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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde…

Der Reitsport im Olympia-Jahr 2016: Zwischen Historie und Gegenwart


Reitsport und Deutschland sowie Reitsport und M-V – beides sind seit Jahrzehnten, sportlich betrachtet, Erfolgssymbiosen.

Vom 6.August bis 19.August wird es aus deutscher Sicht bestimmt ein weiteres erfolgreiches Kapitel im olympischen Reitsport geben – im Olympic Equestrian Centre in Rio werden in diesem Zeitraum die olympischen Pferdesport-Entscheidungen (Dressur, Vielseitigkeit und Springreiten) des Jahres 2016 ausgetragen.

Eine begnadete Dressur-Reiterin – Helen Langehanenberg, mit und ohne „Damon Hill“

Eine Dressur-Reiterin, die zwar nicht aus M-V stammt, aber hier regelmäßig bei Turnieren startet, ist die Dressur-Reiterin Helen Langehanenberg, Jahrgang 1982, 2012 Olympia-Zweite mit dem Team bzw. Olympia-Vierte im Einzel, 2013 Team-Europameisterin bzw. zweimal Vize-Europameisterin im Einzel, 2014 Team-Weltmeisterin bzw. zweimal Vize-Weltmeisterin im Einzel und zweimal Erste bei den Weltcup-Finals 2013 bzw. 2014 jeweils auf „Damon Hill“.

Leider ist „Damon Hill“ nicht mehr der sportliche Weggefährte von Helen Langehanenberg, die im letzten Jahr – wegen der Geburt ihrer Tochter – etwas pausieren mußte.

Nachgefragt bei Helen Langehanenberg

H.Langehanenberg über einen eventuellen Olympia-Start, ihr derzeitiges Wettkampf-Feeling und die Traditionen im Dressur-Reitsport

„Freue mich auf die Zukunft…“

Frage: Erst einmal noch ganz nachträglich einen großen Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter – die Zukunft der deutschen Dressur-Reiterei ist also gesichert… Nun sind Sie wieder zurück in der reitsportlichen Arena und die meisten Reitsport-Fans fragen sich: Ist Rio das sportliche Ziel oder welche Ambitionen haben Sie für die kommenden Jahre?

Helen Langehanenberg: Ich denke Rio ist etwas kurzfristig. Warten wir es ab. Es sind tolle Pferde da, die auch schon tolle Erfolge gebracht haben. Ich freue mich jedenfalls auf die Zukunft.

Frage: Haben Sie eigentlich noch etwas Kontakt zu „Damon Hill“, auf dem sie ja Ihre großen Erfolge feierten? Was zeichnet aus Ihrer Sicht „Damon Hill“ aus?

Helen Langehanenberg: Damon Hill, wie ich es ja immer gesagt habe, ist ein einzigartiges Pferd – eigentlich schon menschlich: Er kann lesen, schreiben und seit Herning (EM 2013 mit 1 x Gold, 2 x Silber – Red. M.M.) auch rechnen …

Frage: An welchen Turnieren, auch in M-V, nehmen Sie in den kommenden Monaten auf jeden Fall teil?

Helen Langehanenberg: Die Planung läuft. Das wird dieses Jahr etwas spontaner gemacht.

Frage: Sportive Frauen sollen ja nach ihrem Mutter-Glück stärker als zuvor in die sportlichen Arenen zurück kehren… Fühlen Sie sich selbst auch stärker?

Helen Langehanenberg: Keine Ahnung! Fühle mich gut und motiviert. Bislang lief es ja auch gut!

Letzte Frage: Das Dressur-Reiten gilt bei Jüngeren oft als etwas „antiquiert“. Müssen die Herren und Damen eigentlich unbedingt mit Frack und Zylinder starten?

Helen Langehanenberg: Ob man es „antiquiert“ oder klassisch traditionell nennt – darüber kann man sich streiten. Ich denke es passt gut zusammen.

Vielen Dank, weiterhin maximale Erfolge und alles erdenklich Gute!

Blick in die reitsportliche olympische Historie

Im Jahr 1900 wurde der erste olympische Einzelwettbewerb im Springreiten (Einzel) durchgeführt. Damals gab es einen belgischen Doppel-Erfolg durch Aime Haegeman und Georges van de Poele. In der Dressur und im Vielseitigkeitsreiten kamen die ersten Olympiasieger indes aus Schweden, 2012 triumphierten Carl Bonde (Dressur) und Axel Nordlander (Vielseitigkeitsreiten).

Die erfolgreichsten Olympia-Reitsportler waren bislang jedoch Deutsche. Der Dressur-Reiter Reiner Klimke kam zwischen 1964 und 1988 auf 6 x Gold, 2 x Bronze, die Dressur-Reiterin Isabell Werth schaffte zwischen 1992 und 2008 insgesamt 5 x Gold, 3 x Silber und die Bilanz des Springreiters Hans Günter Winkler lautet zwischen 1956 und 1976 insgesamt 5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze.

Auch im „ewigen Medaillenspiegel“ der olympischen Reitsport-Konkurrenzen führt  Deutschland mit 83 Medaillen (38 x Gold) vor den USA mit 48 Medaillen (10 x Gold), Schweden mit 42 Medaillen (17 x Gold), Frankreich mit 34 Medaillen (12 x Gold), Großbritannien mit 32 Medaillen (9 x Gold), den Niederlanden mit 26 Medaillen (10 x Gold), Italien mit 23 Medaillen (7 x Gold), der Schweiz mit 23 Medaillen (5 x Gold), Russland (mit UdSSR) mit 15 Medaillen (6 x Gold) und Australien mit 11 Medaillen (6 x Gold).

