewichtler George Finnegan. Bei den Olympischen Spielen gab es ebenfalls Kämpfe mit Frauen – allerdings nur als olympische Demonstrationssportart im Rahmenprogramm.

Nun endlich, 108 Jahre später, wird der Frauen-Boxsport bei den Olympischen Spielen 2012 in London fester Programm-Bestandteil sein. Zwei Jahre vor dem ersten olympischen Frauen-Boxturnier finden nun die Deutschen Meisterschaften für Frauen und Juniorinnen in Wismar, neben Schwerin und Rostock eine der Box-Hochburgen im Land, statt.

Boxtrainer-Legende Fiete von Thien und sein Team wollen dabei auch den Box-Amazonen eine perfekte Organisation in der Hansestadt bieten.

Nachgefragt bei Alexander Mazur, Pressewart des Deutschen Box-Verbandes

„Erwarte weitere Impulse für den olympischen Frauen-Boxsport!“

Frage: Herr Mazur, Anfang Juli finden in Wismar die Deutschen Meisterschaften der Frauen, Juniorinnen und Jugend in Wismar statt. Wie beurteilen Sie das Leistungsniveau im deutschen Frauen-Boxsport zurzeit?

Alexander Mazur: Das Frauen-Boxen hat sich von Jahr zu Jahr positiv entwickelt, dieses zeigen die bisher ausgetragenen Meisterschaften und Teilnahmen an internationalen Turnieren. Dieses ist vor allem ein Erfolg der 807 Vereine, die den Boxsport in Deutschland betreiben, und der zwanzig Landesverbände des olympischen Boxens.

Frage: In welchen Altersklassen wird eigentlich in Wismar geboxt? Mit wie vielen Teilnehmerinnen/Teilnehmern wird gerechnet?

Alexander Mazur: In Wismar wird erstmalig in drei Altersgruppen geboxt, bisher waren es nur zwei. Es sind die Jahrgänge 1994/1995, 1992/1993 und Frauen ab dem Jahrgang 1991.

Frage: Wismar ist ja eine deutsche Box-Hochburg – insbesondere dank Fiete von Thien. Auch Schwerin, als Leistungsstützpunkt und mit großer Erfolgstradition des SC Traktor Schwerin z.B. unter Trainer Fritz Sdunek, oder Rostock, mit Trainer Uwe Fox, waren und/oder sind beste Heimstätten für den Boxsport. Wie beurteilen Sie das Engagement für den Boxsport in Mecklenburg-Vorpommern?

Alexander Mazur: In Mecklenburg-Vorpommern gab es stets einen ambitionierten Landesverband. Hier wurden viele deutsche Meister hervorgebracht. Ich erinnere nur an die 18 DDR-Mannschaftsmeister-Titel, die der SC Traktor Schwerin zwischen 1957 und 1990 erkämpfte. Der Box-Landesverband M-V wird sich auch in Zukunft positiv entwickeln, gerade durch die Persönlichkeiten, die genannt wurden. Es sind neue, früher erfolgreiche Boxer auf dem besten Weg den Boxsport in M-V wieder mehr nach vorne zu bringen, dieses wird die Zukunft, dessen bin ich mir sicher, ebenfalls zeigen.

Frage: Die nationalen Meisterschaften für Frauen im Amateur-Bereich stehen noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit. Welche Landesverbände  bestimmen gegenwärtig das Leistungsniveau im Amateur-Frauen-Boxsport?

Alexander Mazur: Nun, im letzten Jahr war es der Landesverband Bayern, der sich enorm in Szene gesetzt hatte. Auch Berlin belegte die erste Position im Frauenboxen. Die Medien in Mecklenburg-Vorpommern haben übrigens immer schon eine äußerst unterstützende, positive Öffentlichkeitsarbeit für den Boxsport geleistet. Ich nehme dabei an, dass diese für die Deutschen Meisterschaften der Frauen in Wismar noch intensiver sein wird. An sich tragen alle Landesverbände dazu bei, dass sich Frauen-Boxen positiv entwickelt.
Das werden wir in Wismar erleben. Zudem verfügt der dortige PSV als Ausrichter über die notwendigen organisatorische Fähigkeiten und Persönlichkeiten, eine derartige boxsportliche Großveranstaltung zu arrangieren.

Frage: Was erhoffen Sie sich von den Deutschen Meisterschaften in Wismar?

Alexander Mazur: Ganz sicher werden neue, weiter motivierende Impulse in Wismar für den Boxsport der Frauen entwickelt werden, nachdem Frauen-Boxen nun eine olympische Sportart ist. Auch deutsche Frauen möchten bei Olympia dabei sein. Schon allein dieses Ziel, London 2012, wird die Frauen leistungsmäßig beflügeln und zusätzliche Kräfte freisetzen.

Vielen Dank und spannende Kämpfe in Wismar!

