Sinn und Sinnlosigkeit eines Treffens „auf hoher Ebene“

In Rostock findet am 17.Oktober der dritte „Russlandtag“ statt. Blick zum Universitätsplatz. Foto: M.M.

Am 17.Oktober 2018 wird es ihn nun geben, den dritten „Russland-Tag“. In Rostock. Über Sinn und Sinnlosigkeit dieser Veranstaltung, in der vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Russland im Vordergrund stehen, kann man seitenweise diskutieren.

Im Prinzip ist es zwar immer gut, gerade in Zeiten, in denen die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland wieder einmal „eisig“ sind, in Kontakt zu bleiben, miteinander zu sprechen, aber es sollte doch mehr sein als nur ein plakatives Event. Der Handel mit Russland hat natürlich auch für M-V eine gewisse Bedeutung, aber längst keine überragende. Das Handelsvolumen mit Polen etwa ist doppelt so hoch. Zudem ist die Handelsbilanz mit Russland ohnehin negativ: Mecklenburg-Vorpommern importiert mehr aus Russland, als es dorthin exportiert. Zudem wirkt der „Russlandtag“ eher wie eine Schau-Veranstaltung als eine fundierte Plattform für nachhaltige politische und wirtschaftliche Gespräche.

Die innenpolitischen Entwicklungen in beiden Ländern sind eher besorgniserregend, aber auch der Umgang miteinander. Da gab es vor mehr als 20 Jahren noch hoffnungsvollere Episoden. Man war schon einmal weiter.

Während sich in Russland eine gewisse Autarkie und Nostalgie ausbreitet, ist es in Deutschland eine gewisse Arroganz der „Eliten“, die sich vom realen Leben der Menschen längst abkoppelte. Unter diesen und ihren Anhängern ist eine Selbstzufriedenheit vorhanden, die fast jeglicher Grundlage entbehrt.  Fehler werden negiert, Kritik als „extrem“ abgekanzelt und auf (geschönte) Statistiken verwiesen.

Schaut man auf den „Russlandtag“ und denke dabei auch an die diversen politischen Administrationen in beiden Ländern, hat man eher den Eindruck, „alte Köpfe“ versuchen mit „alten Rezepten“ neue Wege zu beschreiten. Die Gefahr besteht allerdings, dass es nur „Holzwege“ sind.

Innovativ sind beide Länder nur noch sehr bedingt. Die wirtschaftlichen Motoren laufen woanders, in den Vereinigten Staaten, in China, in Südkorea, in Kanada, im Baltikum, auf Island oder in Japan. Was natürlich nicht heißt, dass es in DEutschland keine Unternehmen mehr von Weltrang gibt… Aber die Perspektiven verdunkeln sich auch hier. Schritt für Schritt.

Der „Russlandtag“ 2018 wird sicher nett. Es gibt aber mehr als 200 Länder auf der Welt… Warum nicht auch andere Tage unter Länder-Themen stellen. Die Grünen brachten – übrigens völlig zu Recht – ebenfalls einen „Polen-Tag“ ins Spiel. Polen konnte in den letzten Jahren sogar mit guten wirtschaftlichen, innovativen und auch sportlichen Erfolgen glänzen… Ähnliches gilt für die baltischen oder nordeuropäischen Länder.

Nun geht es aber zum „Russlandtag“ am 17.Oktober. Zu „Mecklenburger Rippenbraten“, „Himmel un Ääd“ bzw. „Vorpommerngans“ sowie zu Wodka, Kaviar und (hoffentlich nicht, da politisch inkorrekt) Krim-Sekt.

Vielleicht gibt es ja ein paar positive Impulse?!

M.Michels