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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Ausbildungsmarkt: Westmecklenburg – eine Region mit Chancen!

Schweriner Arbeitsagentur und Kammern ziehen Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2010/2011

Gemeinsam mit Karin Klehr, Abteilungsleitern Berufsausbildung und Prüfungswesen der Handwerkskammer Schwerin (HWK) und Peter Todt, Leiter des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin (IHK) zog die Schweriner Arbeitsagentur am vergangenen Montag die traditionelle Bilanz des abgelaufenen Berufsberatungsjahres in Westmecklenburg. Wie hat sich vom 01. Oktober 2010 bis zum 30. September 2011 die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entwickelt? Wie viele Bewerber haben einen Ausbildungsplatz gefunden und wie viele bisher noch nicht? Wie viele Ausbildungsstellen wurden angeboten und Ausbildungsverträge abgeschlossen?

“Die Chancen für Jugendliche, eine betriebliche Ausbildung zu erhalten, waren noch nie so gut wie in diesem Jahr. Die viel zitierte „Ausbildungsschere“ gehört der Vergangenheit an und wir erleben eine neue „Zeitrechnung“. Der demographische Wandel und der konjunkturelle Aufschwung haben sich deutlich auf dem Westmecklenburger Ausbildungsmarkt ausgewirkt“, so Dirk Heyden, Chef der Schweriner Arbeitsagentur.

5,5 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr

Zum Stichtag 30.09.2011 waren im Agenturbezirk Schwerin 32 Bewerber/-innen noch nicht vermittelt. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen (2.394) ist mit insgesamt 124 bzw. 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies ist auf die vielen zusätzlichen Aktivitäten der Bewerbergewinnung zurückzuführen, denn die  Schulabgängerzahlen selbst haben sich weiter rückläufig entwickelt. „Die Anzahl der bei uns gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze hat sich um 11,6 Prozent (325) ebenfalls erhöht“, so Heyden weiter. Insgesamt wurden der Schweriner Arbeitsagentur seit Oktober 2010 3.132 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet, von denen 221 bis Ende September nicht besetzt werden konnten. Das Verhältnis der unversorgten Bewerber/innen um eine Ausbildungsstelle zu den noch nicht besetzten betrieblichen Ausbildungsplätzen lag Ende September bei 1:7. „Bei entsprechender beruflicher und regionaler Mobilität“, so Heyden, “bieten sich insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Einzelhandel immer noch vielfältige Einstiegsmöglichkeiten.“

„Die große Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze zeigt mir, dass viele Arbeitgeber mit Zuversicht in die Zukunft schauen und bereit sind, in die Ausbildung ihres Fachkräftenachwuchses zu investieren. „Sie haben erkannt, dass sie sich dem Wettbewerb der Länder, Regionen und Branchen um Nachwuchskräfte stellen müssen, wenn sie ihre Zukunftsfähigkeit sichern wollen.“

„Fachkräftenachwuchs langfristig binden“

„Es ist wichtig, den notwendigen Fachkräftenachwuchs für Mecklenburg-Vorpommern langfristig zu gewinnen und zu binden. Die Unternehmen entwickeln zunehmend gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer für ihre Ausbildungsangebote ein wirksames Marketing in der Region und setzen dieses um. Gerade die mobilen und engagierten Jugendlichen der Abgangsklassen informieren sich in den Monaten November und Dezember über die Ausbildungs- und Zukunftsmöglichkeiten in der Region. Finden sie diese nicht, oder erhalten sie keine Antworten auf ihre Bemühungen und Bewerbungen, so werden sie sich in den Regionen Hamburg und Lübeck informieren“, so Peter Todt, Leiter des Geschäftsbereiches Aus- und Weiterbildung der IHK zu Schwerin weiter.

Die 1.336 IHK-Ausbildungsunternehmen haben bisher insgesamt 1.302 betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen. Darin widerspiegelt sich die insgesamt durchschnittlich positive Wirtschaftserwartung der Unternehmen der Region. Dies ist aber auch ein deutliches Zeichen für einen erkennbaren Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren. „Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung mit dem dramatischen Schülerrückgang sind in der Berufsausbildung angekommen. Heute suchen nicht mehr vorrangig die Jugendlichen nach Lehrstellen, sondern die Ausbildungsbetriebe nach Bewerbern“, so Todt weiter.

Unternehmen, die bereits Partnerschaften mit Schulen pflegen, haben trotz des Bewerberrückganges weniger Probleme, geeignete Auszubildende zu finden. Im Rahmen der Kooperationen haben sich die Rahmenbedingungen für die Berufsausbildung unter den Jugendlichen rumgesprochen, die Qualität ist bekannt. Dies gepaart mit dem Wissen einer hohen Übernahmechance nach der erfolgreichen Berufsausbildung ist die beste Werbung. Für besonders leistungsstarke Jugendliche müssen darüber hinaus besondere Formen der Berufsausbildung gefunden werden. Zusatzqualifikationen, unkomplizierte Übergänge zur Meister- und Fachwirtqualifizierung und vorzeitige Zulassungen zur Abschlussprüfung sind nur einige Beispiele.

