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Nachrichten Mecklenburg-Vorpommern

ADHS in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Vormarsch

KKH-Allianz: Anteil der betroffenen Kinder um 57,6 Prozent gestiegen

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ADHS ist in Mecklenburg-Vorpommern weiter auf dem Vormarsch. Nach einer aktuellen Auswertung der KKH-Allianz wurden in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr drei Prozent der Kinder zwischen sechs und 18 Jahren mit Psychostimulanzien (mit dem Wirkstoff Methylphenidat und Atmoxetin) gegen ADHS behandelt. Im Vergleich zu 2005 entspricht dies einer Steigerung von 57,6 Prozent. Bundesweit wurden 2009 3,8 Prozent der Kinder mit Psychostimulanzien behandelt. „Es liegt die Vermutung nahe, dass zu viele Kinder mit den Wirkstoffen regelrecht ruhig gestellt werden sollen und dies über immer längere Zeiträume“, sagt Sven Gäsert, Leiter des KKH-Allianz Servicezentrums in Schwerin.


Kranke Kinder nehmen mehr Medikamente

Auch der Jahresverbrauch jedes einzelnen gegen ADHS behandelten Kindes ist in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2005 und 2009 um 22,1 Prozent gestiegen. Während 2005 noch durchschnittlich 176 Tagesdosen der häufig verschriebenen Stimulanzien je Kind verabreicht wurden, waren es im Jahr 2009 bereits 215 Tagesdosen pro Jahr. Damit nimmt Mecklenburg-Vorpommern nach Nordrhein-Westfalen (216 Tagesdosen) im Bundesländer-Vergleich den Spitzenplatz beim Arzneimittelverbrauch von Psychostimulanzien ein. „Die Zahlen zeigen, dass kranke Kinder länger bzw. mit höheren Dosen behandelt werden. Der gestiegene Jahresverbrauch pro Kind könnte auf einen sorgloseren Umgang mit den Psychostimulanzien hindeuten“, so Gäsert.


Ärzte sollten sich genügend Zeit nehmen

Betroffenen Eltern rät der Gesundheitsexperte, die Therapie ihrer Kinder ausführlich mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. „Eine seriöse Diagnose erfordert detaillierte Untersuchungen. Hierfür sollte sich der Arzt genügend Zeit nehmen und gegebenenfalls Experten anderer Fachrichtungen hinzuziehen.“ Nicht jedes unaufmerksame, zappelige Kind habe gleich ADHS, so Gäsert. „Eine medikamentöse Behandlung sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Denn über langfristige Nebenwirkungen von Psychostimulanzien ist noch zu wenig bekannt.“


Über das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS)

ADHS bzw. ADS wird eine schon im Kindesalter beginnende psychische Störung genannt. Die auch als Zappelphilipp-Syndrom bekannte Erkrankung äußert sich durch hyperaktives Verhalten. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind ständig unruhig und fallen zum Beispiel in der Schule durch Störverhalten auf. Ursache ist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung zwischen verschiedenen Hirnabschnitten. Die Krankheit kann genetisch bedingt sein.


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