Reitsport-Land M-V

Mecklenburg-Vorpommern hat ebenfalls eine große reitsportliche Tradition, die nicht nur, aber insbesondere im Springreiten unter anderem durch Heiko Schmidt, Andre Thieme, Holger Wulschner, Thomas Kleis, Andre Plath oder Philipp Makowei in der Gegenwart fortgesetzt wird.

Das Landgestüt Redefin, das in diesem Jahr 204 Jahre alt wird, ist nach wie vor beliebter Austragungsort von reitsportlichen Turnieren.

Pferdesportliche Traditionen hat speziell auch Schwerin: Der Verkauf von Pferden aus dem Großherzoglichen Gestüt des Schweriner Marstalls für „Dressur-Wettbewerbe“ in Deutschland erfolgte seit 1818. Erste „Dressur-Wettstreite“ wurden in Schwerin im Jahr 1846 ausgetragen. Seit 2011 wird in der Landeshauptstadt M-V zudem jeweils zu Jahresbeginn ein Hallen-Turnier in der Sport- und Kongreßhalle ausgetragen .

Nicht zu vergessen: Bereits 1804 fanden erste Pferderennen bei Bad Doberan statt und offiziell gibt es dort seit 1822 eine Galopprennbahn, die eine ausgezeichnete Resonanz erfährt.

M-V hat aber auch eine olympische reitsportliche Tradition.

So wurden die olympischen Reitsport-Wettkämpfen im August 1928 in Amsterdam nicht nur allgemein von deutschen Reitern mit dominiert, nein, auch der vor fast 130 Jahren, 1887, in Klein Belitz (Landkreis Rostock) geborene Carl-Friedrich von Langen, dem auch ein Gut in Parow bei Stralsund gehörte, war einer der Protagonisten der Dressur-Wettbewerbe 1928.

Auf „Draufgänger“ gewann er Gold im Einzel als auch mit der Mannschaft.
Das deutsche Reitsport-Team war seinerzeit in Amsterdam mit 2 x Gold und 1 x Bronze hinter den Niederlanden, die das Vielseitigkeitsreiten dank Charles Pahud de Mortanges beherrschten und 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erkämpften, das zweiterfolgreichste Team`28 im Pferdesport. Im Springreiten gingen Gold an die Tschechoslowakei (Einzel: Frantisek Ventura) und Spanien (Mannschaft).

Weitere olympische Platzierungen aus M-V-Sicht

MV kann jedoch – in olympischer Reitsport-Hinsicht – nicht nur Carl-Friedrich von Langen aufweisen, sondern auch weitere Reitsportler mit olympischen Ehren.

… Die ersten olympischen Goldmedaillen erkämpften die deutschen Vielseitigkeitsreiter  1936 in Berlin – dank eines gebürtigen Mecklenburgers. Ludwig Stubbendorff, 1906 im mecklenburgischen Turloff-Dabel geboren, siegte auf „Nurmi“ vor dem Amerikaner Earl Foster Thomson und dem Dänen Hans Lunding. Auch die deutsche Mannschaft erkämpfte Gold vor Polen und Großbritannien.

Der aus Pommern stammende Heinz Pollay wurde auf „Kronos“ ebenfalls Olympiasieger 1936 in Berlin – im Dressur-Reiten im Einzel und mit der deutschen Mannschaft.

Und weitere Reitsportler aus M-V starteten bei Olympischen Spielen.

Der 1938 in Röbel geborene Horst Köhler wurde 1968 Olympia-Fünfter im Einzel und Olympia-Vierter mit der DDR-Dressur-Equipe. In München 1972 konnte er mit dem DDR-Dressur-Team dann Rang fünf belegen. Unter anderem war er auch Vize-Europameister 1969 und WM-Dritter 1970 mit dem DDR-Team.

Aus Willershausen bei Grimmen stammt Rudolf Beerbohm, Jahrgang 1941, der zum Beispiel 1972 in München in der Military mit seinem Pferd “Ingolf” Elfter im Einzel und Fünfter mit dem DDR-Team wurde. Rudolf Beerbohm war nicht der einzige vorpommersche Military-Reitsportler, der in München 1972 dabei war. Der Team-Dritte Harry Klugmann, Jahrgang 1940, Verein RFV Greven, wurde in Stolpe (heutiger Landkreis Vorpommern-Greifswald) geboren.

Ein weiterer Olympia-Reitsportler aus M-V ist Gerhard Brockmüller aus Darchau, der folgende Resultate bei Olympischen Spielen vorweisen kann: in Mexico-City 1968 – Dressur-Einzel (12.), Dressur-Team mit der DDR (4.) – in München 1972 – Dressur-Einzel (13.), Dressur-Team mit der DDR (Besetzung: mit Gerhard Brockmöller, Wolfgang Müller und dem in Röbel geborenen Horst Köhler – 5.).

Vielleicht schafft ja mit Blickrichtung Rio wieder einmal ein Reitsportler aus M-V die Olympia-Qualifikation?!

Marko Michels


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