Handwerk verzeichnet beste Konjunktur seit 20 Jahren

Im Handwerk, das gerade die beste Konjunktur seit 20 Jahren verzeichnet, ist man angesichts des größer werdenden Fachkräftebedarfs mit der Bilanz für das Ausbildungsjahr 2011 nicht zufrieden. „Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge ist aufgrund des massiven Schulabgängerrückgangs im Vergleich zum Vorjahr zurück gegangen. Dadurch sind Lehrstellen unbesetzt geblieben“ sagt Karin Klehr, die Abteilungsleiterin Berufsausbildung und Prüfungswesen der Handwerkskammer Schwerin. „Die Ausbildungsbetriebe“, so Klehr, „klagen aber nicht nur über rückläufige Bewerberzahlen. Immer häufiger verhindern Defizite in den schulischen Leistungen und beim sozialen Verhalten, dass Ausbildungsverträge zustande kommen.“

Bei der Handwerkskammer Schwerin wurden zum Stichtag 30.09.2011 insgesamt 665 Ausbildungsverhältnisse neu eingetragen, davon 625 betriebliche. Dies entspricht einem Rückgang von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im betrieblichen Bereich von 7,5 Prozent. Die Anzahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverhältnisse reduzierte sich von absolut 72 auf 40 Prozent und damit um 44,4 Prozent.

In den zahlenmäßig stärksten Berufen wie Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Maler und Lackierer, Metallbauer, Tischler, Bürokaufmann und Friseur konnten die Zahlen des Vorjahres erreicht werden. In den Bauberufen und im Beruf Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik wurden mehr Verträge als im Vorjahr eingetragen. Einbußen mussten in den Berufen Anlagenmechaniker SHK, Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Fleischer und Gebäudereiniger hingenommen werden.

Viele Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt

Auch in diesem Jahr blieben viele Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt. Zum 30.09.2011 befanden sich in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin noch 256 Angebote. Die meisten freien Stellen gab es in den Berufen Anlagenmechaniker SHK (27 Stellen), Elektroniker (19 Stellen), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (28 Stellen), Fleischer (13 Stellen), Bäcker (13 Stellen), Metallbauer (14 Stellen).

80 Prozent der Auszubildenden sind männlich, mit 20 Prozent ist der Mädchenanteil der Auszubildenden um fast zwei Prozent gesunken. Der größte Teil der Auszubildenden verfügt über den Abschluss der Mittleren Reife (47,6 Prozent), jeder dritte über die Berufsreife (31,4 Prozent). Der Anteil der Abiturienten ist um vier Prozentpunkte auf 11,8 Prozent gestiegen, die Anzahl der Auszubildenden ohne Abschluss um fünf Prozentpunkte auf 9,2 Prozent gesunken. Insgesamt befinden sich zum 30.09.2011 über alle Lehrjahre 2.275 Auszubildende im Handwerk des Kammerbezirkes Schwerin in der Ausbildung.

„Tiefsitzende Unsicherheiten bei Jugendlichen, Eltern und Lehrern“

„Wir müssen“ – und hier sind sich alle einig – „den Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern noch deutlicher machen, dass sie im Land vielfältige Chancen haben.“ Wir wissen, dass es tiefsitzende Unsicherheiten bei Jugendlichen, Eltern und Lehrern gibt, wenn es um das Thema ‚Berufliche Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern‘ geht. „Diese Ängste sind unberechtigt. Denn die Zahlen“, erklärt Heyden, „dokumentieren: Berufliche Perspektiven hat man nicht nur jenseits der Landesgrenzen. Daher kann ich die Schülerinnen und Schüler nur ermutigen. Bleibt im Land und nutzt eure Chancen – es lohnt sich!“

Vorrangig sind jedoch die Betriebe gefordert: „Ich möchte auch nochmal an alle Personalverantwortlichen appellieren: Geben Sie auch Schulabgängern mit nicht so guten Noten eine Chance. Sie werden häufig auf den zweiten Blick zur ersten Wahl. „Wir fördern über die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) beispielsweise auch einen `Ausbildungscouch`“, ergänzt Heyden. Abschließend forderte Heyden alle Schülerinnen und Schüler auf, die im Jahr 2012 ihre Schulzeit beenden, sich bereits jetzt über die sie interessierenden Ausbildungsberufe in Westmecklenburg zu informieren. „Nutzen Sie u.a. unser Selbsterkundungsprogramm unter:  www.planet-beruf.de, besuchen Sie das Berufsinformationszentrum und vereinbaren Sie Gesprächstermine mit Ihrer/m Berufsberater/in. Je früher Sie aktiv werden, desto größer sind Ihre Chancen, einen Ausbildungsplatz in Ihrer Heimatregion zu bekommen.“

Beratungstermine:

Einen Beratungstermin bei der Berufsberatung können Jugendliche unter der Service-Rufnummer 01801-555 111* vereinbaren. Für die Meldung zusätzlicher Ausbildungsplätze oder bei Fragen zu den sognannten ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) können personalverantwortliche die Arbeitgeberservice-Rufnummer 01801 66 44 66 (Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min) nutzen.

Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze

– Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel
– Hauswirtschafter/Hauswirtschafterin
– Hotelfachmann/Hotelfachfrau
– Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau
– Koch/Köchin

Quelle: Agentur für Arbeit Schwerin


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