Zwischen „Happy Meal“ und „Happy Punch“ – Box-Amazone Anne Cravaack

Anne CravaackIn der linken Hand die Box-Handschuhe und in der rechten Hand ein frisches „McChicken“ – so lässt sich die berufliche Gegenwart von Anne Cravaack beschreiben. Seit 2003 hat sich die „Amazone“ dem Faustkampf verschrieben und trainiert, wenn es die Arbeitszeit erlaubt, zwei- bis dreimal wöchentlich im Box-Raum der Sporthalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße. Die 21jährige Wismarerin absolvierte bis Mai 2008 eine Ausbildung zur „Fachfrau für System-Gastronomie“ bei den Fietz-Restaurant-Betrieben, vorwiegend bei McDonald´s Wismar.

Sportlich landete Anne u.a. bei den deutschen Juniorinnen-Meisterschaften in Berlin 2007 nicht nur einen „goldenen Treffer“: Im Finale des Federgewichtes bezwang sie die Schwerinerin Claudia Schulz (BSC Schwerin) mit 46:14 Punkten.

Anne beim SparringSeit den großen Erfolgen von Regina Halmich, die mittlerweile ihre aktive Laufbahn beendet hat, ist Frauen-Boxen hierzulande „in“. Mit Susi Kentikian oder Ina Menzer, um nur zwei Beispiele zu nennen, stehen bereits erfolgreiche Athletinnen nicht nur als neue deutsche „Box-Queens“ bereit, sondern sind bereits „ganz oben“ in ihren Gewichtsklassen. Zwar ist der Profi-Boxsport eine andere „Kategorie“, aber auch die Profi-Boxerinnen können durchaus Vorbild für die Amateurinnen sein. Doch war eine Profi-Boxsportlerin wie Regina Halmich vielleicht auch ein Vorbild für Anne? „Natürlich ist Regina Halmich eine außergewöhnliche Frau und Boxsportlerin. Sie hat das Frauen-Boxen ungemein populär gemacht und unserer Sportart damit einen ungemeinen Schub verliehen!“, meint die Boxerin beim PSV Wismar, die aufgrund der sehr erfolgreichen Prüfungen 2008 und ihrer beruflichen Tätigkeit in Schwerin in den letzten beiden Jahren seltener im Boxring zu erleben war. Aber Ihr Interesse – auch als Boxerin aktiv zu bleiben – ist immer noch vorhanden.

Boxen und Frauen war dabei noch vor 17 Jahren ein „Widerspruch in sich“ …

Anne vor einem KampfWie kam also die Hanseatin Anne Cravaack zum Faustkampf?! Dazu Anne: „Na, na, so ein `Widerspruch` ist das gar nicht. Ich empfand das Boxen stets als interessante und abwechslungsreiche Sportart. Mein Vater, ein ehemaliger Kanu-Sportler, und mein Freund haben da eher ein ambivalentes Verhältnis, während meine Mutter sich ebenfalls fürs Boxen begeistern kann… Eigentlich wollte ich ursprünglich zum Kick-Boxen, doch das wurde in Wismar leider nicht angeboten und so kam ich 2003 „über“ meinen Bruder, damals selbst noch aktiv im Boxring, zum „normalen“ Boxsport.“

Nun ist die sympathische Sportlerin vor allem, als Filial-Leiterin, bei „Mc Donald`s“ im Schloßparkcenter in Schwerin aktiv – etwa auch beim Essen? „Ich liebe „Pommes“ und „Burger“, die könnte ich „ohne Ende“ schlemmen. Zusätzlichen Kilos trainiere ich vor den Kämpfen oder beim Sparring allerdings schnell wieder ab. Eine Woche intensives Training und ich habe mein Wettkampfgewicht wieder zurück!“, verrät Anne das Geheimnis ihrer Model-Figur.

AFBoxen-PlakatBoxen und Wismar, das ist aber nicht erst dank Anne Cravaack eine attraktive Symbiose. Box-Urgestein Fiete von Thien, der „Mr.Boxsport“ in der Hansestadt, war sechs Jahrzehnte für den Boxsport im bzw. am „Ring“ im unermüdlichen Einsatz und hat 2009 ein rundes Jubiläum „vor den  Fäusten“! Die Wismarer Box-Amazonen waren übrigens in der Vergangenheit auch bereits sehr erfolgreich, so gab es unter anderem Gold durch Alice Altmann 2005 und eben Gold durch Anne Craavack 2007 jeweils bei den Deutschen Juniorinnen-Meisterschaften. Bei den Deutschen Meisterschaften 2010 steht Anne zwar nicht aktiv im Ring, sie wird aber die Organisatoren tatkräftig unterstützen.

Dann „Ring frei“ zu den Deutschen Box-Meisterschaften 2010 der Frauen, Juniorinnen und Jugend in Wismar!

Text/ Fotos:  Marko Michels
1. Anne Cravaack, die deutsche Juniorinnen-Meisterin 2007.
2. Anne beim Sparring in Wismar.
3. Anne konzentriert vor einem Kampf 2007.
4. Plakat zur Deutschen Meisterschaft 2010 in Wismar. Veranstalter