Wie kreativ SPD und CDU ihre Ergebnisse interpretieren

Ein altes amerikanisches Sprichwort lautet folgendermaßen: „Das einzige, was wir aus den neuen Wahlen lernen, ist, dass wir nichts aus den alten Wahlen gelernt haben.“

Es ist schon eine Groteskerie der besonderen Ausprägung, wenn sich die gemeine Bürgerin und der gemeine Bürger die Reaktionen der Partei-Politikerinnen und -Politiker nach der Wahl in Niedersachsen so betrachtet. Plötzlich wird uns seitens der SPD, einiger Medien und Kommentatoren weisgemacht, dass das vermeintliche politische Auslaufmodell SPD gar nicht „am Auslaufen“ ist, sondern plötzlich wieder „in“. Dass der „Gerhard Schröder 2017“ nunmehr Stephan Weil heißt. Dass nun nach dem „Rechtsruck“ bei der Bundestagswahl der „Linksruck“ in der niedersächsischen Provinz folgte. Aua! Das tut weh! Das tutet nahezu nach Replik!

Politische Aberwitzigkeiten

Das siegessichere  Schulterklopfen bei den Sozis. Der gestelzte „Mitgestaltungsanspruch“ der Schwarzen. Es ist aberwitzig.

Woher nimmt Herr Weil, dessen SPD bei der letzen Wahl (2013) als klarer Verlierer (32,6 Prozent, im Vergleich die CDU seinerzeit 36 Prozent) nur mit Hilfe der Grünen Regierungspartei wurde, die Gewissheit, dass er den Führungsanspruch besitzt? Das reale Wahlergebnis gibt das überhaupt nicht her! Auch eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP wäre möglich. 2013 weigerten sich die Grünen eine derartige Koalition zu bilden. 2017 werfen die gleichen Grünen der FDP vor, sich einer Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP zu verweigern! Naja, das berühmte grüne Pharisäertum…

Woher nimmt ferner Herr Althusmann, dessen CDU deutlich verlor, die Gewissheit, dass „seine“ Union mitregieren soll?

Die Zahlen lügen nicht

Schaut man sich – ohne Emotionen, ganz neutral – einmal die nackten Zahlen an: Nicht einmal zwei Drittel der Niedersächsinnen und Niedersachsen schritten zur Wahl-Urne (63,1 Prozent). Von den 6097564 Wahlberechtigten im Bundesland Niedersachsen wählen gerade einmal 1413630 Bürgerinnen/Bürger (Zweitstimmen) die SPD von Stephan Weil – also 23,18 Prozent. Nicht einmal ein Viertel der Niedersachsen konnte sich für die Weilsche SPD begeistern.

Noch schlimmer sieht es bei der CDU von Herrn Althusmann aus. Diese wählten 1287430 Bürgerinnen/Bürger (Zweitstimmen) – das sind real 21,11 Prozent. Ein politisches Waterloo!

Die stärkste Partei sind indes die Nicht-Wählerinnen und Nicht-Wähler. Nicht zu wählen, ist durchaus eine bewusste demokratische Entscheidung – deutlich zu machen, dass „frau“/man dieses Polit-Personal, diese Politik-Inhalte, dieses Machtgebaren ablehnt.

Das ist im Grunde genommen gut nachvollziehbar: Warum soll die gemeine Bürgerin/der gemeine Bürger irgendwelche Partei-Soldatinnen und Partei-Soldaten wählen, deren Auswahl hinter Partei-Kulissen erfolgen und die dann mit staatlicher Unterstützung – Stichwort „Wahlkampfkostenrückerstattung“ – dann als große Persönlichkeiten umworben werden. „Gehirnwäsche“ der subtilen Art…

Freidenker als Staatsfeinde

Tja, man muß eine Lüge nur mehrfach wiederholen, bis diese zur „Wahrheit“ wird. Aber es gibt in diesem Land immer mehr Freidenker, die jenseits aller massenmedial vergebenen Etikette a la „links“ und „rechts“ agieren. Für diese, die sich der Wahrheit nähern – eine absolute Wahrheit gibt es bekanntlich nicht – wird es aber in Deutschland inzwischen ziemlich ungemütlich.

Wenn Politikerinnen und Politiker nämlich etwas hassen, ist es, mit Tatsachen und Realitäten konfrontiert zu werden. Wie sagte einmal der Dichter Wolfgang Borchert: „Mit der Wahrheit ist es wie mit einer stadtbekannten Hure. Jeder kennt sie, aber es ist peinlich, wenn man ihr auf der Straße begegnet.“ Und vielleicht sogar vorher noch deren Dienste in Anspruch nahm, wobei „Hure“ nicht immer unbedingt eine „leichte Dame“ sein muß.

Schönredner und Schein-Welten

Unsere Politikerinnen und Politiker reden sich wieder einmal Ergebnisse, Statistiken und Realitäten schön. Über die AfD wird nur noch im Zusammenhang mit „Flüchtlingen“ geredet, obwohl „man“ eigentlich den Terminus „Migrant“ gebrauchen müßte.

Erst war Schulz „oben auf“, dann war er „unten durch“. Und nun – nach der Niedersachsen-Wahl – darf bzw. kann er, glaubt man einigen Massen-Medien, durchatmen, als ob eine Wahl in der Provinz ein Debakel bei der Bundestagswahl und mehrere Debakel bei anderen Landtagswahlen wettmachen könnte.

Ähnlich ist es mit unserer „Super-Merkel“: Erst waren alle (?) „voll muttiviert“, jetzt rufen alle: „Frau Merkel ist unsere Mutti und Herr Schulz ist unser Vati. Wer adoptiert uns?!“. …Damit keine/keiner „Dummheiten macht“: Deutsche sind keine Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Packt also die Koffer wieder aus!

Vielleicht hilft beim nächsten Mal, „richtig“ zu wählen. Am besten eine neue Partei! Eine wirklich demokratische Bürgerbewegung, die wir vor 28 Jahren übrigens schon mal hatten. Aber da waren einigen Bananen, Milka-Schokolade, „Holidays“ in spanischen Urlauber-Silos und die D-Mark wichtiger als echte Freiheit und Demokratie.

„Uns geht es gut!“. Was für ein Realitätsverlust. Noch schlimmer als jener nach der Niedersachsen-Wahl!

Dr. Marko Michels

Foto (Michels): Nicht so rumbrüllen, wir sind nicht in den Partei-Zentralen der SPD und CDU nach der letzten Bundestagswahl!