Mehr als 40 Konzerte auf dem Programm

Das Festival Geistlicher Musik im Norden stellt unter dem Thema „Königsmusik“ ein wichtiges Gottesbild der Psalmen in den Mittelpunkt: Gott als König des Volkes Israel. Im christlichen Glauben entspricht dem die Königsherrschaft Christi. In den Psalmen wurde der jeweilige König der Davidsdynastie als „Sohn Gottes“ besungen. In christlicher Deutung wurden diese Texte zu Weissagungen auf den ewigen Sohn Gottes, Jesus Christus. Dessen „Krone“ stellt freilich alle irdischen Königsbilder in Frage.

Christliche „Königsmusik“ zeigt königlichen Triumph wie königliches Scheitern, so zu erleben im Oratorium „Le Roi David“ (König David, Untertitel: „Symphonischer Psalm“) von Arthur Honegger – aufgeführt im Jahr des 60. Todestages des französisch-schweizerischen Komponisten (21.6., 20 Uhr, St. Marien) und in Georg Friedrich Händels Oratorium „Saul“, das den von Gott verworfenen Vorgänger Davids in den Mittelpunkt stellt (17.6., 20 Uhr, St. Marien).

Am ersten Abend erklingt mit Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen überhaupt (15.6., 20 Uhr, St. Jacobi). An ihr werden wieder die jungen Preisträger des unmittelbar vor der Bachwoche veranstalteten 3. Internationalen Gesangswettbewerbs „cantateBach!“ als Solisten mitwirken. Auch die h-Moll-Messe ist einem König gewidmet: Kurfürst Friedrich August II. von Sachsen, der alsAugust III. zugleich König von Polen war.

Das produktive Zusammenwirken des Leipziger Thomaskantors mit dem musikalischen Preußenkönig Friedrich II. – der spätere Sieger über Friedrich August im verlustreichen Siebenjährigen Krieg – wird ebenfalls hörbar: Im „Musikalischen Opfer“über ein „königliches Thema“ – etwas für Nachtschwärmer: Bei dieser Bachwoche wird das „Musikalische Opfer“ über sechs Nächte hinweg in sechs Abschnitten jeweils um Mitternacht aufgeführt (15.-20.6., 24 Uhr, St. Marien).

Der komponierende Preußenkönig steuert auch ein Flötenkonzert bei, das neben „königlichen“ Werken Sibelius’, Klamis und Griegs im Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Vorpommern zu hören ist („Nordische Königsmusik“, 18.6., 20 Uhr, St. Marien). Mozart ist mit einem „Krönungskonzert“ (Große Kammermusik, 16.6., 20 Uhr, St. Jacobi, Kammerorchester der Komischen Oper Berlin) und der „Krönungsmesse“ (Liturgisches Nachtgebet, 17.6., 22 Uhr, St. Marien, Universitätssinfonieorchester, Chor und Solisten) vertreten.

Eine „Nacht der Davidspsalmen“ (Chorkonzert 20.6., 20 Uhr, St. Marien) lässt den biblischen König selbst zu Wort kommen und bei den täglichen „Geistlichen Morgenmusiken“ in St. Jacobi und in St. Marien (16.6.,17.6.,19.6., 10 Uhr, St. Jacobi; 18.6., 20.6., 21.6., 10 Uhr, St. Marien) bei denen jeweils die Aufführung einer Bach-Kantate im Mittelpunkt steht, können spontane Mitsänger im Projektchor königlich einstimmen und diesmal ganz neue klangliche Eindrücke sammeln – wie übrigens alle Bachwochenbesucher: Das gesamte musikalische Programm der Bachwoche ist ausschließlich in den „anderen“ reizvollen Kirchen der Stadt zu erleben, da der Dom St. Nikolai – sonst Hauptaufführungsort der Greifswalder Bachwoche – dank großer Spendenbereitschaft und öffentlicher Hilfen in diesem Jahr intensiv im Inneren saniert wird.

Die Dorfkirchenkonzertreise lässt im intimeren Rahmen das „Instrument der Könige“ (die Harfe) erklingen (17.6., 12 Uhr, Kirche Richtenberg) und an der „Hausmusik am Hofe Friedrichs des Großen“ teilnehmen (17.6., 15 Uhr, Schlosskirche Franzburg).

Zum Auftakt einer Bachwoche „Königsmusik“ muss es in einer Stadt, in der der Oberbürgermeister Arthur König heißt, auch ein wenig Schabernack geben – mit Trompetenklängen des exzellenten „Trompeten von Troia Trios“ (Musiker des Konzerthausorchesters Berlin) vor dem Rathaus, unter dem Fester des OB, Motto: „Königs Musik“! (15.6., 12 Uhr, Rathaus). Gleich anschließend begibt sich die Bachwoche zur Exkursion zu einem königlichen Instrument nach Stralsund, der Stellwagen-Orgel in St. Marien, um in einem Symposium und Konzert dem Ergebnis der Wiederentdeckung von Choralzyklen Daniel Magnus Gronaus, einem Zeitgenossen Bachs, zu lauschen (Abfahrt 13.30 Uhr).

Und auch der Prunk europäischer Königshäuser kann ein wenig nachempfunden werden, so beim „Divertissement Royaux“ bei dem in barockem Ambiente zu Musik auf historischen Instrumenten Tänzer in historischen Kostümen Musik und Tanz vom Hofe Ludwigs XIV. darbieten (21.6., 16 Uhr, Aula der Universität), und – Open Air! – mit Händels Wassermusik und „Music of the Royal Fireworks“ am Begegnungsabend mit Feuerwerk am Ufer des Ryck! (19.6., 21 Uhr, Maritimes Jugenddorf Wieck).

Zu den über vierzig Veranstaltungen dieser Bachwoche (davon kann wieder bei rund der Hälfte kostenlos teilgenommen werden) gehören ferner Vorträge (z.B. eine psychologische Darstellung in der Alterskreativität bei Johann Sebastian Bach von Prof. Dr. Andreas Kruse, Heidelberg, 16.6., 11.30 Uhr, Hauptgebäude der Universität), Kinderkonzerte (Musical „König David“ von Thomas Riegler, 18.6., 11.30 Uhr und 15 Uhr, St. Jacobi), eine Jazzmesse (19.6., 16 Uhr, Katholische Kirche St. Joseph), ein Jugendtanzprojekt (20.6., 12 Uhr, Maritimes Jugenddorf Wieck), ein Mitternachts-Orgelkonzert (20.6., 24 Uhr, St. Marien), ein Komponistenkonzert mit neuen Werken zu Bachs „Königlichem Thema“ (16.6., 16 Uhr, Pommersches Landesmuseum“), weitere Konzerte in kleineren Besetzungen (Musik der Könige für Trompete, Pauke/Percussion und Orgel, 18.6., 16 Uhr, Katholische Kirche St. Joseph; Georg Friedrich Händel: „Dixit Dominus“ HWV 232, 20.6., 16 Uhr, Kirche Wieck) und Musikalische Comedy (P.D.Q. Bach – Königliches?, 18.6., 22 Uhr, Lutherhof).

Erwartet werden erneut ca. 10.000 Veranstaltungsbesucherinnen und -besucher.

Reinhard Lampe
Pressesprecher / „Bach-Woche“