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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Auf „sanftem Weg“ zum Erfolg

Zwei Jahrzehnte Judoverband M-V

Im Judo-Verband MV wird auf 20 Jahre Nach-Wende-Entwicklung zurückgeblickt, wobei Judo ja bekanntlich „sanfter Weg“ bedeutet (ju – sanft / do – Weg).

MV hat dabei eine vielfältige leistungssportliche Tradition in dieser alten asiatischen Sportart. Der 1964 in Schwerin geborene Torsten Oehmigen, verheirateter Brechot, konnte bei den WM 1985 die Silbermedaille gewinnen und drei Jahre später Olympia-Bronze in Seoul 1988.

Nicht ganz so bekannt in Schwerin wie Torsten Brechot, aber dennoch fast ebenso erfolgreich wie sein Schweriner „Landsmann“ ist Andreas Preschel. Preschel wurde am 1. Februar 1961 in Schwerin geboren und kam 1971 bei der BSG Motor Schwerin zum Judo. Drei Jahre später, 1974, wurde der Mecklenburger zum SC Dynamo Hoppegarten, dem renommierten DDR-Judo-Leistungszentrum delegiert. U.a. von Judo-Legende Dietmar Hötger wurde Preschel betreut und konnte 1978 Junioren-Europameister werden. Im Jahre 1983 feierte er seinen größten Erfolg, den WM-Titel in Moskau. Der Olympia-Boykott der DDR 1984 verhinderte mögliches olympisches Edelmetall. Nach der Wende 1989/90 wurde Andreas Preschel Nachwuchstrainer beim SC Berlin und ist seit 2000 Landestrainer in der Bundeshauptstadt. Seit knapp sieben Jahren ist er Vereinstrainer beim UJKC Potsdam.

Ein weiterer bekannter Schweriner Judoka ist auch Roland Borawski, der 1964 in der heutigen Landeshauptstadt M-V geboren wurde und 1989 Europameister wurde.
Mit Ramona Brussig hat unser Bundesland auch eine Paralympic-Siegerin im Judo (für Sehbehinderte). Die Wahl-Schwerinerin holte 2004 bei den Paralympischen Spielen in Athen Gold. 2008 in Peking gab es für sie Silber und für ihre Schwester Carmen Bronze.

Übrigens: Judo ist seit 1964 olympische Sportart und wird heute in mehr als 150 Ländern betrieben. Führend sind und waren vor allem die Kämpfer aus Japan, Russland, Holland, Korea, Frankreich, Großbritannien und ebenfalls aus Deutschland. Die ersten Judo-Europameisterschaften fanden dabei 1934 im Kristallpalast in Dresden statt.
Leistungszentren des Judosportes sind in M-V u.a. Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Stralsund und Greifswald.

Doch wie sieht die Entwicklung des Judosportes zurzeit aus? Nachgefragt beim Vize-Präsidenten des Judo-Verbandes M-V, Matthias Hermann

„Der Judosport hatte und hat in M-V eine gute Heimat!“

Frage: 20 Jahre Judo „nach der Wende“ in Mecklenburg-Vorpommern. Welche Erfolge und welche Höhepunkt gab es aus Sicht der MV-Judoka?

Matthias Hermann: Da gab es etliche Höhepunkte und Erfolgserlebnisse für den Judosport in M-V. So konnten bei Deutschen Meisterschaften und Internationalen Deutschen Meisterschaften insgesamt 24 x Gold, 23 x Silber und 59 x Bronze im Einzel erkämpft werden. Das erfolgreichste Jahr nach der Wende war 2001, als es für unsere Athletinnen und Athleten 17 Einzel-Medaillen und 3 Mannschaftsmedaillen gab.

