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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Auf dem Weg zur selbstständigen Schule in M-V

Nach dem erfolgreichen dreijährigen Modellvorhaben „Mehr Selbstständigkeit für Schulen“ (2004 – 2007) plant das Bildungsministerium bis zum Ende der Legislaturperiode die Einführung der Selbstständigen Schule in ganz Mecklenburg-Vorpommern.
Dazu hat das Bildungsministerium – zunächst als Diskussionsgrundlage – ein Konzept erarbeitet, in dem die positiven Erfahrungen und Ergebnisse des Schulversuchs eingeflossen sind und ausgebaut wurden. Dieses Konzept soll allen Schulen als Hilfe und Anleitung auf dem Weg zur Selbstständigen Schule dienen.

Folgender Stufenplan ist für die Einführung der Selbstständigen Schule vorgesehen:

Schuljahr 2007/08:

Darstellung u. Diskussion des Konzepts zur Einführung der Selbstständigen Schule und der schülerbezogenen Mittelzuweisung, Fortbildung der Schulleiter

Schuljahr 2008/09:

Einsatz der Steuergruppen, Abstimmung mit dem Schulträger zur Mittelbewirtschaftung, Förder- bzw. Lehrpläne, verändertes Leitbild der Schulaufsicht, interne Evaluation, Fortbildungspläne, Erziehungsvereinbarung, Unterrichtsentwicklung ausgehend von Prüfungsergebnissen und Vergleichsarbeiten, schülerbezogene Berechnung von Komponenten des Anrechungsbedarfs

Schuljahr 2009/10:

Schülerbezogene Berechnung des Grund- und Zusatzbedarfs, Gestaltung der Gruppengrößen durch die Schulen, Kontingent Studentafeln

Grundprinzip für die Selbstständige Schule ist: So viel Staat wie nötig und so wenig wie möglich.

In Studien und Vergleichen auf nationaler und internationaler Ebene hat sich gezeigt, dass insbesondere diejenigen Länder, die ihren Schulen Freiräume gewähren und sich von übermäßigen bürokratischen Vorgaben verabschiedet haben, bessere Bildungserfolge erzielen. Der Grund liegt in der selbstständigen Entscheidung der Verantwortlichen vor Ort, die die spezifischen Bedingungen ihrer Schule am besten einschätzen und deshalb durch geeignete Maßnahmen schnell und zielgenau dafür sorgen können, dass ihre Schule ein Ort ist, mit dem sich die gesamte Schulgemeinde identifizieren kann und wo die Schülerinnen und Schüler optimal gefördert werden.

Dieses Mehr an Freiheit bedingt gleichzeitig eine größere Verantwortung und die Bereitschaft dazu, die staatlichen Rahmenbedingungen einzuhalten und mit anderen Schulen in den Wettbewerb zu treten. In diesem Zusammenhang prüft das Bildungsministerium die Möglichkeit, es den Erziehungsberechtigten in Zukunft freizustellen, welche Schule sie für ihr Kind wählen wollen.

Für die Schulen ergeben sich auf dem Weg zur Selbstständigkeit wichtige Veränderungen und Schwerpunktsetzungen, die einerseits neu sind, andererseits auch schon vorhandene Entwicklungen weiterführen und verstärken:

· In gemeinsamer Arbeit entwickeln alle Beteiligten (Lehrer, Schüler und Erziehungsberechtigte) ein Leitbild für ihre Schule.

· Jede Schule erarbeitet auf der Grundlage der staatlichen Vorgaben ein eigenes Schulprogramm und Lehrpläne, die die Besonderheiten der Schülerschaft und der Schulumgebung berücksichtigen.

· Die künftigen amtlichen Stundentafeln werden mehrere Jahrgangsstufen umfassen und eröffnen somit der Schule die Möglichkeit, in diesem Rahmen eigene Stundentafeln zu erstellen und sowohl das Schuljahr als auch den Schultag variabel zu gestalten. Bei Ganztagsschulen ist hierbei die verstärkte Zusammenarbeit mit verschiedenen außerschulischen Organisationen und Institutionen der Jugendhilfe von besonderer Bedeutung.