Im Teambereich konnte die männliche Jugend des Schweriner SC 1996 Gold bei den Deutschen Mannschafts-Meisterschaften holen. Eine Goldmedaille bei den nationalen Titelkämpfen ging 2000 an die männliche Jugend des PSV Schwerin. Nur zwei Erfolgsbeispiele von einigen bei den Team-Entscheidungen. Super Leistungen zeigten auch Ramona und Carmen Brussig. Die beiden Judo-Schwestern erkämpften bei Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und den Paralympischen Spielen insgesamt 19 Medailen, davon 12-mal Gold. Das ist schon ganz große Klasse!

Nur ein paar Erfolgsbeispiele von vielen. Diese hervorragenden Ergebnisse zeigen, dass der Judosport in M-V lebt, dass er hier eine gute Heimat hat und dass es den vielen sachkundigen sowie ehrenamtlichen Trainern und Übungsleitern in ganz M-V immer wieder gelingt, neue Talente für den Judosport zu entdecken und entsprechend zu fördern.

Frage: Aber Judo wurde hierzulande ja nicht erst 1990 „erfunden“. Im Vergleich zur Entwicklung in der DDR – wie sah es „in Sachen“ Judosport vor 1990 in den Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg aus?

Matthias Hermann
: Das ist in der Tat so!  Viele der internationalen Medaillen für die DDR kommen von Sportlern aus den drei Nordbezirken. Schon vor 1990 reiften in den Bezirken Schwerin, Rostock oder Neubrandenburg zahlreiche Judo-Talente heran. Ich möchte nur an den  viermaligen Europameister Günter Krüger aus Pasewalk oder Andreas Paluschek aus Rostock, der Junioren-Europameister 1980 und EM-Dritter 1985 wurde, erinnern. Auch hier gilt: Nur zwei herausragende Sportler von vielen.

Frage: Wie sehen die Bedingungen für den Judosport gegenwärtig im Land aus?

Matthias Hermann: Nach der Jahrtausend-Wende – zuvor sah es hier eigentlich in Sachen Judo-Sport sehr gut aus – gab es einige Schwierigkeiten durch verschiedene Umstrukturierungen. Aber mit den Sportgymnasien in Schwerin und Neubrandenburg haben wir im Land eine gute Basis.

Frage: Die WM 2010 waren aus deutscher Sicht nicht sonderlich erfolgreich … Was müßte besser werden, um wieder an alte Triumphe anknüpfen zu können?

Matthias Hermann: Das Wichtigste ist, und das gilt für die meisten Sportarten, dass die Sportlerinnen und Sportler eine berufliche und finanzielle Perspektive erhalten. Niemand kann herausragende Leistungen vollbringen, wenn er den Kopf nicht frei hat, sich Sorgen um die berufliche Zukunft machen muß.

Gerade im Judo sind die Athletinnen und Athleten, ihre Trainer und Übungsleiter mit sehr viel Idealismus, Hingabe und Herzblut bei der Sache, denn „reich“ wird man durch den Judo-Sport nicht, um es vorsichtig zu sagen. Viele Sportler und ihre Trainer machen hauptberuflich ganz andere Dinge, müssen sich ihrer Ausbildung, ihrem Studium und ihrem Job widmen. Da ist es schon fast „ein Wunder“, dass es immer wieder gelingt, Talente an die Weltspitze heranzuführen. Wir brauchen ganz einfach mehr hauptamtliche Trainerstellen, die auch anständig bezahlt werden.

Letzte Frage: Welche sportlichen Höhepunkte im Judo gibt es in M-V noch bis zum Jahresende? Welche Wettkämpfe fallen Ihnen da spontan ein?

Matthias Hermann: Am zweiten November-Wochenende finden die Landesmannschaftsmeisterschaften der U 14 und U 17 in Greifswald statt und am letzten November-Wochenende werden dann noch die Nordostdeutschen Mannschaftsmeisterschaften ausgetragen. … Ja, der Judosport hat seine Wettkämpfe über das gesamte Jahr verteilt. Bei uns ist immer etwas los!

Dann weiterhin maximale Erfolge in puncto Judo-Sport!

Text und Fotos: Marko Michels


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