· Die staatliche Berechnung und Zuordnung von Stunden und Lehrern pro Schule wird in Zukunft nicht mehr nach der Anzahl der Klassen, sondern nach der Anzahl der Schüler erfolgen. Dadurch wird die Schule in die Lage versetzt, die Lerngruppen bedarfsgerecht und flexibel unter pädagogischen Gesichtspunkten zu organisieren und z. B. spezielle Fördergruppen oder jahrgangsübergreifende Lerngruppen einzurichten.

· Die Schulleitung erhält die Möglichkeit, die bewilligten Sachmittel und Stellen zunehmend eigenverantwortlich zu verwalten. So lässt sich z. B. ein Lehrerkollegium aufbauen, das dem schulischen Leitbild und dem Schulprogramm entgegenkommt und gemeinsame Ziele verfolgt.

· In wachsendem Maße werden die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigt, bei der Organisation von Unterricht und Schule mitzuwirken und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Auch die Erziehungsberechtigten werden im Schulalltag als Partner der Lehrkräfte und der Lernenden betrachtet und es wird ihnen ermöglicht, ihre Lebens- und Berufserfahrungen in der Schule weiterzugeben.

Mit der landesweiten Einführung der Selbsständigen Schule erfolgt ein Paradigmenwechsel in der pädagogischen Arbeit. Schulen erhalten wesentlich mehr Gestaltungsspielraum, übernehmen aber auch gleichzeitig in größerem Maße Verantwortung für ihre Ergebnisse, die sie in schul- und länderübergreifenden Tests und Überprüfungen belegen müssen.

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern werden mehr Freiheit erhalten und gleichzeitig mehr Verantwortung übernehmen.

Das Ziel ist die Verbeserung des Unterrichts und damit eine Verbesserung des Erziehungs- und Lernerfolges staatlicher Schulen. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet dies bessere Bildungs- und Berufchancen. Die Selbstständige Schule ermöglicht eine individuellere Förderung der Schülerinnen und Schüler, die Öffnung der Schule zu ihrem Umfeld und eine Qualitätssteigerung der schulischen Arbeit allgemein. Lehrerinen und Lehrer erhalten mehr Freiräume, Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten, allerdings auch mehr Verantwortung für die Entwicklung jedes einzelnen Kindes. Die Arbeit in Teams wird die Arbeitszufriedenheit stärken.

Die Stärkung der Einzelschule geht einher mit einer entsprechenden Veränderung in der Schulaufsicht, auch die Schulämter brauchen dazu mehr Selbstständigkeit. Sie werden sich künftig stärker solchen Aufgaben widmen wie Unterstützung und Beratung bei der Schulentwicklung, Aus- und Bewertung schulischer Daten als Grundlage für Qualitätsentwicklung, Personalführung und -förderung oder Abschluss von Zielvereinbarungen mit den Schulen. Eine Kommunalisierung der Lehrkräfte und der staatlichen Schulämter lehnt Minister Tesch angesichts der umfangreichen Aufgabenstellung ab.

Bildungsminister Henry Tesch: „Ich bin davon überzeugt, dass die Einführung der Selbstständigen Schule ein Schritt in die richtige Richtung ist. Unsere Schulen brauchen weniger bürokratische Gängelei und mehr Gestaltungsfreiheit. Viele Probleme lassen sich vor Ort in konkreter Absprache zwischen Schulleitung, Lehrkräften und Partnern besser lösen. Deshalb ist es sinnvoll, dass eben vor Ort auch Entscheidungen getroffen werden können. Mit der Einführung der Selbstständigen Schule kommen auf alle Beteiligten Aufgaben und Herausforderungen zu, die sie nicht im Alleingang bewältigen können. Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen. Voraussetzung dafür ist ein Lernprozess und gegenseitiges Vertrauen. Um dieses Vertrauen bitte ich alle Beteiligten und lade sie ein, mitzudiskutieren und mitzugestalten, denn Demokratie an der Schule vollzieht sich durch Mitwirkung.“


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